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Jüchen: Zwei Frauen für mehr Gleichberechtigung

Jüchen : Zwei Frauen für mehr Gleichberechtigung

Ursula Schmitz und Silke Rafaneli sind die Gleichstellungsbeauftragten im Rathaus. Sie sind für Gemeindemitarbeiter und für die Bürger da.

Als 1911 Frauen erstmals mit einem "Internationalen Frauentag" das Frauenwahlrecht, Mutterschutz und humane Arbeitszeiten forderten, versprachen nach einigen Jahren die Einführung politischer Rechte sowie das Recht auf Bildung und Beruf Fortschritte. Doch auch 102 Jahre danach sind manche Vereinbarungen noch immer nicht in die Praxis umgesetzt. Der Weltfrauentag am kommenden Freitag, 8. März, macht deshalb auf noch bestehende Probleme aufmerksam. Unter Federführung der Gleichstellungsbeauftragen der Gemeinde Jüchen, Ursula Schmitz (43) vom Amt für Finanzen und Silke Rafaneli (32) vom Sozialamt, appellieren und erinnern Veranstaltungen rund um dieses Datum, aber auch konkrete Informationen etwa zur Altersvorsorge werden gegeben.

Seit November sind die beiden Frauen in ihrem Amt und widmen sich jeweils fünf Stunden in der Woche den Fragen der Gleichstellung. "Unsere Kernaufgabe ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau", sagt Ursula Schmitz. "In diesem Bereich sind wir sowohl für Bürger als auch für Verwaltungsmitarbeiter zuständig." Aktiv werden sie auch dann, wenn sie merken, dass Bedarf besteht: "Nach der Änderung der Mini-Job-Rahmenbedingungen ist zum Beispiel das Thema Rente wieder aktuell geworden, weil sich da einiges verändert hat", so Schmitz. "Wir versuchen stets, Themen zu finden, die alle betreffen – und im Sinne der Gleichstellung sind auch Männer zu allen Veranstaltungen willkommen."

Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein großes Thema: "Wir arbeiten beide vormittags und leben so vor, wie es funktionieren kann", sagt Silke Rafaneli. Eine feste Sprechstunde gibt es nicht, weil Bürger und Mitarbeiter der Verwaltung sich an die beiden Frauen wenden sollen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. "Dafür, dass wir eine kleine Kommune sind, haben wir sogar viele Anfragen", so Rafaneli.

Meist gehe es um eine als ungerecht empfundene Stellenbesetzung, um Gehaltsfragen, Beförderungen, die ausbleiben oder um den Wiedereinstieg in den Beruf – aber auch um häusliche Gewalt. "Wir sind Ansprechpartner für viele Bereiche, vermitteln aber auch zu anderen Anlaufstellen", so Schmitz. Eine rechtliche Beratung dürfen die beiden Gleichstellungsbeauftragten allerdings nicht leisten.

Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die Situation der anderen – das sind die Stärken von Ursula Schmitz und Silke Rafaneli. "Wir wollen helfen, etwas bewegen und uns für die bekannten Themen einsetzen. Es hat sich vieles verbessert, aber Frauen sind noch immer unterbezahlt und unterrepräsentiert in den Chefetagen", kritisiert Schmitz. Deshalb lautet das Motto der Veranstaltungen zum Frauentag im Rhein-Kreis auch "Kurs halten". Das Programm beinhaltet kulturelle Veranstaltungen, aber auch Vorträge.

(vest)