Neuss: Flüchtling Ahmed Mohamed arbeitet jetzt in einer Neusser Kanzlei

Ahmed Mohamed arbeitet in Neusser Kanzlei : Vom Flüchtling zum Steuerfachangestellten

Mit Zahlen kennt er sich aus. Ahmed Mohamed (30) studierte Buchhaltung und Rechnungswesen. Dann kam er mit dem Regime in Konflikt und verließ 2014 sein Heimatland Ägypten. Der Beginn einer modernen Odyssee: Über Russland kam er nach Estland.

Dort arbeitete er als Kellner, lernte die estnische und russische Sprache, bekam jedoch keine Anerkennung als Geflüchteter und musste Estland 2017 verlassen. Seine nächste Station: Düsseldorf. Mit Online-Unterricht auf YouTube brachte Ahmed sich Deutsch bei. „Ich bin Autodidakt und liebe es, Sprachen zu lernen. Außerdem wollte ich mich integrieren und Karriere machen“, so Ahmed. Er leistete Freiwilligenarbeit bei der Kleiderkammer und bei der ökumenischen Flüchtlingshilfe.

„Dann hatte ich das Glück, ein Stipendium beim Institut für Internationale Kommunikation, beim IIK, zu bekommen“, berichtet er. Das gemeinnützige Weiterbildungsinstitut brachte ihn auf ein Sprachniveau, mit dem Ahmed auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen hatte.

Über 50 Bewerbungen verschickte er, zu vier Vorstellungsgesprächen wurde er eingeladen. Bei der Kanzlei SHWP in Neuss bekam er dann den Zuschlag für eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten. „Er ist hervorragend qualifiziert durch sein Studium in Ägypten, die Buchhaltung dort ist mit unserer vergleichbar. Von seinem Auftreten her war er einfach der Beste der Bewerber. Er ist sehr offen und motiviert“, erklärt Carsten Wardemann von der Kanzlei SHWP, der Ahmed schon bei seinen Praktika kennengelernt hatte. Eine stressige Zeit für den Mann aus Ägypten: den halben Tag arbeitete Ahmed Mohamed in der Kanzlei, dann vier Stunden Deutschunterricht beim IIK in Düsseldorf und nachts Vokabeln und Grammatik pauken. Dann hieß es nur noch auf die Arbeitserlaubnis warten, die etwas verspätet eintraf, so dass er seine Ausbildung zum 1. September beginnen konnte.

„Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Arbeit“, sagt Ahmed. Der Bedarf an Fachkräften ist groß. „Wir nehmen gerne Leute, die schon vorher etwas anderes gemacht haben. Wir sind ein internationales Team, weil wir auch viele internationale Kunden betreuen. Unser zweiter Azubi kommt aus Serbien“, so Wardemann. 

(NGZ)