Jüchen : Ziel: Vor Missbrauch schützen

Alle knapp 400 Jüchener Grundschüler lernen jetzt das Präventionsprojekt "Mein Körper gehört mir" kennen. In lebensnahen Szenen sehen sie typische Situationen und das richtige Verhalten. Vorab informierten sich die Eltern.

"Ein Fall von sexuellem Missbrauch unter meinen Schülern ist mir nicht bekannt", sagt Reiner Kivelitz, Rektor der Gemeinschaftsgrundschule Hochneukirch. Aber: "Das Thema ist für alle Kinder wichtig. Wir arbeiten deshalb seit knapp zwei Jahren mit der,theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück' zusammen und haben sehr gute Erfahrung mit ihren Angeboten gemacht", sagt er. Vor dem Projektstart konnten sich jetzt die Eltern informieren: Rund hundert Interessierte kamen, um das zu sehen, was auch ihre Söhne und Töchter bald sehen werden.

Ein spielendes Kind wird von einem Exhibitionisten belästigt. Ein Teenager verabredet sich über das Internet mit einem angeblich Gleichaltrigen – um dann auf einen Erwachsenen mit zweifelhaften Absichten zu treffen. Ein Junge wird von seinem älteren Bruder zu sexuellen Handlungen gezwungen und bedroht, das "gemeinsame Geheimnis" niemandem zu verraten.

Drei unterschiedliche Beispiele – ein gemeinsamer Nenner: Die drei Situationen stellen Varianten des sexuellen Missbrauchs dar. Mit diesen und weiteren Szenen stellen die Darsteller von der "Theaterpädagogischen Werkstatt" aus Osnabrück das Thema "Sexueller Missbrauch" dar. In drei aufeinander aufbauenden Sequenzen werden sich künftig Dritt- und Viertklässler damit beschäftigen.

"Mit drei Fragen wollen wir den Mädchen und Jungen helfen, eine potenziell gefährliche Situation richtig einzuschätzen", erläutert Darstellerin Tatjana: "Habe ich ein Ja- oder ein Nein-Gefühl"? , "Weiß jemand, wo ich bin?" und "Bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche?". Sobald ein Kind eine der Fragen mit "Nein" beantworte, sollte es eine Situation als Gefahr erkennen und sich vorsichtig verhalten.

Basis für die Arbeit in den dritten und vierten Klassen seien etwa die Definitionen von sexuellem Missbrauch oder auch die eindeutige Klärung der Schuld-Frage. "Beim Chat-Beispiel weisen viele Kinder zunächst den Eltern, dem Mädchen selbst oder auch dem Internet die Schuld für die gefährliche Situation zu", erläutert die Mitarbeiterin. Aber klar sei: "Der Täter ist immer schuld."

"Schuld ist immer der Täter"

Das Programm will den Kindern nicht nur Mut machen, klar "nein" zu sagen. Sie erhalten mit der "Nummer gegen Kummer" auch eine Möglichkeit, Hilfe zu finden. Denn auch das zeigen die realistischen Theaterszenen: Selbst Kinder, die mutig sind und sich trauen, Hilfe bei Mutter oder Vater, beim Fußballtrainer oder bei Bekannten zu suchen, kann nicht sofort geholfen werden.

(NGZ)
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