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Korschenbroich: Wo aus Fremden rasch Freunde werden

Korschenbroich : Wo aus Fremden rasch Freunde werden

Wer nach Korschenbroich zieht, fühlt sich schnell zuhause: Die Korschenbroicher sind wahre Integrationsweltmeister und lamentieren wenig. Dafür packen sie gerne gemeinsam an. Das rege Vereinsleben ist Ausdruck des gelebten Miteinanders.

Wer sich in Korschenbroich einleben möchte, hat leichtes Spiel: Die Korschenbroicher sind wahre Integrationsweltmeister, im Ruckzuckverfahren fühlen sich Fremde dort heimisch. Das mag einerseits an einem liebenswerten Wesenszug der Korschenbroicher liegen: ihrer Offenheit. Denn Engstirnigkeit ist nicht ihr Ding, und langes Lamentieren ebenfalls nicht. Die Devise lautet "Anpacken, machen" — und das tut der Korschenbroicher am liebsten gemeinsam. Daher hilft andererseits das äußerst rege Vereinsleben — angefangen bei den Bruderschaften über die Sportvereine bis hin zu den ZWAR-Netzwerken —, sich in der Stadt rasch zuhause zu fühlen. Denn der Korschenbroicher liebt die Gemeinschaft. Und Zuhause — das sind ja immer die Menschen, die einen Ort prägen und ausmachen.

Unges Pengste ist wohl das beste Beispiel für den ausgeprägten Gemeinschaftssinn der Korschenbroicher. Foto: H.-P. Reichartz

Wer die Stadt für sich entdecken möchte, darf Unges Pengste nicht versäumen. Für den Korschenbroicher ist das bis weit über die Region hinaus bekannte Schützen- und Heimatfest längst "Weltkulturerbe". Zu Recht: Selbst Besucher, die einst als "Schützenmuffel" zum großen Volksfest im historischen Ortskern kamen, können sich der Faszination nicht entziehen. Einige marschieren längst selbst in Schützenzügen mit. Denn das Brauchtum ist Ausdruck des gelebten Miteinanders und ausgeprägten Gemeinschaftssinns der Korschenbroicher. Und beim gemütlichen Bier während der legendären Zeltpartys sind schon viele Freundschaften fürs Leben entstanden.

Foto: L. Berns

Die im 12. Jahrhundert erstmals erwähnte Stadt besticht aber auch dank der vielen Grünflächen durch ihren hohen Freizeitwert. Kein Wunder, dass dem Korschenbroicher seine Heimat viel bedeutet. Der Moderator Simon Gincberg, der einst durch die TV-Show "Deutschland sucht den Superstar" bekannt wurde, ist zwar viel in der Welt unterwegs. Nach Korschenbroich zieht es ihn aber immer wieder. "Um abzuschalten, jogge ich am liebsten durch den Hoppbruch. Eine grüne Oase am Rande der Stadt", erklärt er. Auch Wirtschaftsförderin Stefanie Bössem liebt die Ecke. Sie empfiehlt die Strecke Hoppbruch-Steinhausen-Liedberg als schönsten Wanderweg beziehungsweise ideal für einen Fahrradausflug.

Hier lässt es sich gut entspannen: Der Biergaren bei Bolten, der nach eigenen Angaben ältesten Altbierbrauerei der Welt. Foto: Berns, Lothar (lber)

Überhaupt Liedberg: Der Ort mit den wunderschönen Fachwerkhäusern bietet ein Postkartenidyll. Mitten im Dycker Ländchen gelegen, können Besucher beim Spazieren durch die geschlängelten Gassen auf den Spuren vergangener Zeiten wandeln. "Wer auf den Mühlenturm klettert, kann an klaren Tagen bis Köln schauen und das Dorf am Haag vor dem Schloss von oben bewundern", schwärmt Bössem.

Ein seltsamer Fund in Schloss Liedberg beschäftigt übrigens die Forscher: Bei Sanierungsarbeiten im historischen Gebäude wurden 300 Jahre alte, eingemauerte Schuhe entdeckt. Diese waren mit der Spitze in Richtung Außenwand in einem Hohlraum verborgen. Dahinter versteckt sich laut Forschern des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ein spannendes Kapitel Kulturgeschichte. Bei dem Brauch handele es sich um einen sogenannten Abwehrzauber zum Schutz des Gebäudes. Diese Mutmaßung deckt eine Überlieferung aus England. Dort erfasst das Northampton Museum solche Schuh-Funde. Dessen ehemalige Kuratorin June Swann sieht die These vom Schutz- beziehungsweise Abwehrzauber im britischen Volksglauben verwurzelt: Demnach habe der im 13. Jahrhundert lebende Prälat John Schorne einst seinen Heimatort North Marston vor dem Teufel bewahrt — indem er ihn mit einem Stiefel einfing.

Über solch aufregende Geschichten lässt sich trefflich beim Spaziergang rund um Schloss Liedberg sinnieren — für Robert Jordan der schönste Wanderweg im Stadtgebiet. Sehenswürdigkeiten hat Korschenbroich genug zu bieten. Daher lohnt auch eine Tour durch Kleinenbroich, Glehn und Herrenshoff jedes Mal aufs Neue. Ausklingen lässt sich ein Besuch ideal in der Bolten Brauerei an der Rheydter Straße 138. In der nach eigenen Angaben ältesten Altbierbrauerei der Welt gibt's jede Menge Bier-Spezialitäten — und einen tollen Biergarten.

(NGZ)