Lokalsport: Wo jeder Teilnehmer ein Champion ist

Lokalsport: Wo jeder Teilnehmer ein Champion ist

Der gestrige erste Wettkampftag der Special Olympics Landesspiele verlief nicht nur für Geburtstagskind Dirk Fink völlig entspannt.

Wie oft gestern Nachmittag "We are the champions" aus der Lautsprecheranlage der Ludwig-Wolker-Sportanlage tönte, hat keiner gezählt. Er wäre auch mächtig ins Schwitzen gekommen, denn bei den Special Olympics Landesspielen, die gestern ihren ersten Wettkampftag in Neuss erlebten, ist eigentlich jeder Teilnehmer ein Champion.

Entsprechend entspannt und gelöst war die Stimmung. Auf der Kunststoffbahn, wo unter den Augen von Frank Busemann die schnellsten Sprinter ermittelt wurden. Der Zehnkampf-Olympiazweite von 1996 ist "seit einer gefühlten Ewigkeit" Botschafter der Special Olympics Deutschland und deshalb oft und gern gesehener Gast bei Bundes- oder Landesspielen. "Die Atmosphäre ist jedes Mal beeindruckend", sagt der 42-Jährige, "die Spiele haben immer ein besonderes Flair."

Foto: A. Woitschützke

Dem kann Gerhard Stiens nur beipflichten. Der Vorsitzende der Special Olympics NRW machte einen rundum zufriedenen Eindruck gestern Nachmittag. "Bisher läuft alles bestens, keine Unfälle, keine Zwischenfälle, nur beim Fußball gab es die üblichen leichten Verletzungen," lautete sein Zwischenfazit. Und mit Blick auf die Stimmung unter Athleten, Helfern und (wenigen) Zuschauern befand er: "Eigentlich schade, dass in 24 Stunden schon alles vorbei ist."

Ob das sein seit Monaten mit der Vorbereitung beschäftige Organisationsteam auch so sieht, ist nicht überliefert. Immerhin fanden Anna-Lena Schiel, die Leiterin der Geschäftsstelle, Projektleiter Marc Becker und der für Marketing und Kommunikation zuständige Sebastian Bergmann Zeit, sich den spektakulären Auftritt der "Fallschirmspringer Sportland NRW" anzusehen, die um 15.30 Uhr pünktlich und punktgenau im Anstoßkreis der Wolker-Sportanlage landeten.

Foto: Woitschützke Andreas
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Eine halbe Stunde früher als im Zeitplan vorgesehen, weil der Wetterbericht für später Regen ankündigte. Der blieb aus, wie überhaupt Gerhard Stiens befand: "Die Wetter-Apps kannst du alle vergessen. Die haben uns mit ihren Vorhersagen nur nervös gemacht."

Bei den Tischtennisspielern war davon nichts zu spüren. Kein Wunder, hatten sie in der Eissporthalle im Südpark doch ein Dach über dem Kopf. Nur vier Platten sind dort in einem Drittel der - abgetauten - Eisfläche aufgebaut, den Rest haben die Inline-Skater auf ihrem Rundkurs für sich. Probleme mit der Konzentration hätten seine Schützlinge dadurch nicht, sagt Thomas Gindra: "Wir teilen uns öfter die Halle mit anderen Sportarten", sagt der Sportlehrer der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN), "das ist ja der Sinn der Landesspiele, dass die Athleten verschiedener Disziplinen Kontakt miteinander haben."

Foto: Woitschützke Andreas

Sportlich ist das Tischtennis-Turnier eher zweitrangig. "Wir hatten unser Landesturnier ja schon im März in der Stadionhalle", sagt Gindra. Weil Tischtennis unter den Athleten sehr beliebt ist, wird ihre Meisterschaft ausgegliedert - dann können sie bei den Landesspielen in anderen Sportarten starten. Zum Beispiel im Tennis, wo auf der Anlage des TC Grün-Weiss ein Wimbledon im Kleinformat ablief, Eisverkäuferin inklusive - mit so viel Zuspruch wäre der TC Blau-Weiss am Sonntag zum Zweitliga-Auftakt gegen RW Berlin sicher nicht unzufrieden.

Foto: Michael Reuter

Dem sportlichen Ehrgeiz von Oliver Burbach und Dirk Fink tat das alles keinen Abbruch. Die beiden Tischtennis-Cracks aus dem GWN-Sportteam verließen jedenfalls hochzufrieden die Südparkhalle. "Bis jetzt nur Siege", bilanzierte Dirk Fink. Für ihn ein ganz besonderer Tag, wurde er doch gestern 49 Jahre alt. Eine bessere Geburtstagsparty als die Landesspiele hätte er sich gar nicht wünschen können.

Foto: Michael Reuter
(NGZ)