Korschenbroich : Wir kochen für Bedürftige

Der Volksverein und die Steyler Ordensschwestern bitten heute einsame, arme und verzweifelte Menschen an einen Tisch. Für das Weihnachtsfestessen sorgen sechs Köche aus der Region. Einer von ihnen ist Peter Schmitt.

"Heute geschlossen" — ist an der Eingangstüre vom Liedberger Landgasthaus in großen Buchstaben zu lesen. Dennoch herrscht in der Küche reges Treiben. Chefkoch Peter Schmitt (52) und Daniel Geckeler (26) würzen, rühren und garnieren am laufenden Band. Für gut drei Stunden sind die Küchenprofis noch gefordert, um das Weihnachtsmenü für den Volksverein Mönchengladbach auf den Punkt zu bringen.

Gegen 16 Uhr lädt Daniel Geckeler dann all die Köstlichkeiten in den Lieferwagen und chauffiert sie verzehrfertig zur Weihnachtsfeier in den Treff am Brandtskapellchen (TaK). In Mönchengladbach wird er gegen 17 Uhr schon sehnsüchtig von Schwester Bettina und den etwa 60 TaK-Besuchern erwartet.

Hilfe für Schwester Bettina

Die Ordensschwester kann ihr Glück kaum fassen. Seit der Zusage vor zwei Wochen ist für sie Weihnachten: "Hier gibt es Menschen, die in ihrer Freizeit für uns kochen. Und das auch noch richtig gut." Die 42 Jahre alte Ordensfrau richtet mit ihren Mitschwestern bereits zum vierten Mal in Folge ein Weihnachtsfestessen für Menschen aus, die nicht täglich die Sonnenseite des Lebens genießen dürfen.

Vier Köche aus Mönchengladbach, zwei aus Steinhausen und Liedberg stehen ihr dabei uneigennützig zur Seite. "Alle kochen für den guten Zweck", ist Schwester Bettina von der Großzügigkeit beeindruckt. Ihre Augen leuchten. "Ich bin so dankbar", versichert sie immer wieder. So oft, dass es Peter Schmitt schon peinlich ist. Er ist einer von sechs Küchenchefs aus der Region, die sich mit seinem Team in den Dienst der guten Sache stellen.

"Wir tun nur das, was wir gut können — nämlich kochen", sagt Peter Schmitt, ohne dabei die Leistung seiner Mitarbeiter schmälern zu wollen. Sein Küchenteam war schon gestern nach Feierabend für das Volksverein-Projekt eifrig in der Küche zugange. Vorarbeiten wie Gemüse putzen, Putengulasch vorbereiten und Dessert anrühren, standen auf dem Zeitplan, damit heute nur noch der "Feinschliff" zu erledigen ist.

Das Team aus Liedberg hat sich für Kraftbrühe vom Tafelspitz, geräucherten Lachs mit Apfel-Meerrettich, Putengulasch in Rahmsoße und als Dessert für Grießmousse mit Erdbeermark entschieden. Und das 50 Mal.

Und damit die Köstlichkeiten auch optisch zur Geltung kommen, wird im TaK heute entsprechend eingedeckt: mit schönem Geschirr und mehreren Bestecken. "Das Essen und die Getränke werden von uns serviert", sagt Schwester Bettina, der es wichtig ist, dass an Heiligabend auch die Ehrenamtler Pause haben, in ihren Familien feiern können.

Die Idee zu dieser besonderen Veranstaltung im TaK hatte die engagierte Ordensfrau: "Wir möchten die Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, einbinden." "Ein Stück von der Schönheit des Lebens erfahren" — lautet ihr Motto. Denn Schwester Bettina weiß auch: "Jeder Mensch braucht mehr, als nur ein warmes Essen."

(NGZ/rl)