Hockey : "Wir kommen in die Play-offs"

Simon Starck (33) ist bei den in der Bundesliga spielenden Hockey-Damen des HTC SW Neuss vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen. Als Aktiver peilt er mit den Herren von Schwarz-Weiß die Rückkehr in die 1. Liga an.

Herr Starck, Sie waren beim HTC Schwarz-Weiß Neuss unter dem nach der Hallenrunde ausgeschiedenen Dariusz Musialowski schon seit Beginn der Feldsaison als Co-Trainer tätig. Warum hat es trotzdem so lange gedauert, bis sie zugestimmt haben, dessen Nachfolge anzutreten?

Simon Starck Ich musste erst im privaten und beruflichen Bereich einige Dinge klären. Und dann bin ich ja als Aktiver auch noch für die Herren im Einsatz. Ich stand und stehe bei Manager Horst Busse im Wort. Hätte er nicht zugestimmt, hätte ich das nicht gemacht.

Sind Sie von der Entscheidung, die Damen als Chefcoach zu übernehmen, überrascht worden?

Starck Dass ich deren Wunschlösung bin, hat mich schon überrascht. Ich kann es offensichtlich ganz gut mit den Mädels.

Aber im Besitz einer Trainerlizenz sind sie nicht – und Erfahrung als verantwortlicher Trainer im Erwachsenenbereich haben Sie ebenfalls nicht.

Starck Das stimmt. Aber als Spieler in der 1. und 2. Liga habe ich in den vergangenen zehn Jahren viel Erfahrung gesammelt. Zudem hat mich Darek, der als Trainer eine ganz ähnliche Philosophie verfolgt wie ich, schon immer stark in die taktische Arbeit mit einbezogen.

Ist eine entsprechende Trainerausbildung für diesen Job denn vom Verband nicht zwingend vorgeschrieben?

Starck Nein. Und in Neuss hat mich auch keiner dazu aufgefordert, einen Trainerschein vorzulegen. Der Deutsche Hockey-Bund gibt Bundesliga-Spielern aber die Möglichkeit, in einem Kompaktseminar den aufs Leistungshockey ausgerichteten B-Schein zu erwerben. Dieses Angebot will ich nutzen.

Sie wollen mit den Herren in die 1. Liga zurückkehren, gleichzeitig sind sie als Cheftrainer für die seit dieser Saison im Oberhaus beschäftigten Damen tätig. Überschneidungen sind da wohl unvermeidlich. Welcher Job geht denn vor?

Starck In der regulären Saison stehen bei den Damen nur noch vier Spiele aus. Und in den Play-offs oder Play-downs kann man als Heimmannschaft die Anstoßzeiten flexibel gestalten. Bei Auswärtsspielen setzen wir auch auf ein gewisses Entgegenkommen der anderen Vereine. Klappt das mal nicht, hat mir Jugend-Trainerin Nina Lemmen ihre Unterstützung zugesagt. Und im Training haben wir ein bisschen gemaggelt, wie der Kölner sagt. Ich werde das Damen-Training auf jeden Fall von Anfang bis Ende begleiten.

Wie lange wollen Sie sich diesen Spagat denn antun?

Starck Diese Doppelbelastung ist natürlich nicht lange durchzuhalten. Und mit fast 34 bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste. In Absprache mit dem Verein werde ich darum im Sommer eine Entscheidung über meine weitere Zukunft treffen. Die Trainerlaufbahn war eigentlich nie mein primäres Ziel. Jetzt ist aber schon angedacht, dass ich das bei den Damen längerfristig mache.

Was werden Sie anders machen als Ihr Ex-Chef?

Starck Größe Veränderungen brauchen Zeit – die haben wir nicht. Aber ich setze andere Schwerpunkte: Auf dem Platz lege ich größeren Wert auf Taktik. Im Training können die Mädels durch Leistung Punkte sammeln – und wer am Monatsende die meisten Punkte auf seinem Konto hat, bekommt von mir ein Geschenk. Das ist gut für die Stimmung. Neben dem Platz will ich den Mädels mehr Verantwortung übertragen. Es soll zum Beispiel feste Zuständigkeiten für den Kontakt mit den Fans und der Presse geben.

Und wie lautet die Zielsetzung für die am 9. April fortgesetzte Feldsaison?

Starck Wir sind Aufsteiger, unser Minimalziel ist also der Klassenerhalt. Und der einfachste Weg, den zu schaffen, ist das Erreichen der Play-offs. Mit Alster, UHC Hamburg, München und Mannheim warten noch vier starke Gegner auf uns, aber ich bin zuversichtlich, dass wir unter die ersten Acht kommen.

Dirk Sitterle führte das Gespräch.

(NGZ)