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Korschenbroich: Zu Unges Pengste tragen Könige den Bruderschaftsschatz

Korschenbroich : Zu Unges Pengste tragen Könige den Bruderschaftsschatz

Welche Schätze Korschenbroicher Schützenkönige mit sich herumtragen, wissen die Bruderschaften nicht so genau: "Was unsere Königssilber in Euro und Cent wert sind, lässt sich nur schätzen", verrät Sebastianer-Präsident Peter Schlösser.

Der erfahrene Bruderschafter spricht von unersetzlichen Werten, die sich nicht an der Silberwaage ablesen lassen. Bezirksbundesmeister Horst Thoren: "Unsere Amtsketten dokumentieren Bruderschaftsgeschichte und geben Zeugnis von Bedeutung und Größe unserer Vereinigungen in der Vergangenheit." Augenfälliges Beispiel für vergangene Größe ist das Königssilber der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich, dessen älteste Königsplatten aus dem 18. Jahrhundert stammen und auch kunsthistorisch wertvoll sind.

Gestiftet wurden die Silberschilde von Schützenmajestäten, die ihrer weltlichen Macht in prächtigen Schilden Ausdruck verliehen. So hängen noch jetzt am historischen Rückensilber der Sebastianer zwei Platten, die Klemens Zeno von Dorth, Herr auf und von Haus Horst, stiftete. Daneben baumelt ein Silberschild mit der Lilie der französischen Könige, gestiftet von Kriegskommissar Dureville, der als Besatzer nach Korschenbroich kam, im Namen seines allerchristlichsten Königs Ludwig XV. 1759 Schützenmajestät wurde und der Bruderschaft eine große silberne Erinnerungsplakette hinterließ. Getragen wird das historische Königssilber zum Schützen- und Heimatfest Unges Pengste an den Pfingsttagen von Majestät Hans Merckens. "Anlehnen in der Kirchenbank oder auf dem Stuhl im Festzelt ist verboten", nennt Präsident Peter Schlösser eine der strengen Verhaltensregeln. Die beiden Minister Helmut Maaßen und Peter Holzenleuchter passen mit auf, war doch das Ministeramt in früherer Zeit mit der Bürgschaft fürs Königssilber verbunden.

Putzen verboten. So lautet die zweite Regel, denn für den Silberputz ist nur einer zuständig: Juwelier Armin Kloeters. Der erfahrene Silberputzer hat die verantwortliche Aufgabe vor Jahren von seinem Schwiegervater Friedel Zimmer übernommen, der ein halbes Jahrhundert den Putzdienst für die Bruderschaften verrichtete. Zwei bis drei Stunden muss Kloeters wienern, bis das Silber glänzt. Früher hätten Königinnen schon mal zu helfen versucht, hat der alterfahrene Putzmeister Zimmer seinem Schwiegersohn erzählt und gewarnt: "Haushaltsmittel sind ungeeignet."

Kloeters kennt sich aus. Weil er und seine Familie als sorgfältig bekannt sind, darf er auch die Königsplatte von 1888 der Junggesellen auf Hochglanz bringen. Zur Freude der Majestäten Hans Merckens und Tobias Ehlert, die beim Silberputz am Donnerstag vor Pfingsten die Amtsketten in Empfang nehmen.

(NGZ)