Tennis : Zeichen stehen auf Trennung

In der Tennis-Bundesliga reicht dem TC Blau-Weiss Neuss am Sonntag im Heimspiel gegen das sportlich bereits abgestiegene Schlusslicht 1. FC Nürnberg schon ein Unentschieden zum Klassenverbleib. Trotzdem wird Teammanager Marc Raffel den Verein wohl verlassen.

Die Tage von Marc Raffel beim TC Blau-Weiss Neuss scheinen gezählt. Gestern kündigte Andreas-Rainer Jülich, seit November vergangenen Jahres im Amt befindlicher Vorsitzender der Tennisklubs von der Jahnstraße, fristgerecht zum 30. September den Vertrag mit der von Raffel betriebenen "Kirschbaum-Tennis-Base" (früher "Asics-Tennis-Base"), die bislang das komplette Trainingsangebot des Vereins geleistet hatte.

"Wir wollen eine Verjüngung, wir wollen eine Aufbruchstimmung erzeugen", sagt Jülich, "dafür benötigen wir neue Impulse." Der einst über 500 Mitglieder starke Klub, mit zehn Titelgewinnen nicht nur Rekordmeister der Tennis-Bundesliga, sondern über Jahrzehnte das leistungssportliche Aushängeschild im Tennisverband Niederrhein (TVN), hat nicht nur die Hälfte seiner Mitglieder verloren, sondern droht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in der sportlichen Bedeutungslosigkeit zu versinken.

"Beide Trends wollen wir umkehren", sagt Jülich. Einen Rückzug aus der Bundesliga schließt der Vorsitzende aus — auch dann, wenn Marc Raffel sein Angebot, trotz der Vertragskündigung weiter als Teammanager des Bundesligateams tätig zu sein, nicht annehmen sollte.

Wovon nach augenblicklichem Stand der Dinge auszugehen ist. "Bundesliga und Base, also die Nachwuchs- und Talentförderung, gehören zusammen", sagt Raffel, der auch Sprecher der Tennis-Bundesliga ist. "Das eine geht ohne das andere nicht." Genau das jedoch wolle man in der Vereinsführung offenbar partout nicht verstehen. Für ihn im Übrigen keine allzu große Überraschung: "Vom Leistungssport versteht der Vorstand eben gar nichts." Unter diesen Voraussetzungen hält Raffel den weiteren Verbleib von BW Neuss in der höchsten deutschen Spielklasse für ausgeschlossen.

"Das bedeutet das Ende der Bundesliga in Neuss — zumindest, was mich betrifft. Grundsätzlich gibt es in dieser Situation nur Verlierer." Noch allerdings hat der Manager die Hoffnung nicht aufgegeben, "dass sich der Vorstand besinnt. Ich mache die Tür nicht zu, aber den ersten Schritt müssen jetzt andere machen. Die Zeit drängt."

Sollten sich die Wege am Ende der vertraglich vereinbarten Zusammenarbeit wirklich trennen, hat Raffel schon einen Plan B in der Tasche. Für ihn steht ohnehin schon seit längerem fest, dass "Vereine, so wie sie aufgestellt sind mit ihren ehrenamtlichen Strukturen, für den Spitzensport gar nichts mehr leisten können". Keine Sorgen macht er sich dagegen um seine Tennis-Base. "Die wird auf jeden Fall eine Zukunft haben, es gibt da mehrere Möglichkeiten." Er jedenfalls werde mit aller Kraft versuchen, Spitzentennis im Rhein-Kreis Neuss zu halten, notfalls auch ohne Blau-Weiss. "Ich bin da sehr zuversichtlich, dass mir das gelingen wird — nicht nur mit meinem Future-Tennis-Turnier in Kaarst."

(NGZ/rl)