Korschenbroich : Wenig Interesse an Pumpen

Die geringe Resonanz auf die Umfrage zum Grundwasserpumpen entmutigt die Interessengemeinschaften nicht. Im Gegenteil: Sie werben um jede finanzielle Beteiligung. Die wichtigsten Informationen dazu gibt die NGZ.

Bei Martin Rothe (62) und Hans W. Breuer (65) steht das Telefon nicht still. Seit die beiden Kleinenbroicher zur Grundwasser-Hilfe aufgerufen haben und die Schreiben der Stadt zur Grundwasser-Umfrage in den Briefkästen gelandet sind, hagelt es Rückfragen. Und auch bei Karl Heinz Häusler (71) läutet das Telefon am laufenden Band. Der Sprecher der Grundwasser-Notgemeinschaft Herrenshoff hat ein "gutes Gefühl", auch wenn sich bislang erst 76 Bürger im Ort für das Erftverbandsmodell "Kappung der Grundwasser-Spitzen" gemeldet haben.

In Herrenshoff/Herzbroich müssen der Stadt bis zum 20. Januar 190 Bürger-Zusagen vorliegen, um die Modellrechnung von 184,11 Euro pro Jahr einhalten zu können. Für viele ist der Bürgerbrief nicht eindeutig formuliert. "Einige fürchten, einen Blanko-Scheck zu unterschreiben", so Häusler. Um die Fragen zu beantworten, bietet die Notgemeinschaft am 14. Januar von 17 bis 20 Uhr im Pfarrheim Schaffenbergstraße eine Sprechstunde an.

"Die Rücklaufqoute ist gering", stellt auch Bürgermeister Heinz Josef Dick (60) fest. Er hat die Hoffnung, dass sich nach dem Jahreswechsel noch viele Bürger melden. Er macht deutlich: "Je mehr mitmachen, um so niedriger wird der Jahresbeitrag für jeden Einzelnen."

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Gestern hat Theo Verjans (50) die Rückmeldungen durchgezählt. Für Raderbroich gibt's zurzeit 14 Rückmeldungen, 80 Zusagen sind erforderlich. Für Herrenshoff (190) haben bislang 76, für Kleinenbroich (500) 167 und für Pesch (180) 43 ihre finanzielle Beteiligung am Grundwassermodell zugesagt.

Wolfgang Houben (61), selbst betroffen, lässt nichts unversucht, um als Ratsmitglied und Kleinenbroicher fürs Pumpen zu werben. Damit jedem der Ernst bewusst wird, erklärt Houben: "Bei mir in der Oststraße steht das Grundwasser an der Unterkante des Kellerbodens." Er will gemeinsam mit Martin Rothe für den 18. Januar eine Bürger-Information organisieren.

Warum soll sich der Bürger finanziell an dem Grundwasser-Modell beteiligen? "Weil die solidarische Lösung der einzige mögliche Weg ist, da die Stadt zu keinerlei Maßnahmen verpflichtet ist", so Houben.

Warum wird die Stadt von sich aus nicht aktiv? Die Grundwassermaßnahme ist eine freiwillige Leistung. Zudem hat die Stadt Korschenbroich ein Haushaltsdefizit von aktuell elf Millionen Euro und ist dadurch zu freiwilligen Leistungen gar nicht in der Lage. Die Stadt selbst kann nur Geld für Aufgaben ausgeben, zu denen sie gesetzlich verpflichtet oder vertraglich gebunden ist.

Warum soll der Bürger zahlen, auch wenn er sichtbar kein Wasser im Keller hat? "Weil das Grundwasser in den kommenden Jahren ansteigen wird. Und dann auch der Eigentümer, der heute noch einen trockenen Keller hat, betroffen sein kann", so Häusler.

Kann der Bürger zum Zahlen gezwungen werden? Nein. Das ist eine solidarische Lösung, die auf Freiwilligkeit basiert.

Was ist, wenn ein Hausverkauf ansteht? Da wird der Käufer — laut Wolfgang Houben — gerne bereit sein, das Risiko im Falle Kleinenbroichs für 8,69 Euro im Monat zu übernehmen.

(NGZ)