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Rhein-Kreis Neuss: Studie: Mittelstand in Sorge

Rhein-Kreis Neuss : Studie: Mittelstand in Sorge

Die Wirtschaft im Kreis boomt – noch. Blicken die Unternehmen in die Zukunft, fallen die Prognosen zunehmend pessimistischer aus. Das ist das Ergebnis des "Mittelstandsbarometers", für das 500 Firmen befragt wurden.

Die Wirtschaft im Kreis boomt — noch. Blicken die Unternehmen in die Zukunft, fallen die Prognosen zunehmend pessimistischer aus. Das ist das Ergebnis des "Mittelstandsbarometers", für das 500 Firmen befragt wurden.

Ein freundlicher Konjunkturhimmel mit dunklen Wolken am Horizont, so beschreibt Kreiswirtschaftsdezernent Jürgen Steinmetz das Ergebnis des "Mittelstandsbarometers Rhein-Kreis Neuss 2012". Kreis, Sparkasse Neuss und Creditreform hatten die repräsentative Telefonbefragung von Unternehmen in allen acht Kreis-Kommunen bereits zum fünften Mal in Auftrag gegeben. "Wir wollen wissen, wie der Mittelstand tickt", sagt Steinmetz.

Auf den ersten Blick gibt die Analyse des Institutes "Konjunkturforschung regional" kaum Grund zur Sorge: Der Geschäftsklima-Index, in den Daten zur Auftrags-, Umsatz und Ertragslage sowie zum Personalbestand einfließen, liegt mit einem Wert von 116 zwar acht Punkte niedriger als 2011, befindet sich aber noch immer auf hohem Niveau. Die Personalplanung der Unternehmen ist stabil, die Investitionsbereitschaft steigt.

Im Detail betrachtet, offenbaren sich dennoch Hinweise auf Zukunfts-Pessimismus. Ein Beispiel: Zwar planen sechs von zehn Unternehmen im Kreis in den nächsten Monaten Investitionen (60 Prozent, +11 Punkte), dabei handelt es sich jedoch zunehmend um Ersatzinvestitionen, weniger um Kapazitätserweiterungen.

Das Investitionsklima wird mit einer Schulnote von 3,09 negativer beurteilt (Vorjahr: 2,86), ist damit aber immer noch besser als im Bundesdurchschnitt. "Die Euro-Krise kommt langsam auch in der Region an", warnt Detlef Frormann, Chef der Creditreform Düsseldorf Neuss. Kritischer als 2012 wird zudem die Praxis der Kreditvergabe bewertet. Michael Schmuck, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neuss, hält dies jedoch eher für ein "gefühltes Manko". Zumindest für die Sparkasse gelte: "Wir haben unsere Kreditvergabekriterien nicht verändert und schränken unsere Kreditvergabe nicht ein." Von einer "Kreditklemme" könne keine Rede sein. Auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke sieht trotz einiger negativer Indikatoren keinen Anlass für übertriebenen Pessimismus: Großinvestitionen wie die TDI-Anlage von Bayer für die Kunststoffproduktion in Dormagen, der Umzug des Automobilzulieferers Pierburg auf die Hafenmole I in Neuss oder der Neustart der Aluminium -Hütte Rheinwerk zeigten, dass sich die Wirtschaft im Rhein-Kreis weiter positiv entwickle. Aus Wirtschaftsförderungssicht ebenfalls ein Erfolg: Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen würden den Kreis als Standort empfehlen. Ein Manko: Mit 44 Prozent (-6) gaben weniger Firmen an, die Angebote der Wirtschaftsförderer in den Kommunen überhaupt zu kennen. "Daran müssen wir arbeiten", sagt Steinmetz. Die Qualität der Beratung stimme, das zeige ein anderer Wert: 57 Prozent (+7) der Firmen, die Kontakt zur Wirtschaftsförderung hatten, bewerten diese gut bis sehr gut, nur sechs Prozent (-2) als mangelhaft oder ungenügend.

Mit den Wirtschaftsförderern der Kommunen will Steinmetz auch eine lokale Auswertung analysieren: Danach werden Erwartungen und Geschäftsklima durchaus unterschiedlich bewertet: Rommerskirchen und Dormagen liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt, Kaarst und Korschenbroich dagegen darunter. Über Ursachen lässt sich derzeit nur spekulieren: Steinmetz verweist zum Beispiel in Kaarst auf die lange Diskussion um den Ikea-Umzug. "Das bremst. Ist das Thema durch, könnte davon die ganze Stadt profitieren." Dormagen dagegen profitiere von Investitionen vor allem im Chempark.

(NGZ/ac)