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Caterer Georg Broich kocht nun auch für Selbstabholer

Rhein-Kreis : Caterer kocht nun auch für Selbstabholer

Der Caterer Georg Broich hat sich auf die Corona-Zeiten eingestellt und kocht für für Abholer.

Die Kundschaft wartet schon, bildet einen Halbkreis. Dabei wird der Mindestabstand von 1,50 Meter überdeutlich eingehalten. Der Foodtruck, ein Citroen HY Baujahr 1974, fährt vor, heraus springen Chris Hilger und Max Turzer. Nach ein paar Handgriffen ist der Verkaufsstand betriebsbereit; inklusive Klebeband auf dem Boden, das den Abstand zur Essensausgabe markiert. Standards in Corona-Zeiten. „Unser Angebot spricht sich herum“, sagt Max Turzer. Täglich werde die Schlange länger. Dabei ist das Duo erst seit Donnerstag am Start. Improvisierter Mittagstisch-Service in einer Krise, die geschlossene Restaurants diktiert.

Gekocht wird in der Zentrale von Broich Catering, während Turzer und Hilger dafür sorgen, dass die Speisen ihren Weg zu den Kunden finden. Zielgruppe sind alle, die auf dem Meerbuscher Areal Böhler arbeiten, darüber hinaus wird aber auch jeder bedient, der tagszuvor bestellt und das Essen dann selbst abholt. Ein Angebot, das einige Restaurants im Kreisgebiet anbieten, die gezwungen sind, den Gastbetrieb einzustellen.

Täglich wechseln bei Broich die Gerichte. Morgen, am Donnerstag (26.), gibt‘s „Schweinebraten in Zwiebel-Rotwein-Jus mit Kartoffel-Möhren-Stanpf“ oder eine „Orientalische Couscous-Gemüsepfanne mit Ras El Hanout, Dörrobst und Nüssen“. Am Freitag (27.) wird „Chilli con Carne mit Reis“ offeriert, alternativ „Penne Rigate in würzigem Basilikum-Sugo mit Kapern und Oliven.“ Die vegetarische Mahlzeit kostet 7,50 Euro, die nicht-vegetarische Variante ist einen Euro teurer. Bezahlt wird mit EC-Karte.

Das Angebot deckt Nachfrage. „Wir sind aufgefordert worden, einen kleinen Mittagstisch anzubieten“, sagt Chef Georg Broich (54), denn in Zeiten, in denen das Coronavirus grassiert, muss auch die Verpflegung neu organisiert werden. Mitarbeiter der Firmen, die auf dem Böhler Areal ansässig sind, wünschen eine warme Mittagsmahlzeit, ebenso vor allem ältere Menschen aus der Nachbarschaft. Schließlich beliefert Broich auch kleine Notgruppen in Schulen und Kitas, in denen Kinder von Eltern betreut werden.

„Das ist alles kein großes Geschäft“, sagt Broich, „aber es hilft den Menschen in der Krise, die wir gemeinsam durchstehen müssen.“ Bei Broich wird gekocht, den Vertrieb übernimmt die Tochtergesellschaft „Bar Event Service“, deren geschäftsführende Gesellschafter Chris Hilger und Max Turzer sind. Gut, dass wenigstens etwas zu tun ist, sagt Broich, denn „bis Ende April findet sich kein Auftrag mehr in unseren Büchern.“

Formal hat Broich Catering heute seinen Sitz in Meerbusch, damit also im Rhein-Kreis. Das entspricht auch der Familientradition des Hauses. Alles begann 1734 im Gasthof „Drei Königen“ in Grevenbroich-Kapellen, wo auch der Urgroßvater des heutigen Inhabers geboren wurde. Dieser Carl Broich ging nach Düsseldorf, wo er sich 1891 selbstständig machte. Georg Broichs Vater Karl wiederum eröffnete 1971 eine Metzgerei mit Partyservice in Kaarst, in die der damals 21 Jahre alte Sohn 1987 einstieg, das Geschäft ausbaute, ehe er vor 20 Jahren auf das Areal Böhler zog und zum Caterer mit 200 Beschäftigten an sechs Standorten (Berlin, Bonn, Düsseldorf, Jüchen, Köln, Mönchengladbach) aufstieg.

Georg Broich wohnt heute in Meerbusch. Aber mit Neuss verbindet ihn mehr als nur die Zeit auf dem Marie-Curie-Gymnasium. Mit großer Begeisterung marschiert er bei der Schützenlust mit, im „Bremszug“ von Oberleutnant Ralf Albrecht. Wie kam es dazu? „Viele von den Jungs wie Stephan Schneider oder die Albrecht-Brüder haben bei mir gekellnert“, sagt Broich, „und irgendwann war ich auch im Zug.“