Improvisationsreiches Orgelkonzert in St. Andreas: Wenn Hand, Fuß und Kopf gefordert sind

Improvisationsreiches Orgelkonzert in St. Andreas: Wenn Hand, Fuß und Kopf gefordert sind

Ursprünglich war der Abend als Studiokonzert auf der Orgelempore gedacht, sodass jeder hätte genau mitverfolgen können, wie auf dieser Königin der Instrumente gespielt wird. Doch auch in dieser traditionellen Aufteilung, wie dieser "Streifzug durch die Orgelliteratur" am Sonntag von Jürgen Schröder gegeben wurde, war jeder Besucher in St. Andreas ganz nahe dran.

Einerseits haben diese vom Freundeskreis für Orgelmusik mit sehr viel Kennerschaft organisierten und getragenen Konzerte einen sehr intimen Charakter, andererseits werden hier Türen aufgestoßen zu faszinierenden Intonationen. Wieder war ein, wenn auch (*1968) noch recht junger, Meister seines Fachs gewonnen worden.

Jürgen Schröder ist seit Anfang des Jahres Titularorganist an der großen Orgel des Missionshauses St. Michael, Steyl und Initiator der Orgelkonzerte in der evangelischen Pfarrgemeinde Tönisvorst-Vorst. Improvisationen waren also angekündigt, und Johann L. Krebs, ein Schüler des großen Thomaskantors, machte mit einer Fantasia ("Freu Dich sehr, o meine Seele") den Anfang.

Neben dem reinen Hörgenuß erfuhr man bei dieser Gelegenheit via Überleitungen noch eine Menge Wissenswertes. So galt Johann Sebastian Bach als ein sehr strenger Lehrer, der seinen Schülern harte Stücke zu spielen aufgab. So verhält es sich beispielsweise mit der dreisätzigen Triosonate Nr.1 Es-Dur BWV 525, die sich Jürgen Schröder als Kind in den Kopf gesetzt hat, auch einmal zu spielen.

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Mit seiner Gehbehinderung war das nicht ganz so einfach, denn beim Orgelspielen sind Hände und Beine gleichermaßen gefordert. Umso imponierender war dann die Spielweise, umso lohnender auch das genaue Hinhören. Immer wieder ist es bei Konzerten dieser Art so erstaunlich, wie die Interpreten Themenwünsche aus dem Publikum aufgreifen, um sie dann danach mit allen Registern zu improvisieren.

"O komm der Heiden Heiland" war genannt worden, und spielerisch erwuchs unter Hand und Fuß ein anregender Trio-Stil. Weiter ging es beim Streifzug mit Chr. Heinrich Rincks "Flötenkonzert in F-Dur", ein facettenreiches konzertantes Stück im Anschluss an das Barock, in dem sich die Orgel zu einem kompletten Orchester aufschwingt. Einzeln hört man sie klingen und dröhnen, die Flöten, Streicher und Pauken. Eine entscheidende Wende kam mit dem Franzosen Csar Franck, der sinfonische Orgelmusik schuf.

Prelude, Fugue et Variation: Lyrische Themen wechselten sich mit maestoso-Partien ab. Mit der Toccata aus der 1.Sinfonie B-Dur von L. Vierne endete der Querschnitt durch die Orgelkompositionsgeschichte: Erhebende, emotionale bis hin zum majestätischen Tutti reichende Musik, so recht geeignet, gehobene Stimmung zu erzeugen. Ein brillanter Interpret, der das Tüpfelchen auf das i gleich selbst mitgeliefert hat - und das bestand ohne Zweifel in der Wahl der gespielten Stücke. Klaus Niehörster

(NGZ)
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