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Korschenbroich: "Weitere Pflegeplätze unnötig"

Korschenbroich : "Weitere Pflegeplätze unnötig"

Die Kritik an dem geplanten Altenheim in Korschenbroich zwischen Bahn und L 381 wird immer lauter. Auch der Rhein-Kreis kann keinen Bedarf erkennen. Im Gegenteil: In drei Jahren gebe es 50 Pflegeplätze zu viel.

Mit Sorge verfolgt Kreissozialdezernent Jürgen Steinmetz die Planungen in der Stadt Korschenbroich. Dort will ein Investor aus Bremen 80 neue Altenheimpflegeplätze und für weitere 90 Senioren betreutes Wohnen anbieten. Zum Standort — zwischen Bahn und Landesstraße 381 — den die Bürgerinitiative "Altenheim" beklagt, will sich der Allgemeine Vertreter des Landrates nicht äußern.

Aber zum Bedarf an stationären Pflegeplätzen sagt Steinmetz: "Den kann ich nicht erkennen, den gibt es nicht." Im Gegenteil: Für Jürgen Steinmetz gibt es sogar einen Überhang. "Ab 2015 haben wir im Stadtgebiet 50 Pflegeplätze zu viel." Damit bestätigt er die Befürchtungen der Korschenbroicher Bürgerinitiative "Altenheim". Sie sammelt aktuell Unterschriften, um die Heimpläne — speziell an dem Standort Bahn/L 381 — zu stoppen.

Zurzeit gibt es im Korschenbroicher Stadtgebiet 197 Plätze. Nach Fertigstellung der vom Diakonischen Werk geplanten Einrichtung "Haus Timon" in Kleinenbroich erhöht sich die Zahl auf 241 Plätze. "Nach meinen aktuellen Berechnungen wird die Nachfrage nach stationären Pflegeplätzen in Korschenbroich bis zum Jahr 2015 auf 270 Plätze ansteigen. Hieraus würde sich im Jahr 2015 ein nicht gedeckter Bedarf von 29 Plätzen ergeben", erklärt Steinmetz auf Anfrage unserer Zeitung. Kommen dann noch weitere 80 Pflegeplätze hinzu, weiß Steinmetz: "Hierdurch würde sich ein Überhang von über 50 Pflegeplätzen im Korschenbroicher Stadtgebiet ergeben."

Daraus ergibt sich aus der Sicht des Kreissozialdezernenten ein weiteres Problem: die Fachkräftequote von 50 Prozent. "Es ist jetzt schon extrem schwierig, den Bedarf an Pflegefachkräften in einigen Einrichtungen im Rhein-Kreis Neuss zu erfüllen."

Die Heimpläne wirken sich auf die jährlichen Zuwendungen aus. Schon jetzt zahlt der Kreis 20 Millionen Euro Pflegegeld und "Hilfen zur Pflege". Die Tendenz ist steigend. "Pflegewohngeld erhält der ältere Mensch, der mit seinem eigenen Vermögen den Aufenthalt in einem Pflegeheim nicht alleine finanzieren kann", erklärt Steinmetz.

Bei den Hochrechnungen zur Pflegebedarfsplanung stützt sich Jürgen Steinmetz auf den "Silbernen Plan", der seit mehr als 50 Jahren die Grundlage für die Versorgungssicherheit bildet. Steinmetz hat sich mit Bürgermeister Heinz Josef Dick mehrfach über den Pflegeplatzbedarf ausgetauscht. "Wir haben unsere Position deutlich formuliert, sie ist aber nicht umgesetzt worden", erklärt Steinmetz. Er hat kein Druckmittel: "Wir sind als Kreis bei dem Thema nicht weisungsbefugt." Steinmetz sieht zurzeit nur eine Lösung, die Pläne zu kippen: "Es müsste eine andere Investitionsmöglichkeit geben — zum Beispiel Gewerbe."

(NGZ/rl)