Jüchen : Wasserwerk schützt Biotope

In Jüchen betreibt RWE seit 20 Jahren ein Ökowasserwerk. Von dort aus werden die Feuchtgebiete im Rheinischen Braunkohlerevier geschützt. Ein aufwendiges Projekt für ein Stück erhaltene Natur aus der Vergangenheit.

Trink-Wasserwerke kennt eigentlich jeder. Doch Ökowasserwerke sind eher eine unbekannte Art. In Jüchen steht am Holzer Weg seit 20 Jahren ein solches Öko-Werk. RWE Power betreibt diesen Standort zur Aufbereitung von Sümpfungswasser. Ein weiteres steht in Wanlo. Ziel des Projekts: die Feuchtgebiete rund um den Tagebau zu schützen und nass zu halten.

Durch den Tagebau muss der Grundwasserspiegel kontinuierlich abgesenkt werden. Die Äcker und Wälder verkraften diese Absenkung. Die Feuchtgebiete bis ins Schwalm-Nette-Gebiet hinein allerdings nicht. "Die Pflanzen in diesen Gebieten brauchen einen hohen Grundwasserstand. Schon ein Wasserverlust von wenigen Zentimetern kann das Sterben der Pflanze bedeuten", erklärt der Biologe der Firma RWE, Ulf Dworschak. So müssen diese Gebiete rund um den Tagebau Garzweiler ständig nass gehalten werden.

Dies geschieht mit einem aufwendigen System. Das Grundwasser wird aus dem Tagebaugebiet abgepumpt und in das Ökowasserwerk geleitet. Dort werden die Eisen- und Mangan-Bestandteile aus dem Wasser herausgefiltert. In der Oxidationsanlage wird das Wasser noch "belüftet", um den ph-Wert einzustellen. Im Jahr 2010 wurden in Jüchen rund 30 Millionen Kubikmeter Sümpfungswasser aufbereitet. Danach hat das Wasser dieselbe Reinheit wie Trinkwasser. Das gesäuberte Wasser wird dann über ein Rohrleitungsnetz von über 150 Kilometern in die Feuchtgebiete eingeleitet. Eines dieser Gebiete liegt in Wickrathberg. Aus der dortigen künstlichen Quelle sprudeln 1000 Liter Wasser in der Minute in die Niers.

Zudem werden die Feuchtgebiete über oberirdische "Direkteinleitstellen" oder unterirdische "Sickerschlitze" feucht gehalten. Diese stehen dann in zwei Kilometer Entfernung an den Rändern der Feuchtgebiete. "Dieses System funktioniert seit 20 Jahren sehr erfolgreich. Die Feuchtgebiete merken nichts vom Tagebau", sagt Josef Wendeler, Leiter Planung der Wasserversorgung. Mehr als 100 Messstellen sorgen für eine ständige Überprüfung des Grundwasserspiegels. Das Land NRW und sogar die Niederlande kontrollieren das System ebenfalls.

In Jüchen sieht man dem Wasserwerk seine besondere Aufgabe nicht an. "Wir haben es hier mit einem gewöhnlichen Wasserwerk zu tun. Es ist sogar ein Notfallsystem installiert. "Sollte es zu einer starken Wasserknappheit kommen, könnten wir mit unseren Werken direkt ins Trinkwassernetz einspeisen", sagt Norbert Julius von RWE.

(NGZ)
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