Lokalsport : Weides Schuss ins Glück

Der Treffer von Philipp Weide zwei Sekunden vor Schluss zum 10:9-Erfolg über den Düsseldorfer HC dürfte dem HTC SW Neuss gestern Abend vor 700 Zuschauern den Klassenerhalt in der Hallenhockey-Bundesliga beschert haben.

Schön, aber selten. Zwei Sekunden vor dem Ende einer packenden Partie schlenzte Philipp Weide die Kugel zum 10:9-Erfolg (Halbzeit 6:4) des Hockey-Bundesligisten HTC SW Neuss ins Tor des Düsseldorfer HC. Der Rückhandschuss, wenn der Hoppler diesen Namen überhaupt verdient hatte, war Gold wert, brachte er den Gastgebern doch schon vor der Partie am Sonntag beim Tabellenführer Crefelder HTC den Klassenerhalt. Bei einem Vorsprung von drei Punkten auf den DHC und den Rheydter SV, der gestern Abend mit 12:16 beim Meister RW Köln verlor, sollte am letzten Spieltag wirklich nichts mehr anbrennen, zumal Schwarz-Weiß auch im Torverhältnis fast uneinholbar vorne liegt.

Philipp Weide, von Routinier Patric Lunau-Mierke listig in Position gebracht, machte nach Spielschluss erst gar keinen Versuch, für seinem Treffer irgendeinen Schönheitspreis einzufordern. "Das war ein Eiertor", stellte er fast verlegen lächelnd fest und verabschiedete sich mit den Worten: "Jetzt brauch' ich erst mal was zu trinken!" Schon etwas differenzierter versuchte es sein von üblen Kopfschmerzen geplagter Trainer Andy Bauch. Kalkweiß im Gesicht sprach er zwar auch von einem Murmeltor, bei dem DHC-Keeper Sebastian Folkers alles andere als eine gute Figur machte, wollte dann aber festgehalten wissen: "Auch wenn's am Ende glücklich war, wir haben uns diesen Sieg und damit den Klassenerhalt durch harte Arbeit über die ganze Saison hinweg verdient."

Die Sache hätte aber durchaus auch schiefgehen können, denn erneut schienen die Neusser nicht gerade vom Glück verfolgt. Insgesamt fünf Mal klatschte der Ball an Pfosten oder Latte, Lunau-Mierke setzte das Spielgerät bei einem Siebenmeter zudem ans Quergebälk. "Darum geht das Ergebnis in Ordnung", befand HTC-Manager Horst Busse strahlend. Mit seiner Einschätzung, "es gewinnt das Team mit den besseren Nerven und dem besseren Torhüter", hatte er im Übrigen voll ins Schwarze getroffen. Abgesehen von der Anfangsphase, als der DHC durch Treffer von Dominic Giskes (2.) und Deniz Kocak (4.) schnell in Führung ging, avancierte Martin Wagner wieder mal zum großen Rückhalt der Gastgeber. Vor dem Seitenwechsel bestachen die Hausherren aber vor allem durch einen starke Eckenquote – drei von fünf saßen, eine weitere führte zu einem von Lunau-Mierke verwandelten Siebenmeter. Das wiederum führte dazu, dass die Neusser nach dem 3:3 (18.) durch Sebastian Draguhn nie mehr in Rückstand gerieten und teilweise mit zwei Toren vorne lagen. Trotzdem mündete das faire und von den Schiedsrichtern Florian Blasch und Christian Deckenbrock umsichtig geleitete Abstiegsduell mit dem 9:9 von Jan Simon per kurzer Ecke fünf Minuten vor dem Ende in einen Krimi. Den Schlusspunkt setzte dann Philipp Weide.

(RP)