Jüchen : Wasserturm steht vor Abriss

Der alte Wasserturm steht vor einem unbezwingbaren Gegner: dem Bagger. Das Wahrzeichen von Holz, in vielen Vereinsfahnen zu finden, soll laut RWE im Januar abgerissen werden. Die Umsiedler wollen einen Teil erhalten.

48 Meter hoch, genau 102 Jahre alt, schlank mit einer charakteristischen Kuppel: Er ist das Wahrzeichen des alten Ortes Holz: der alte Wasserturm. Noch — denn die Bagger stehen nur noch einige Meter vor einem der letzten unversehrten Bauwerke. "Wir planen den Abriss des Wasserturms", bestätigt Laura Hoeboer, Sprecherin von RWE Power. Als ungefähren Zeitrahmen gibt sie "Januar 2011" an. Ein Termin, der auch Hartmut Schmitz, Präsident des Spiel- und Bürgervereins Holz sowie ehemaliger Vorsitzender des Bürgerbeirats, interessiert. "Wir haben Gespräche mit RWE Power aufgenommen. Wir würden gern einen Teil des alten Wasserturms retten und am Umsiedlungsort aufbauen."

Ein Stück Geschichte bewahren

Wasserturm und Wappensymbol: 1908 wurde der Wasserturm von der damaligen Gemeinde Hochneukirch errichtet, bald versorgte er ganz Hochneukirch mit Trinkwasser. Später kauften die Kreiswasserwerke Grevenbroich das markante Gebäude. Viele ältere Holzer können sich noch daran erinnern, auf dem eingezäunten Gelände gespielt zu haben — natürlich gegen alle Verbote. In den 1940er Jahren war im Turm ein Schießstand untergebracht, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Sicherheitsgründen aufgegeben wurde. Auch das Wohnhaus des Installateurs, der die Anlage wartete, wurde abgerissen — für die Landstraße.

Auf einigen Fahnen des Spiel- und Bürgervereins Holz findet sich der Wasserturm als Symbol des Ortes. Auch beim ersten Spatenstich im Oktober 2000 war er dabei — wenn auch nur als Pappmodell am Umsiedlungsort. Immer wieder hat es Überlegungen gegeben, den Wasserturm im kleineren Maßstab nachzubauen.

Ein Zeichen der alten Heimat bewahren — das ist ein Wunsch von Hartmut Schmitz und anderen geschichtsbewussten Bürgern aus Holz. "Wir würden gern die Einstiegsluke, die sich auf der Kuppel befindet, erhalten und wieder aufstellen." Allerdings ist Schmitz auch Realist: "Das Stück würde wohl nur unbeschadet bleiben, wenn der Wasserturm Stück für Stück abgebaut wird. Aus Kostengründen wird sich RWE Power aber wohl für eine Sprengung entscheiden." Das Ende aller Träume? "Vielleicht kann man das Teil der Kuppel ja auf Kies oder Stroh weich landen lassen", hofft Schmitz.

"Wir suchen zurzeit noch ein Unternehmen, das den Rückbau des Turmes ausführt", so Laura Hoeboer. Ob, wie und wann genau gesprengt wird, könne sie jetzt noch nicht mitteilen.

(NGZ)