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Rhein-Kreis Neuss: Tischler zeigen handwerkliche Kunstwerke

Rhein-Kreis Neuss : Tischler zeigen handwerkliche Kunstwerke

Tischler verstehen nicht nur ihr Handwerk, sie sind auch in Form- und Farbgebung kompetent. Das zeigt eine Ausstellung von Gesellenstücken in Neuss.

Vier quadratische Fläche aus gekälktem Eichenholz machen aus dem Wohnzimmerschrank von Max Spix einen echten Hingucker. Zu schön, um die Symmetrie der Front durch Griffe zu verunzieren, war sich der Auszubildende mit seiner Mutter einig, die sich den Schrank gewünscht hatte. So kam Spix auf den Kniff, Magnete in der Front zu platzieren, damit die Türen seines Gesellenstückes mit einem anderen Magneten geöffnet werden können. Eine Lösung, die es so nicht ab Werk gibt und ein Beispiel dafür, was Handwerk vermag, um individuelle Wohnwünsche zu erfüllen. Seit gestern ist sein Werk im Neusser Rathaus zu bewundern.

Für Spix und 20 weitere Nachwuchshandwerker ist in dieser Woche der Abschluss der Lehrzeit das Wichtigste. Ihr Gesellenstück — von der Idee über die Planung bis zum fertigen Möbel in rund 100 Arbeitsstunden entstanden — ist fertig und wird heute von einer Jury begutachtet. Mittwoch folgt Teil zwei der praktischen Prüfung bei der Handwerkskammer, Sonntag sollen den ausschließlich männlichen Kandidaten in der Lossprechungsfeier im Neusser Rathaus die Gesellenbriefe übergeben werden.

All das ginge auch ohne Ausstellung. Aber weil die Tischler-Innung im Rhein-Kreis einerseits auf die individuellen Designleistungen ihrer Zunft aufmerksam machen möchte, andererseits fördern möchte, dass sich die Lehrlinge nicht nur die technologischen Verfahren aneignen, sondern auch kompetent in Form- und Farbgebung werden, nehmen alle öffentlich ausgestellten Gesellenstücke auch an dem Wettbewerb "Die gute Form" teil. Ohne dass ihr Abschneiden dort Einfluss auf die Prüfungsnote hätte, wie Innungsobermeister Uwe Köhler Köhler hervorhebt. Die Preisträger stehen heute fest, die besten nehmen am anschließenden Landesentscheid teil.

Tropenhölzer sind bei den Tischlern kaum noch ein Thema, erklärt Klaus Harder, der Vorsitzende des Prüfungsaussschusses. Eiche — unterschiedlich behandelt — sowie Nussbaumholz in Kombination mit Weiß liegen nach wie vor im Trend. Standard, so Harder, sind inzwischen auch Lichtelemente mit LED-Technik. Verbaut finden sich die Materialien in Schreibtischen, Schränken und Truhen. Betten, wie noch im Vorjahr, fehlen in der Ausstellung. Das aber sei kein Trend.

(NGZ)