Lokalsport : Zum Rudern in die USA

Die "Head of the Charles" ist eine der größten Ruderregatten überhaupt. Sie übt auf Athleten aus der ganzen Welt große Anziehungskraft aus. Nächsten Dienstag macht sich ein Damen-Achter aus Neuss auf den Weg nach Boston.

Was für Läufer der New York Marathon in den USA ist, ist für Ruderer die Bostoner Regatta "Head of the Charles". "Da mal dabei zu sein, davon träumt jeder Ruderer. Die Atmosphäre ist einfach faszinierend", sagt Susanne Angenendt vom Neusser Ruderverein. Sie muss es wissen, schließlich war sie 2009 schon einmal dabei, damals allerdings eher zufällig als Ersatzfrau für ein Frankfurter Boot. Zusammen mit ihrem Vereinskameraden Sven Breidenbach, der vor zwei Jahren als Steuermann auch schon mit von der Partie war, setzte sie sich in den Kopf, mal mit einem NRV-Boot in Boston zu starten. Nächsten Dienstag steigt ein Neusser Damen-Achter ins Flugzeug, um am Wochenende darauf auf dem Charles River vor Tausenden von Zuschauern eine Regatta zu rudern.

Ein gutes Jahr und etliche Trainingseinheiten ist es jetzt her, dass die Idee entstand, einen Achter für Boston zusammenzustellen. Damals beklagte sich Breidenbach, dass seine Dienste in Frankfurt nicht mehr benötigt wurden. "Da habe ich gesagt: ,Das kannst Du auch bei uns haben'", erinnert sich Angenendt. So machten sie die beiden ziemlich bald daran, eine geeignete Crew zu finden. Und das stellte sich gar nicht so einfach dar, denn die Kandidatinnen mussten nicht rudern können, sie mussten auch im Oktober 2011 Zeit haben und sich das Abenteuer auch finanziell erlauben können.

Wobei der USA-Trip letztlich gar nicht so teuer wurde, wie befürchtet. Denn für das Startgeld von 480 Dollar wurde ein Sponsor gefunden, Unterkünfte wurden größtenteils über private Kontakte besorgt, und die Bootsmiete beträgt auch nur verhältnismäßig günstige 250 Dollar. Als größter Posten schlagen die Flugkosten zu Buche. "Wegen des Geldes musste eigentlich niemand zu Hause bleiben", betont Angenendt. Vergangenen Februar war der Kern der Mannschaft gefunden, im April wurde die Reise fest gebucht.

Wobei das nicht ohne Risiko war. Denn bei der "Head of the Charles" darf nicht jeder mitfahren. Wer dabei sein will, der muss sich bewerben. Anfang September kam dann aber die endgültige Bestätigung. Damit war klar, dass zum ersten Mal in der fast 100-jährigen Geschichte des Vereins ein reines NRV-Boot in Boston am Start ist. So haben sich auch die umfangreiche Vorbereitung unter Leitung von Trainer Christian Stoffels und die teils sehr erfolgreichen Vorbereitungsrennen gelohnt. Wobei ohnehin geplant ist, den Achter auch nach Boston weiter fahren zu lassen. Der NRV liebäugelt damit, mit der Unterstützung einiger Juniorinnen nächstes Jahr in der Ruder-Bundesliga zu starten.

Doch jetzt gilt die volle Konzentration zunächst den 3,2 Meilen auf dem Charles River. "Wenn wir an unsere bisherigen Leistungen aus der Vorbereitung anknüpfen können, sollten wir schon in der ersten Hälfte des Feldes landen", meint Angenendt. Viel wird davon abhängen, wie die Teilnehmer mit den Verhältnissen auf dem Wasser zurechtkommen. Denn die 27 Boote im Club-Achter-Wettbewerb starten in kurzen Abständen hintereinander weg. Und auf dem Weg ins Ziel liegen sieben Brücken. Da kann es schon mal mächtig eng werden.

Info Für einen möglichen Bundesliga-Start sucht der NRV noch Sponsoren. E-Mail an stoffels-angenendt@arcor.de

(NGZ/jt)