Jüchen : Warten an Baustellenampeln

Der Bau des neuen Kreisverkehrs an der B 59 hat begonnen – und damit auch die Warteschlangen vor den drei Ampeln. Die Gemeinde rät, die Umleitungen zu nutzen. Bis Anfang Juli soll der 630 000-Euro-Kreisel fertig sein.

Die Baustelle für den neuen Kreisverkehr an der B 59 ist eingerichtet, Straßensperren sind aufgestellt, je eine Ampel für drei Richtungen wurde installiert. Die Gemeinde rechnete mit "erheblichen Beeinträchtigungen", gab die Devise aus, "Jüchen weiträumig zu umfahren". An den ersten beiden Tagen blieb der Verkehrskollaps aus, auch wenn sich vor den Ampeln morgens und während des Berufsverkehrs Warteschlangen bildeten.

Drei Baustellenampeln regeln am Ortsausgang Jüchen, an den Abbiegespuren Netto an der Meisingstraße und Garzweiler den Verkehr. Die Bauarbeiter lassen sich von bösen Blicken der wartenden Autofahrer nicht stören. Drei Bauabschnitte haben sie vor sich, der Zeitplan ist eng: Zunächst wird der Kanal gebaut, dann die Leitungen gezogen, zuletzt werden die Straßen in vier Richtungen angelegt.

Für die Gemeinde ist der Kreisel unverzichtbar, weil er den Verkehr in das neue Wohngebiet "Jüchen- West" leiten soll – doch davon sind nicht alle Anwohner überzeugt: "Ich verstehe nicht, warum eine Gemeinde, die so knapp bei Kasse ist, Geld für einen Kreisverkehr verplempert", sagt Dieter Donath. "Da gäbe es doch Wichtigeres." Der 65-Jährige fährt die Strecke jeden Tag, sieht sich schon im endlosen Stau: "Es gibt für mich keine Alternative. Diese Baustelle ist nicht zu umfahren." Ob er seine täglichen Besorgungen weiterhin beim Discounter Netto erledigen wird, wird er noch entscheiden.

Dass die Geduld der Kunden durch die Großbaustelle auf eine harte Probe gestellt werden könnte, sieht das Unternehmen selbst: "Wir hoffen natürlich, dass der Bau keinen Einfluss auf das Kundenverhalten haben wird", so Pressesprecherin Christina Stylianou. "Langfristig profitieren wir von dem Kreisverkehr, weil damit das Neubaugebiet erschlossen wird. Wir rechnen dann mit vielen neue Kunden." Auch Markus Janßen (51), der eine Bedachungs- und Klempnerfirma an der Odenkirchener Straße führt, sieht die Bauarbeiten positiv: "Natürlich werden wir mit Veränderungen konfrontiert. Weil aber alles genau mit Gemeinde und Baufirma abgesprochen ist, werden wir nicht überrascht." Die Einfahrt zu seinem Grundstück lag bisher an der Bundesstraße, aber: "In Zukunft kann das Gelände über die neue Stichstraße befahren werden – das ist für uns ein absoluter Vorteil."

Einer, der gelassen bleibt, ist Karl Ernst Steinfarz aus Kelzenberg. Der agile 84-Jährige erledigt seine Einkäufe beim Discounter oft mit dem Fahrrad – und fährt am Ampelrückstau vorbei. "Ich bin aber auch oft mit dem Auto unterwegs. Deshalb weiß ich auch, dass der Kreisverkehr längst fällig war."

(NGZ)