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Korschenbroich: Wirte demonstrieren gegen Rauchverbot

Korschenbroich : Wirte demonstrieren gegen Rauchverbot

Seit dem Nichtraucherschutzgesetz klagen auch Korschenbroicher Kleingastronomen über Umsatzeinbußen bis zu 60 Prozent und fehlende Geselligkeit. Mit einer Demonstration in Neuss soll nun gemeinsam Flagge gezeigt werden.

Constanze Michels-Deuss stellt durchaus eine Veränderung fest. "Vor einigen Monaten sind die Gäste nach dem Essen noch etwas länger geblieben, um noch eine Zigarette zum Bier zu rauchen", sagt die Mitinhaberin des Traditions-Gasthofes Deuss in Pesch und Dehoga-Vorsitzende von Neuss-Nord. Mittlerweile gehen viele Gäste früher. Denn auf den obligatorischen Glimmstängel muss — zumindest drinnen — verzichtet werden.

Auch wenn der Gasthof Deuss durch das seit dem 1. Mai geltende Nichtraucherschutzgesetz in NRW nicht in Existenznot gerät, ist man alles andere als erfreut über das Verbot: "Da wir hauptsächlich Essen servieren und einen großen Biergarten haben, sind die Einbußen noch nicht ausschlaggebend. Wir würden aber gerne selber bestimmen, wie wir das handhaben." Dass Raucher nun nach draußen gebeten werden, ist für Constanze Michels-Deuss ein Widerspruch. Einerseits werde den Wirten gesagt, dass ihre Gäste zum Rauchen ins Freie gehen sollen. Andererseits werde jedoch dazu aufgerufen, aufgrund von zunehmender Lautstärke darauf zu achten, dass die Leute möglichst im Inneren des Gasthofes verweilen.

Aus diesem Grund wird die Wirtin am 17. August mit Plakat in der Hand und Trillerpfeife im Mund durch die Neusser Innenstadt ziehen, um gemeinsam mit zahlreichen anderen Gastronomen aus dem Rhein-Kreis gegen das Gesetz zu demonstrieren. Ausgangspunkt der Idee war eine Versammlung bei der Dehoga in Neuss, bei der beschlossen wurde, eine solche Demonstration zu organisieren. In Bonn und Aachen wurden bereits ähnliche Demos organisiert, und auch in Düsseldorf nahmen im Juni über 5000 Menschen teil. Los geht's am 17. August um 11 Uhr am Neusser Bahnhof. Auch der Neusser Bürgermeister und Rauchverbot-Gegner Herbert Napp wird mit einer Rede seine Meinung kundtun. "Wir treffen uns und ziehen dann durch die Innenstadt", kündigt Michael Erb, Präsidiumsmitglied der Dehoga Nordrhein, an. Der 56-Jährige weiß um die negativen Auswirkungen des Rauchverbotes, insbesondere auf Kleingastronomen. "Besonders betroffen sind die Eckkneipen. Ich kenne Wirte im Rhein-Kreis, die seit dem 1. Mai Umsatzeinbußen von bis zu 60 Prozent verzeichnen müssen." Vom Rauchverbot ist indirekt auch der Bund Historischer Deutscher Schützenbruderschaften betroffen. Bezirksbundesmeister Horst Thoren kann die Sorge der Wirte gut nachvollziehen. "Im Herbst und Winter wird sich das Problem noch zuspitzen", so seine Prognose. An den Karneval mag er dabei noch gar nicht denken. "Wir unterstützen als Bund daher die Initiative der Gastwirte, die nach praktikablen Lösungen suchen. Ansonsten sind wir gesetzestreu", betont der Schützen-Chef. Seit Mai gilt das generelle Rauchverbot auch für die Zeltveranstaltungen bei Schützenfesten. Für Thoren gehört die Gastronomie zur rheinischen Kultur, die es zu fördern gilt: "Die Kommunikation ist ganz wesentlich. In Korschenbroich wird an der Theke gelacht, Politik gemacht, es werden Freundschaften geschlossen. Das alles muss weiter möglich sein."

(NGZ)