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Eine Künstlerin in Neuss: Ulrike Kröninger in Wehl: "Tanz der Elemente"

Eine Künstlerin in Neuss: Ulrike Kröninger in Wehl : "Tanz der Elemente"

Die Künstlerin Ulrike Kröninger ist ein temperamentvoller Mensch. "Ich fühle mich der italienischen Seele sehr verwandt", sagt sie, schwärmt vom Land, in dem sie nicht nur Urlaub macht, sondern bereits auch mehrfach ausgestellt hat, redet mit den Händen, malt Landschaften in die Luft. "Gleichzeitig stehe ich mit beiden Beinen auf dem Boden, bin geerdet." Diese Ambivalenz ist deutlich auch in ihren Bildern zu spüren.

Ulrike Kröninger kommt vom Aquarell, arbeitet aber heute überwiegend in Acryl. Das neue Medium benutzt sie in gewohnt spontaner Manier, lasiert und lässt Farben ineinander fließen. Dabei kommen nicht nur Pinsel, sondern auch Finger, Lappen und andere Utensilien zum Einsatz, mit denen sie die Farben auf die Fläche aufbringt. Genaueres verrät sie nicht. Was entsteht sind Landschaften. Manchmal ganz konkrete wie eine Reihe von Ansichten des Quirinus Münsters. Davon besitzt Ulrike Kröninger selbst keine mehr, alle sind verkauft, aber das Thema ist noch aktuell. Im Augenblick illustriert sie nämlich ein Buch mit Geschichten und Gedichten aus Neuss, die Simon Hopf zusammengetragen hat.

Die anderen Landschaften bleiben dagegen auf träumerischer Ebene. "Sie kommen beim Malen aus dem Inneren oder aus der Erinnerung hoch", erklärt Ulrike Kröninger. Einige haben landschaftliche Bezüge, immer wieder Küstenlinien an denen Land, Wasser und sonnendurchglühte Luft miteinander verschmelzen. Die vier Elemente scheinen genau dort ihren Tanz zu beginnen. Wenn auch kein spezieller Ort gemeint ist, so sind die Landschaften von verschiedenem Temperament. Es sind südliche Gefilde darunter, aber auch Gletscherlandschaften, die bisweilen die Farbkruste in feinem Krakele zerspringen lassen.

Die atmosphärischen Landschaftsräume von subtiler Farbigkeit sind weit, lassen Horizonte nur erahnen. Nebel und Wolken verhängen das Zentrum. Je höher der Abstraktionsgrad, desto mehr verdichtet sich die Farbe - manchmal mit Holz- und Metallpartikel vermengt - und konzentriert sich in der Mitte des Bildes, nimmt fast körperhafte Züge an. Das, was sich in Ulrike Kröningers farbigem Kosmos zeigt, ist im Schwebezustand. "Ich mag es, wenn sich die Betrachter in die Bilder hineinspinnen können, deshalb muss Spielraum bleiben."

Seit einiger Zeit studiert Ulrike Kröninger mit einem Skizzenblock bewaffnet Balletttänzer bei ihren Proben. Entstanden sind eine Reihe lockerer Skizzen, in der sie die Körper in Bewegung, in der Schwebe des Sprungs zwischen Himmel und Erde einfängt. Die Zeichnungen setzt sie in ihrem Atelier in großformatige Tanzbilder um, bei denen die Figuren in die bereits vorhandenen Farbräume einzutauchen scheinen. "Durch meine Bilder, meine Farben drücke ich mich aus, die Tänzer haben ihren Körper und den Tanz."

Die Musik ist dabei das verbindende Element, nach der sich sowohl die Tänzer als auch die Malerin bewegen. Der CD-Player ist fester Bestandteil des Ateliers von Ulrike Kröninger, ohne Musik geht dort nichts. "Tanz der Elemente" ist auch der Titel, den Ulrike Kröninger für ihre Ausstellung in Schloss Neersen gewählt hat, die, Sonntag, 6. April, um 11 Uhr eröffnet wird und bis zum 27. April dort zu sehen sein wird. Der Förderpreisträger für Tanz des Landes NRW 2002, Michael Matys, wird zu ihren Bildern tanzen. Jutta Saum

(NGZ)