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Zwillinge beim Neusser EV gemeinsam im Sturm

Eishockey beim NEV : Zwillinge stürmen gemeinsam für Neuss

Eigentlich wollten Marc und Tom Sprengnöder aktuell für den NEV in der Eishockey-Regionalliga in einer Reihe auf Torejagd gehen. Doch wegen der Folgen der Pandemie wurde die Saison abgesagt. Sie müssen sich noch gedulden.

Es kann nicht jeder behaupten, schon mal gegen Fallschirmspringer der russischen Armee Eishockey gespielt zu haben. Noch dazu in Russland selbst. Marc Sprengnöder kann das. 2016 war das, die U20 des Neusser EV war für ein paar Tage zu Gast in der Partnerstadt Pskov im Westen des Landes. „Unbeschreiblich“ nennt Sprengnöder die Erfahrungen, „die russische Kultur, das russische Eishockey, die russischen Lebensverhältnisse“. Das habe seine Teamkollegen schwer beeindruckt.

Zu denen gehörte damals auch Tom Sprengnöder. Und das ist auch heute so in der ersten Mannschaft des NEV, weil man den einen kaum ohne den anderen denken kann. Seitdem sie am 7. November 1999 binnen fünf Minuten zur Welt kamen, verbringen die Sprengnöders ihre Zeit größtenteils gemeinsam. Das gilt auch für ihren Sport: Seit 14 Jahren spielen die Zwillinge Eishockey. Stets im selben Team, stets in derselben Sturmreihe.

 Tom Sprengnöder fühlt sich gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Marc pudelwohl beim Neusser EV.
Tom Sprengnöder fühlt sich gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Marc pudelwohl beim Neusser EV. Foto: NEV

Nur vergangene Saison war das anders, Tom war für sein Studium nach Aachen gezogen, schloss sich dem örtlichen Bezirksligisten an. Ein „komisches Gefühl“, sagt er. Alles war neu, der Klub, das Team, die Halle, die Liga – und vor allem fehlte sein Bruder. Der, mit dem er sich auch auf dem Eis blind versteht. „Ich weiß immer, was er in der nächste Sekunde machen wird, ob er sich anbietet oder in die Schnittstelle läuft. Ich kann das vorher sehen“, sagt Marc Sprengnöder.

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Ihr Debüt bei den Erwachsenen gaben sie schon vor ein paar Jahren, mit gerade mal 16 durften sie hier und da mal mitspielen oder liefen für die zweite Mannschaft auf. 2019/20 schaffte Marc seinen Durchbruch in der Regionalliga, schoss in 22 Spielen fünf Tore und bereitete drei vor. Tom war derweil in Aachen, aber weil das Semester wegen der Pandemie nun ohne Anwesenheitspflicht läuft, kam er im Sommer zurück. Auch sportlich.

Das ließ sich gut an. Das Kraft- und Eistraining startete, die Testspiele liefen, doch als die Saison beginnen sollte, stiegen die Infektionszahlen, die Spielzeit wurde ausgesetzt. Nachdem im Neusser Südpark mittlerweile auch das Eis vorzeitig abgetaut worden ist, steht sogar fest, dass es keine Saison geben wird. Wahrscheinlich erst im nächsten Herbst geht es also wieder aufs Eis. Also müssen die Sprengnöders nun alleine trainieren, wobei ja nie wirklich allein sind, machen nun gemeinsam Krafttraining oder gehen joggen. Das ist natürlich nicht so schön wie Eishockey, aber so sind nun mal die Zeiten. Umso mehr freuen sie sich auf den Moment, wenn sie in ihre erste gemeinsame Regionalliga-Saison starten können. Die Zwillinge in einer Reihe.

Brüderpaare sind im Eishockey keine Seltenheit. Auch Zwillinge gab es schon. Die berühmtesten sind Henrik und Daniel Sedin, zwei Schweden, ehemalige Superstars in der NHL und Olympiasieger 2006. Da wäre allein der Vergleich absurd. Die Sprengnöders nehmen ihren Sport durchaus ernst, aber in der vierten Liga fühlen sie sich gut aufgehoben. „Wir müssen uns erst mal da etablieren, im Moment könnten wir nicht eine Liga höher spielen. In der Oberliga sind viele Profis, da wird oft schon morgens trainiert“, sagt Tom Sprengnöder. Marc ergänzt: „Man muss auch realistisch bleiben. Am liebsten würde ich sowieso für immer in Neuss bleiben.“

Der NEV ist für beide nämlich mehr als ein Sportverein. „Eine Familie“, sagt Tom. Das sagen ja viele, aber ihm kann man das abnehmen. 14 Jahre ist es her, dass ein Schulfreund die Brüder aus Allerheiligen mal mitnahm. Bis dahin hatten sie in Rosellen Fußball gespielt, „aber nachdem wir auf dem Eis waren, haben wir sofort die Sportart gewechselt“, sagt Marc. Dass vielleicht nur einer Ball gegen Puck eintauscht, stand nicht zur Debatte: „Wir haben immer alles gemeinsam gemacht. Auch als wir nach Düsseldorf gewechselt sind. Tom wollte wechseln, hat aber gesagt: ,Ich mache das nur, wenn du mitkommst.’ Dann bin ich mit.“ Zwei Jahre spielten sie an der Brehmstraße, lernten viel. Aber dann zog es sie wieder in die Heimat. Zum NEV, „wo wir jeden kennen“, wie Marc sagt. Und wo sie beim Vereinsfest wie selbstverständlich im Getränkewagen helfen.

Dem Klub gefällt’s. Kinder der Stadt, die sich von der Jugend in die erste Mannschaft hocharbeiten - wer mag das nicht? Beim NEV habe das System, sagt Vereinssprecher Daniel Babic. „Sicher auch aus finanziellen Gründen“, mit Geld kann der NEV nun mal nicht locken, „aber wir setzen bewusst auf die Jugend“, sagt Babic. Gleich acht Spieler der ersten Mannschaft sind schon als Teenager im Südpark übers Eis gerannt. Was wiederum die Sprengnöders freut, wenn man die meisten Mitspieler seit Jahren kennt, spielt es sich leichter. „Wir kriegen hier vielleicht kein Geld, aber ich verliere lieber ein Spiel mehr in der Saison, bin aber glücklich“, sagt Marc Sprengnöder. Und wer weiß, vielleicht geht es ja irgendwann mit dem NEV hoch: „Wir haben eine junge Truppe und können zusammenwachsen. Um den Aufstieg spielen wir eher nicht, aber in zwei, drei Jahren könnten wir mal in die Play-offs kommen.“ Und wenn nicht, machen sie trotzdem weiter. Hauptsache die Zwillinge spielen zusammen.