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Lokalsport: Zwischen Totenstille und Freudenschrei

Lokalsport : Zwischen Totenstille und Freudenschrei

Auf der Anlage des HMC Büttgen tummelten sich zum Bundesligaspieltag gestern die besten Minigolfer Deutschlands.

Wenn man diese Sportler so von außen beobachtet, dann könnte man den Eindruck bekommen, dass Minigolf der vielleicht anstrengendste Sport der Welt ist. Teilweise ist es mucksmäuschenstill, Anspannung und Konzentration in den Gesichtern der Protagonisten sind dann fast greifbar. Wenn man anschließend zum ersten Mal einen dieser Urschreie hört, die die Spieler nach einem besonders wichtigen erfolgreichen Schlag ausstoßen, erschrickt man gar. Sie verdeutlichen den Druck, unter den die Sportler sich setzen und gleichzeitig die Freude und Euphorie, wenn ihnen mal wieder eine perfekte Aktion geglückt ist. Ja, es ist für einen Außenstehenden ein hochinteressanter Anblick, wenn sich die besten Minigolfer Deutschlands zu einem Bundesligaspieltag treffen.

So war es auch gestern auf der Anlage des HMC Büttgen an der Olympiastraße, wo die Bundesliga der Damen und Herren ihren zweiten Spieltag austrug. Was die Männer und Frauen in Büttgen zeigen, ist für jemanden, der diesen Sport wie wahrscheinlich 99 Prozent aller Deutschen nur als sporadische Freizeitbeschäftigung kennt, schlichtweg beeindruckend. "Jeder Spieler hat den Anspruch, jede Bahn mit einem Schlag zu schaffen", sagt der beim HMC für die Pressearbeit zuständige Michael Höfig und deutet auf einen Bildschirm am Vereinsheim. Auf dem Scoreboard treffen soeben die ersten 19er-Runden ein. Die betreffenden Spieler haben für die 18 Löcher also nur einen zusätzlichen Schlag gebraucht. Höfig nimmt das ohne Regung zur Kenntnis - auf diesem Niveau ist das normal. "Heute hat es nur ein bisschen länger gedauert, weil es am Morgen geregnet hat", erklärt er.

Seit dieser Saison sind die Büttgener Frauen als Spielgemeinschaft Büttgen/Uerdingen im Oberhaus des deutschen Minigolf dabei, das neben dem 1. MGC Göttingen und dem 1. BGC Hannover im MGC Dormagen-Brechten einen weiteren Verein aus dem Rhein-Kreis umfasst. Die Dormagener wollen sogar um den Titel mitspielen, wie Spielerin Maike Haupt sagt: "Wir wollen angreifen und werden uns wohl einen Zweikampf mit Göttingen liefern." Mit gleich zwei Teams tritt Dormagen bei den Herren an, beide landen gestern auf den hinteren Plätzen. Die Büttgener machen sich nichts vor. "Es ist eine tolle Erfahrung, aber wir werden uns mit Hannover um die hinteren beiden Plätze streiten. Gerade Göttingen ist einfach zu stark", sagt Höfig. Spielerin Petra Träger findet: "Es macht einfach richtig Spaß, gegen die Besten anzutreten. Ein tolles Erlebnis." Schließlich sind an der Olympiastraße zahlreiche Europa- und Weltmeister zu Gast. Die Brüder Walter und Harald Erlbruch, die für die BGS Hardenberg Pötter antreten, sind - wenn es so etwas in dieser Sportart gibt - die Stars der Szene. Sogar ein Kamerateam begleitet die beiden gestern. Träger darf sich aber nicht beeindrucken lassen: "Die Gefahr ist, dass man es zu gut machen möchte, wenn man mit so starker Konkurrenz spielt."

Foto: Woitschützke Andreas

Wie akkurat die Spieler vorbereitet sind, zeigen große Kisten mit Hunderten von Bällen, die auf der Anlage ausgebreitet sind. Für jede Lage, Spielszene, jeden Untergrund und jede Temperatur gibt es ein passendes Spielgerät. Zwischen 3000 und 4000, schätzt Höfig, besitzen allein die Erlbruch-Brüder. Viele Spieler sieht man mit Socken im Hosenbund (siehe Fotos), in denen sie die Bälle am Körper aufbewahren, um sie auf Temperatur zu halten. Schnell bekommt man also einen Eindruck davon, wie viel Leidenschaft, Arbeit und Präzision die Sportler aufbringen. Zum Wettkampf in Büttgen sind die meisten schon drei Tage im Voraus angereist, um zu trainieren und die Bahn kennenzulernen. "Wenn sie das nicht machen, würden selbst die Spitzenmannschaften durchgereicht werden", sagt Höfig.

Auf der schwierigsten Bahn, die einen sogenannten Teller als Zielpunkt hat, erlaubt sich Petra Träger vier Schläge, ansonsten ist sie einverstanden mit ihrer Runde: "Dafür, dass das am Teller nicht geklappt hat, war das gut." Nach dem letzten Loch wirkt sie ausgelaugt, erschöpft, aber zufrieden. So als hätte sie gerade eine sechsstündige Hochschulklausur geschrieben. Wer weiß, vielleicht ist Minigolf ja tatsächlich der anstrengendste Sport der Welt.

(NGZ)