Handball : Voß sieht noch viele Baustellen

Den "Super-GAU" hat Handball-Zweitligist TV Korschenbroich dank des 30:28-Sieges über die HSG Düsseldorf gerade noch vermieden. Doch Christian Voß, der seit einem Monat an der Seitenlinie das Sagen hat, sieht in der fünfwöchigen Spielpause viel Arbeit auf sich zukommen

Als die sechzig niveauarmen, dafür um so spannungsvolleren Minuten vorüber waren in der ausverkauften Waldsporthalle, waren alle erschöpft.

Die Spieler der HSG Düsseldorf sowieso, die ungeachtet aller wirtschaftlichen Probleme des Zweitligisten, die gestern in einen den Stammverein betreffenden Insolvenzantrag mündeten, wussten, dass sie mit der 28:30-Niederlage beim TV Korschenbroich die große Chance vergeben hatten, einen lästigen Konkurrenten im Abstiegskampf abzuschütteln. Michael Hegemann, der von etlichen anderen Klubs umworbene 57-fache Nationalspieler, saß am Ende eines auch für ihn persönlich rabenschwarzen Handballtages minutenlang auf dem Hallenboden, den Blick ins Leere gerichtet.

Doch auch bei den Gastgebern fiel die Siegesfeier ausgesprochen kurz aus. Zum einen, weil die Korschenbroicher viel Kraft gelassen hatten bei ihrem vierten Saisonsieg, dem zweiten seit dem Wechsel auf der Trainerbank von Jörn Ilper zu Christian Voß. Zum anderen, weil alle wussten, dass das 30:28 gegen einen schwachen, phasenweise desolaten Gegner nicht einmal einen Etappensieg bedeutete auf dem Weg zum erklärten Ziel, dem Verbleib in der eingleisigen Liga.

"Ich habe jede Menge Baustellen gesehen", gab Voß unumwunden zu. Die größte wird er nicht alleine lösen können: Der Kader hat zu wenig Substanz, zu wenig wirklich Zweitliga-taugliche Spieler. Von den "Neuen" trifft dieses Prädikat maximal auf Linksaußen Benjamin Göller zu.

Doch das ist nicht die Position, von der aus Spiele gewonnen werden. Weil Matthias Fuchs fiebergeschwächt fehlte und weil die Linkshänder Christoph Piske und vor allem Pasqual Tovornik in ihrer Verunsicherung und Hilflosigkeit fast schon mitleiderregend wirkten, musste Voß streckenweise den gelernten Kreisläufer und Aushilfs-Linksaußen Marcel Görden auf die rechte Rückraumposition stellen. Und Florian Korte und Simon Breuer, die zusammen mehr als die Hälfte aller Tore erzielten, war mit jeder Spielminute die immense Belastung der vergangenen Wochen deutlich anzumerken.

Als dann eine Viertelstunde vor Schluss auch noch Dennis Marquardt mit der dritten Zeitstrafe vom Parkett musste, drohte dem TVK der "Super-GAU". Düsseldorf kämpfte sich trotz aller haarsträubenden Fehler von 20:25 bis auf 27:28 (55.) heran. Dass die Hausherren trotzdem nicht verloren, "spricht für Wille und Einstellung der Mannschaft", sagt Voß.

Doch angesichts einer höchst strapaziösen zweiten Saisonhälfte mit 21 Pflichtspielen in den 18 Wochen zwischen 28. Januar und 2. Juni dürfte das nicht reichen. "Wir müssen dringend personell nachlegen", weiß Voß. Zum Glück für den Trainer sehen das Geschäftsführung und Sportliche Leitung nicht anders: "Wenn wir einen Rückraumspieler finden, am besten einen Linkshänder, gewinnen wir all die Spiele, die wir knapp verloren haben", ist Manager Kai Faltin überzeugt. Begrenzte finanzielle Mittel sind da, doch der Markt gibt wenig her. Es sei denn, dem Gegner von Mittwoch geht vollends die Puste aus. Die Waldsporthalle kennen die Düsseldorfer ja.

(NGZ/rl)