Volkslauf in Straberg : Traditionsveranstaltung ohne große Stars

Nach der Corona-Pause geht der Straberger Volkslauf am Samstag bei seiner schon 40. Auflage erstmals im August über die Bühne. Seit der Premiere im Jahr 1981 hat sich so mancher Läufermtyhos gebildet.

Nicht selten kamen die Sportler sprichwörtlich auf qualmenden Socken ins Ziel. Denn heiß war es sehr häufig in der an Legenden reichen Geschichte des Straberger Volkslaufs, der am Samstag ab 14 Uhr mit zwei Jahren Verspätung nun endlich sein Jubiläum feiert. Soweit wäre das auch nichts Ungewöhnliches bei der 40. Auflage – an einem diesmal ungewöhnlichen Sommertermin, denn alle bisher 39 Auflagen seit der Premiere im Jahr 1981 wurden Ende Mai oder Anfang Juni ausgetragen. Was bleibt: Die flache, großteils schattige Laufstrecke durch den Knechststedener Wald, und der Zieleinlauf im schmucken Walddorfstadion.

Das neue Datum, der zweite August-Samstag, „ist ein Experiment, weil wir im Mai als Spätfolge der Corona-bedingten Einschränkungen noch nicht so weit waren“, sagt Organisationsleiter Jürgen Cziommer. Die Beteiligung wird voraussichtlich wie bei deutschlandweit allen Läufen geringer ausfallen als vor der Corona-Pandemie. „Wichtig ist es uns, endlich wieder loszulegen. Die Motivation im etwa 50-köpfigen Helferteam ist groß, den Sportlern ideale Bedingungen zu bieten“, so Cziommer. Und: „In Zeiten der Bewegungsarmut ist es wichtiger denn je, Sportangebote zu machen.“ Die Freude am gemeinsamen Sporttreiben stehe im Vordergrund. „Wie seit jeher.“ Das Gesellschaftliche sei in Straberg noch nie zu kurz gekommen, betont der ehemalige Vereinsvorsitzende Josef Schoos, der in den Boom-Jahren des Laufsports maßgeblich zur Weiterentwicklung des Volkslaufs im Walddorf beitrug und die Teilnehmerzahlen auf regelmäßig etwa 500 in den 1990ern bis zum Rekord von 664 im Jahr 1998 hochschnellen ließ. Dennoch blieb es familiär in Straberg. Die Aktiven haben sich immer sehr wohl bei uns gefühlt und die gemütliche Atmosphäre genossen“, sagt der 75-järhige Schoos: „Früher saßen sie am Sportplatz oft bis in die Abendstunden bei Kaltgetränken zusammen.“

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Die Szene hat sich verändert, ist weniger leistungsbezogen als vor 20 oder 30 Jahren, als noch die Hitzeschlachten über die Halbmarathon-Distanz (21,1 km) den einen oder anderen Läufermythos begründeten. Inzwischen sind die exakt vermessenen und damit bestenlistentauglichen Distanzen von 5 Kilometern und 10 Kilometern durch den Knechtstedener Wald die Kernwettbewerbe der Veranstaltung, die traditionell ihren Auftakt in den Nachwuchswettbewerben findet. „Es ist vielleicht das Wichtigste an einem solchen Event“, sagt Cziommer, „dass wir die Kinder ans Laufen bringen. Sie haben unter der Pandemie am meisten gelitten“. Die Hoffnung ist, dass vielleicht das eine oder andere Kind seine Freude am Mittel- und Langstreckenlauf entdeckt später den Weg zum Leistungssport findet. 

Die Spitzenleistungen standen während der ersten 25 Jahre der Veranstaltungsgeschichte stärker im Blickpunkt. 1988 pulverisierte der Neusser Bernd Rangen den 10-km-Streckenrekord: Seine 31:06 Minuten wurden seither nicht unterboten. Der Straberger Volkslauf-Erfinder und damalige Grundschullehrer Erich Esser erlebte 1990 den siebten Erfolg des einstigen Marathon-Asses Udo Grimm, bevor Esser als Organisationsleiter den Staffelstab an Schoos übergab. „Wir sind ein Volkslauf, bei uns laufen keine großen Stars“, sagte Schoos 1997. Und behielt Recht: Die ein Jahr später registrierten 664 Finisher bedeuteten Rekordbeteiligung – übrigens bis heute. Die NGZ titelte damals: „Ein Halbmarathon im tropischen Regenwald“. Nach starken Regenfällen kam pünktlich zum Start des Halbmarathons die Sonne heraus. 2004 gab es im Halbmarathon durch Berthold Mertes den ersten Straberger Heimsieg in einem der Hauptläufe: Der aus Trier stammende aktuelle Geschäftsführer des Vereins (seit Mai 2022) trug bei seinem insgesamt dritten Halbmarathon-Erfolg nach 2001 und 2003 erstmals das Trikot des FC Straberg. Als „Rekordsieger auf ewig“ steht Udo Grimm mit seinem zehn Erfolgen in den Annalen, dreimal siegten der Dormagener Buchhändler Jorgos Flambouraris sowie bei den Frauen Petra Maak und Ute Jenke.

Bis Donnerstag (11. August) bleibt die Online-Anmeldung über die Internetseite www.fc-straberg.de geöffnet, Spätentschlossene werden am Veranstaltungstag noch die Chance zur Nachmeldung haben. Ob und wann es zur 41. Auflage des Straberger Volkslaufs kommt, wollen die Verantwortlichen auch von den Rückmeldungen der Jubiläumsteilnehmer abhängig machen. Am Samstag qualmen in Straberg endlich wieder die Socken, danach werden zunächst die Köpfe rauchen bei den Diskussionen über die Zukunft der Traditionsveranstaltung.