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Gesamtschule Norf - erste Neusser Schule im Netzwerk der Vielfalt

Engagement in Neuss : So setzt die Gesamtschule Norf ein Zeichen für Vielfalt

Herabwürdigende Schulhofparolen sollen in der Gesamtschule Norf ab sofort verpönt sein. Sie gehört nun dem Netzwerk „Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie“ an. Künftig soll jedes Jahr eine „Woche der Vielfalt“ organisiert werden, zum Beispiel mit Workshops zum Thema Coming-Out.

Das Wort schwul geht selbst 62 Prozent der Grundschüler leicht von den Lippen – und immer ist es beleidigend gemeint. Das ergaben Untersuchungen, die Frank Pohl, Landeskoordinator des Netzwerkes „Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie“ am Donnerstag in der Gesamtschule Norf vorstellte. Dort sollen derart herabwürdigende Schulhofparolen künftig verpönt sein.

Dafür setzt sich eine wachsende Gruppe von Schülern aber auch Lehrern ein, die seit November an dem Thema arbeitet und jetzt ein erstes Etappenziel erreichten. Denn als 47. Schule in Nordrhein-Westfalen – aber als erste Schule in Neuss – wurde die Gesamtschule am Feuerbachweg als „Schule der Vielfalt“ anerkannt. Das drückt auch ein neues Schild am Haupteingang in einladenden Worten aus: „Come in – Wir sind offen“.

Lesbisch, schwul, bi-, inter- oder transexuell – das soll keine Rolle mehr spielen. „Jeder darf der oder die sein, die er oder sie ist“, sagte Schulleiterin Saga Sjölund, die das mit dem Wunsch verband: „Jeder soll gerne in die Schule kommen, sich frei entfalten können und sicher fühlen“. Dazu gehöre, sich anderen anvertrauen zu können.

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Dass der Einsatz gegen Homophobie und Ausgrenzung auch ein Einsatz für einen gar nicht so kleinen Teil der Schulgemeinschaft ist, machten Lilly Bellen und Akram Kamel-Basan mit einer Schätzfrage deutlich: „Wie viele Jugendliche sitzen durchschnittlich in einer Schulklasse, die nicht heterosexuell orientiert sind?“, fragten sie. „Drei“ ist die richtige Antwort, bestätigten die Sprecher des Projektteams, dem derzeit 31 Schüler und 14 Lehrer angehören und die die Feier zur Aufnahme in das Netzwerk moderierten. Ihre Gruppe habe sich einiges vorgenommen, erklärte Bellen. So soll künftig jedes Jahr eine „Woche der Vielfalt“ organisiert werden, zum Beispiel mit Workshops zum Thema Coming-Out. Auch ein Begegnungsportal sei im Aufbau, das Schülern wie Lehrern offen stehen soll.

Iman Tiicht, Schülersprecherin der inzwischen bis zur Klasse zwölf aufgewachsenen Gesamtschule, zeigte sich ganz begeistert über das Engagement ihrer Mitschüler. Das Thema sei „so, so, wichtig“, sagte sie. Eine Einschätzung, die Daniel Hübler als Vorsitzender der Schulpflegschaft unterstrich: „Dass Ihr es schafft, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder offenbaren kann, ohne Angst vor negativen Folgen haben zu müssen, das ist mega“, sagte er in Richtung der Schüler.

Mit der Aufnahme in das 2008 ins Leben gerufene Netzwerk sind bestimmte Qualitätsstandards verbunden, wie die Teilnahme an Vernetzungstreffen, Fortbildungsangebote oder eine durchgängige Akzeptanzarbeit. „Dazu gehört ein offenes Kollegium, das seine Schüler ernst nimmt. Dazu gehört eine Schulleitung, die das Bewusstsein für die Vielfalt der sexuellen Orientierungen schafft“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Susanne Benary, die sich an auch die Schüler wandte: „Es ist an euch, denjenigen in eurer Mitte, die nicht heterosexuell sind, das Gefühl zu geben, akzeptiert zu sein. So wie sie sind.“

Rückendeckung gibt es auch von Bundestagspräsidentin a.D. Rita Süssmuth. Die Initiative leiste einen Beitrag zur Vorbeugung von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Lesben und Schwulen. „Das begrüße ich, weil es leider noch immer notwendig ist.“ In Norf denkt man schon einen Schritt weiter. Die Gesamtschule will jetzt auch ins Netztwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.