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Die Erstklassigkeit bewahrt: Zittern bis zuletzt

Die Erstklassigkeit bewahrt : Zittern bis zuletzt

Dichter als es der 5:1-Endstand vermuten lässt, schrammte der TC Blau-Weiss Neuss am Abstieg aus der Tennis-Bundesliga vorbei. Drei Einzel verloren die Mannheimer Gäste erst im Champions-Tiebreak.

Ernst-Ludwig Hansmann war offensichtlich bestens über die Zwischenergebnisse aus Bremerhaven informiert. Während 500 Zuschauer noch um den Ausgang der Doppel und die damit verbundene Schicksalsfrage "Abstieg oder Nicht-Abstieg" für den TC Blau-Weiss Neuss bangten, führte die graue Eminenz des Deutschen Rekordmeisters längst intensive Gespräche mit Corrado Tschabuschnig.

Der Italiener, der mit seiner Agentur "Topseed" ein gutes Dutzend Tennisprofis berät und betreut, führt den Blau-Weissen seit Jahren Spieler zu — aus dem aktuellen Kader stehen Potito Starace, Marcel Granollers und Tomas Tenconi bei ihm unter Vertrag.

Angesichts einer 4:0-Führung der Gastgeber nach den Einzeln konnten Hansmann und Tschabuschnig getrost die Zukunft planen — um so mehr, als aus dem Bremerhavener Bürgerpark die Kunde von einem 2:2-Zwischenstand drang. Damit war klar, dass die dortigen Kontrahenten die beiden Absteiger unter sich ausmachen würden — um Blau-Weiss noch vom drittletzten Tabellenplatz zu verdrängen, hätte der TV Espelkamp-Mittwald schon 5:1 gewinnen — und die Neusser beide Doppel verlieren müssen.

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Punkt 18 Uhr war dann auch die letzte Ungewissheit verflogen. Da hatten Marcel Granollers und Flavio Cipolla mit einem 6:3, 7:5 über die Mannheimer Verlegenheitspaarung Denis Gremelmayr und Marcelo Craca den fünften Neusser Punkt unter Dach und Fach gebracht. Dass 29 Minuten später Jesse Huta Galung und Matwe Middelkoop Simon Stadler und Marc Lopez zu deren 6:4, 7:6-Sieg gratulieren mussten, interessierte kaum einen mehr — nicht einmal Marcel Granollers, der sich bereits im Sauseschritt auf den Weg zum Flughafen machte, während das letzte Doppel noch in vollem Gange war.

Der Spanier, der zuvor im Spitzeneinzel mit 6:1 und 6:2 über einen ob seiner Chancenlosigkeit recht lustlos wirkenden Denis Gremelmayer triumphiert hatte, verpasste nicht viel: Die Siegesfeier fiel trotz Freibier eher verhalten aus. Stattdessen hatten die nach offiziellen Angaben 950 Zuschauer zuvor für echte Endspielstimmung gesorgt. Blau-Weiss wurde immer dann beifallkräftig unterstützt, wenn es eng wurde — und das war öfter der Fall, als es den Gastgebern lieb gewesen sein durfte.

"Das wird eng heute", hatte Corrado Tschabuschnig schon um 13 Uhr vorhergesagt, als gerade die ersten Bälle über die Netze flogen. Der Italiener, ein Mann von ausgesuchter Höflichkeit, der nicht nur akzentfrei Deutsch, sondern sechs Sprachen fließend spricht, sollte Recht behalten — auch wenn der 5:1-Endstand eher anderes vermuten lässt. "Wir haben uns angesichts der Mannschaft, die uns zur Verfügung stand, teuer verkauft", bilanzierte Mannheims Teamchef Gerald Marzenell und schickte die Frage hinterher: "Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn wir in Führung gegangen wären?"

Die Möglichkeit dazu hatte ausgerechnet Marcello Craca auf dem Schläger. Der 34-Jährige, vor elf Jahren die Nummer 90 der ATP-Weltrangliste, der in dieser Saison als Spitzenspieler die GW-Reserve in die Regionalliga führte, hatte gegen Tomas Tenconi angesichts einer 6:2, 5:4-Führung bei eigenem Aufschlag den Sieg vor Augen, musste dann aber seiner nicht mehr in vollem Umfang vorhandenen körperlichen Fitness Tribut zollen.

Tenconis 2:6, 7:6, 10:6-Sieg bescherte den Neussern eine leicht beruhigende 2:0-Führung, denn 14 Minuten zuvor hatte sich Flavio Cipolla mit 6:3, 3:6 und 10:5 gegen Simon Stadler durchgesetzt. Die beiden weiteren Einzelpunkte folgten im Minutentakt: Jesse Huta Galung benötigte zum 6:7, 6:3, 10:5 über den gleichfalls schon 34-Jährigen Marc Lopez freilich doppelt so lange wie Marcel Granollers bei seinem 6:1, 6:2 über Denis Gremelmayer. Den Spanier dürfte es gefreut haben, schließlich hatte er am Abend ja noch etwas vor . . .

(RP)