Rundfunk-Journalisten haben Insolvenz angemeldet: Todesstoß für den Sender „Hellas Live“

Rundfunk-Journalisten haben Insolvenz angemeldet: Todesstoß für den Sender „Hellas Live“

Von D. Schmidt Elmendorff

Von D. Schmidt Elmendorff

Hellas Live sendet nicht mehr. Gerade mal zwei Jahre währte das Radio-Projekt, das vier Mitarbeiter des WDR in Meerbusch installiert hatten. Während der Hauptsaison versorgte Hellas Live deutsche Urlauber auf den Inseln Kreta, Korfu und Rhodos mit Nachrichten, Ausflugstipps, Comedy-Serien, Musik und ein paar Lektionen Griechisch.

Jetzt haben die Rundfunk-Journalisten Insolvenz angemeldet. Sie scheiterten vor allem an der Lizenzsituation. "Wir mussten auf den angemieteten Frequenzen griechischer Rundfunkbetreiber senden, weil wir keine eigene Lizenz hatten", erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Markus Gröters.

Der Regierungswechsel in Griechenland versetzte dem Urlaubssender dann den Todesstoß: "Alle Lizenzen wurden gestrichen". Die deutsche Botschaft habe sich zwar für die Radiomacher aus Meerbusch eingesetzt, aber mehr als eine vage Aussicht für die Urlaubssaison 2006 kam dabei nicht heraus. "Ein Sender muss eben ausstrahlen, das wäre sonst getrau so, als wenn niemand die Zeitung austragen würde", sagt Gröters.

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Das war aber auch nur ein Grund, denn ohne Werbeeinnahmen kann sich ein Sender nicht finanzieren. "Es war relativ schwierig, auf den Inseln Werbekunden zu finden", erklärt Gröters. Nicht nur die Journalisten selbst betrieben Akquise, ein Vertriebspartner vor Ort koordinierte die Geschäfte vor allem mit Hotelketten und Fluggesellschaften. Ein weiteres Problem war die schlechte Zahlungsmoral der Kunden.

Die Resonanz der deutsche Touristen sei durchweg positiv gewesen. Nachdem sich der Sender nach der ersten Saison in die Winterpause begeben hatte, wurden sie per E-Mail mit besorgten Nachfragen bombardiert, ob eine technische Störung vorliege. "Das hat uns echt überrascht", erklärt Gröters. In der zweiten Saison, in der sie große Olympia-Blöcke ins Programm einbauten, erhielten sie "viele schöne Briefe".

"Wir haben auf diese Art auch erfahren, dass uns viele Ostdeutsche und Österreicher über Satellit empfingen". Die haben sich so ihre Urlaubsstimmung konserviert, vermutet Gröters. Sehr gut sei die Musikwunschsendung zur Mittagszeit unter dem Titel "siga siga", was so viel wie "ganz ruhig, mal locker" heißt, angekommen.

(NGZ)
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