Urteil zum "Schächten" sorgt für Missverständnisse: Tierschützer-Appell vor islamischem Opferfest

Urteil zum "Schächten" sorgt für Missverständnisse : Tierschützer-Appell vor islamischem Opferfest

Tierschützerin Margarete Salem appelliert im Hinblick auf das islamische Opferfest in dieser Woche, auf den Ritus des betäubungslosen Schächtens zu verzichten. Adressat ihres Aufrufs sind die mehr als tausend in Meerbusch und die weiteren im Kreis Neuss lebenden jüdischen und moslemischen Glaubensangehörigen.

Tierschützerin Margarete Salem appelliert im Hinblick auf das islamische Opferfest in dieser Woche, auf den Ritus des betäubungslosen Schächtens zu verzichten. Adressat ihres Aufrufs sind die mehr als tausend in Meerbusch und die weiteren im Kreis Neuss lebenden jüdischen und moslemischen Glaubensangehörigen.

"Mir ist schon klar, dass jemand, der sich gegen das Schächten wendet, nicht gleichzeitig die tagtäglichen Massenabschlachtungen, die unsinnigen Tiertransporte und andere Tierquälereien aus dem Blick verlieren darf", sagte die in Strümp lebende Vertreterin des Tierschutzvereins für den Kreis Neuss. Dennoch stelle das bevorstehende islamische Opferfest und das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts aktuell einen Anlass dar, vor den Folgen öffentlich zu warnen. "Wir warnen vor illegalen Privatschächtungen in irgendwelchen Hinterhöfen, Garagen oder Schrebergärten", sagte Margarete Salem und bittet um verstärkte Aufmerksamkeit.

Sie fordert auf, in Verdachtsfällen die Polizei (02131/3000) oder das Veterinäramt (02181/601-3920) zu verständigen. Das Urteil der Karlsruher Richter, nach dem betäubungsloses Schächten unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist, sorge für Missverständnisse. Ein betäubtes Tier habe die moslemische oder jüdische Familie nach alter Rechtsprechung selbst schächten dürfen. Das sei jetzt verboten. Ohne Betäubung dürfe ebenfalls nur ausgebildetes Personal schächten. Das heißt, dem Tier mit einem scharfen Schnitt Gewebe, Luft- und Speiseröhre, Muskulatur und die hoch schmerzempfindlichen Nervenstränge bis hin zur Wirbelsäule zu durchtrennen.

Während des Ausblutens, so beschreibt es Chirurg Dr. Werner Hartinger von der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, ist das Tier bei vollem Bewusstsein, da die großen, das Gehirn versorgenden Arterien innerhalb der Halswirbelsäule ebenso wie das Rückenmark und die zwölf Hirnnerven intakt bleiben. Die Praxis sei zum Beispiel in Schweden, Norwegen, in der Schweiz und in Luxemburg verboten, so Margarete Salem.

Der Appell des Tierschutzvereins richtet sich außerdem an die Schafhalter und Schafschlachtbetriebe, ihre Tiere für diese Zwecke nicht zu verkaufen oder sie nicht ohne Betäubung zu töten. Um dem Tierschutz mehr Gewicht zu verleihen, sollte er "endlich in die Verfassung aufgenommen werden", so Margarete Salem. Unter der Rufnummer 02183/7592 bietet der Tierschutzverein Namen und Anschriften von Politikern an, die als Ansprechpartner für das "Staatsziel Tierschutz" in Frage kommen. sti

(NGZ)
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