Korschenbroich : Wohnen in der Windgesmühle

Liedberger Mühle und Herrenhaus werden bald aus ihrem "Dornröschenschlaf" geweckt und zu modernen, barrierefreien Wohnungen umfunktioniert. Das Konzept ist vielversprechend. Gebaut wird schon ab März.

Rund 50 Interessierte waren in das 140 Jahre alte Mühlengebäude gekommen, um zu erfahren, was dort entstehen soll. Was ihnen Georg Wilms von der Schleiff Bauflächentechnik in Erkelenz sowie der Mönchengladbacher Architekt Holger Hartmann erzählten, wirkte durchdacht – Platz für Kritik war da kaum. "Ich bin zufrieden", gab auch Planungsamtsleiter Dieter Hoffmans zu verstehen.

Das Silo wird abgerissen

Georg Wilms erklärte, dass sein Unternehmen seit zehn Jahren in der Denkmalentwicklung tätig sei. Er zeigte Bilder von zum Teil preisgekrönten Projekten – so wurden Kirchen in Büros und Wohnungen ungewandelt. "Wir haben schon alle möglichen Schlösser und Burgen saniert", sagte Wilms. Vize-Bürgermeister Heinz-Willi Türks erinnerte sich daran, dass er als junger Mann noch Getreide zur Windgesmühle gebracht hatte. Schon bald wird wieder reges Treiben auf dem Areal herrschen. Bereits im März könnten schwere Baumaschinen anrücken.

Das Silo wird abgerissen und nicht, wie eine Anwohnerin befürchtete, gesprengt. Dafür werden zwei neue Wohnhäuser entstehen mit drei und sechs Wohnungen. Das Herrenhaus wird an beiden Seiten durch Neubauten erweitert. So entstehen vier geräumige Wohnungen. Das Dachgeschoss als fünfte Wohneinheit soll ausgebaut und mit Gauben versehen werden – diese Wohnung wäre mit über 70 Quadratmetern nicht nur die kleinste, sondern auch die einzige, die nicht mit einem Aufzug erreicht werden kann.

Die Fläche zwischen Mühle, Herrenhaus und Silo bietet Platz für eine Tiefgarage. Das Mühlengebäude wird sein Aussehen kaum verändern. Die Ziegel werden gereinigt, hinter die Fenster kommen sogenannte Kastenfenster. "Aus energetischer Sicht wird das Gebäude auf Neubau-Standard gebracht", sagt Wilms. In der Mühle entstehen drei jeweils rund 120 Quadratmeter große Wohnungen. Architekt Holger Hartmann hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Zwischen Mühle und dem zu restaurierenden Schornstein ist ein moderner Anbau mit großzügiger Glasfassade geplant. Dort werden nicht nur Treppenhaus, Aufzug und Balkone untergebracht: Wie in einer riesigen Vitrine soll das Mahlwerk auf der Hofseite gezeigt werden. "Es wird demontiert, zwischengelagert und später in den Neubau eingesetzt", erklärte Wilms die Prozedur. Der Mühlenhof soll Aufenthaltsqualität bieten, auch für Menschen, die dort nicht wohnen. Wilms hofft, dass das Projekt im Frühjahr 2013 abgeschlossen ist. Noch steht nicht fest, ob ein einziger Investor die Wohnungen kauft und vermarktet.

(NGZ)