Start in die Sommersaison

Von Petra Schiffer

Lad te smage!" heißt "Guten Appetit" auf Dänisch, "kabu apetiti" auf Lettisch: Nicht nur die Gastronomen auf der Kö sind am Sonntag, 15. Mai, auf Gäste aus der ganzen Welt eingestellt. An diesem Tag öffnen in Düsseldorf von 13 bis 18 Uhr die Geschäfte – und die Einzelhändler wollen mit vielen Sonderaktionen Kunden aus der Stadt und der Region, aber auch die internationalen Besucher in die Läden ziehen, die an diesem Wochenende in der Landeshauptstadt zu Gast sind.

"Der verkaufsoffene Sonntag ist für uns der Start in die Sommersaison", sagt Lothar Mildebradt, Geschäftsführer des Kaufshofs an der Kö. Vor dem "internationalen" Wochenende werde der Kaufhof von der Frühjahrs- auf die Sommerkollektion umstellen – und dabei vor allem Artikel "made in Germany" in den Vordergrund rücken. Schließlich seien an diesem Sonntag nicht nur die Gäste des Eurovision Song Contests (ESC) in der Stadt, sondern auch internationales Publikum der Fachmesse "interpack". "Wir erzielen das ganze Jahr über gute Erfolge mit klassischen deutschen oder Düsseldorfer Produkten", sagt Mildebradt. Deshalb sei er sicher, dass am 15. Mai nicht wenige Altbier-Gläser mit dem Schlossturm oder T-Shirts mit dem Radschläger über die Ladentheke gehen werden. "Aber auch Haushaltswaren von Zwilling oder deutsche Süßigkeiten laufen gut", so Mildebradt.

Auch Karstadt zeigt sich weltoffen. So wird es am Sonntag im Kaufhaus einen Dolmetscher-Service geben. "Mitarbeiter, die eine Fremdsprache beherrschen, werden mit einer kleinen Flagge gekennzeichnet sein, damit Besucher sofort erkennen können, wer sie in ihrer Landessprache beraten kann", erklärt Geschäftsführer Günter Cremer. Das Verkaufsteam sei auf diesen Service optimal vorbereitet. Cremer: "Das bedeutet auch, dass wir sehr schnell organisieren, dass die chinesische Mitarbeiterin, die eigentlich in der Haushaltswaren-Abteilung arbeitet, in die Parfümerie-Abteilung kommt, wenn dort eine Übersetzerin gebraucht wird." Darüber hinaus präsentiere sich auch Karstadt sommerlich – mit einem zwei mal acht Meter großen Mohnblumenfeld, das vor der Filiale in einer gemeinsamen Promotion-Aktion mit "Kenzo-Düfte" angelegt wird. Pflücken können die Kunden selbst. Außerdem beteiligt sich Karstadt an der Kampagne "Kunst befreit", bei der mit Duplikaten im Haus auf die Wiedereröffnung der Sammlung Museum Kunstpalast am 7. Mai aufmerksam gemacht wird.

Die Kooperation mit dem Museum ist auch der Schwerpunkt in den Schadow-Arkaden. "Das Motto steht für die Befreiung der Kunst, die nach mehr als zwei Jahren Bautätigkeit im Museum endlich wieder der Öffentlichkeit präsentiert wird", erklärt Theresa Lange vom Museum Kunstpalast. In den Schadow-Arkaden könnten sich Interessierte mit aus den Werken "befreiten" Helden wie etwa Jan Wellem oder der Frau des Kandaules fotografieren lassen. Die Fotos werden direkt vor Ort ausgedruckt. Darüber hinaus gebe es ein "lustiges Angel-Kunst-befrei-Spiel" und ein Gewinnspiel. Mit dem ganz großen Umsatz rechnet Arkaden-Manager Harald Feit trotz dieser Attraktionen nicht. "Unsere Erwartungen sind nicht zu hoch", sagt Feit. Der ESC sei gelaufen – und sicherlich würden sich nicht wenige Besucher am Sonntag wieder auf den Rückweg machen. Außerdem seien verkaufsoffene Sonntage im Mai traditionell nicht so stark wie in der Winterperiode zwischen Oktober und Februar.

Da ist Rainer Gallus, Geschäftsführer des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes in Düsseldorf optimistischer: "Die Umsätze des internationalen Publikums werden an diesem Tag eine Rolle spielen", meint er. Und es gehe nicht nur um das Geld, das am 15. Mai selbst in der Kasse klingelt. "Aus der Region wird so mancher den Tag nutzen, um zu bummeln, Eindrücke zu sammeln und sich zu informieren, und später wiederkommen, um zu kaufen", sagt Gallus. Nicht zuletzt sei der Sonntag die Gelegenheit für Düsseldorf, sich als Einkaufsstadt zu profilieren und sich "der ganzen Welt von der allerbesten Seite zu zeigen".

Diese Chance auf Imagepflege haben auch die Geschäfte an der Königsallee erkannt. "So viele haben bei einem verkaufsoffenen Sonntag noch nie mitgemacht", betont Karl-Heinz Eiffler von der Interessengemeinschaft Königsallee. Und die meisten wollten ihren Kunden an diesem Tag etwas Besonderes bieten. Die Palette reiche von Foto-Shows mit Vorher-nachher-Make-up bei Douglas über Sonderausstellungen in der Galerie Weick bis zu Live-Musik bei Mont Blanc oder Jazz im stilwerk.

Der 15. Mai hat in Düsseldorf ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: Es ist der einzige verkaufsoffene Sonntag im Jahr, dem die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Stadt ihren Segen erteilt hat. Hintergrund ist der Song-Contest, der eine "besondere Situation für die Besucher der Landeshauptstadt" schaffe.

(NGZ)