Olympische: Vorfreude und Spannung sind groß

Olympische : Vorfreude und Spannung sind groß

Weil sie in den 23 Tagen bis zur Eröffnungsfeier wegen des harten Vorbereitungstrainings unabkömmlich sind, schickten Rhein-Kreis Neuss und Stiftung Sport bereits am Montagabend ihre Olympiastarter auf die Reise nach London. Heute könnten aus dem Quartett noch Fünflinge werden

Am Montagabend war es Sankt Quirin, in 23 Tagen wird es Big Ben sein, der ihnen die Stunde schlägt: Mit der Eröffnungsfeier der XXX. Olympischen Sommerspiele am 27. Juli im Londoner Olympiastadion beginnt für Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Wagner und Christoph Fildebrandt der größte Moment in ihrem Sportlerleben.

"Ruhig bleiben und alles ganz genau in sich aufnehmen", rät Nicolas Limbach seinen Teamkollegen. Der 26-Jährige hat dem im Schnitt vier Jahre jüngeren Trio eines voraus: Er war bereits 2008 in Peking dabei, als das Olympische Feuer entzündet wurde. "Wie einen Film" könne er jeden einzelnen Moment jener olympischen Tage vor seinem inneren Auge ablaufen lassen, erzählt der Dormagener, der als Anwärter auf eine Medaille, vielleicht sogar die goldene, nach London reist.

Als solcher galt Nicolas Limbach auch vor vier Jahren, im Endklassement des olympischen Säbelturniers reichte es dann nach einer 14:15-Niederlage gegen den Weißrussen Aliaksandr Buikevich "nur" zu Platz neun. Enttäuscht darüber, sagt Limbach, sei er nur am Abend nach dem Gefecht gewesen. Inzwischen sehe er das anders: "Ich habe hauchdünn gegen einen Fechter verloren, der an diesem Tag einfach besser war als ich und der mich ein paar Monate vorher noch mit 15:6 abgeledert hat."

In London, daraus macht der Vize-Weltmeister, der als einziger Säbelfechter bei vier Weltmeisterschaften in Folge eine Medaille gewann, und Weltranglisten-Erste kein Hehl, soll es nach Möglichkeit keinen geben, der an diesem Tag des 28. Juli "einfach besser" ist als er. "Nico wird optimal vorbereitet in die Gefechte gehen", verspricht Bundestrainer Vilmos Szabo (47), der den Dormagener seit dessen ersten Gehversuchen auf der Planche vor 18 Jahren betreut. Wohlwissend, dass Limbach noch ein wenig von jener Fußverletzung geplagt wird, wegen der er vor einer Woche beim letzten Weltcup-Turnier in Chicago nach dem – siegreich gestalteten – Viertelfinale aufgab.

Bis Montag soll das vergessen sein, dann verpasst Szabo seinen Schützlingen in einem Trainingslager in der Sportschule Hennef den letzten Feinschliff fürs Olympische Turnier. Dass das unter ganz anderen Vorzeichen abläuft als eine Weltmeisterschaft, weiß keiner so gut wie der gebürtige Rumäne: Als Aktiver war er drei, als Obmann ein, als Trainer bisher zwei Mal bei Olympia dabei. Dass die Anspannung eine andere als vor einer WM sei, verhehlen auch Max Hartung und Benedikt Wagner (beide 22) nicht: "Auch wenn ich glaube ich erst so richtig registriert habe, dass ich jetzt Olympiateilnehmer bin, wenn wir in London sind", meint "Nesthäkchen" Benedikt Wagner, der gerade 22 geworden ist. Hartung findet es "gut, dass wir gleich so früh dran sind, alles andere würde mich sonst ablenken." Auch wenn für beide der Mannschaftswettbewerb fünf Tage später (3. August) eindeutig im Mittelpunkt steht, sagt Hartung: "Natürlich möchte ich auch im Einzel so weit kommen wie möglich, wenn's geht sogar in die Nähe einer Medaille."

Nicht lange auf seinen Einsatz warten muss auch Christoph Fildebrandt: Vor- und Endläufe der 4x100-Meter-Freistilstaffel, für die der Dormagener nach seinem Deutschen Meistertitel über 100 Meter Freistil nominiert wurde, stehen am 29. Juli im olympischen Schwimmprogramm. Vor fünf Jahren folgte der gerade 22 Jahre alt gewordene angehende Polizeikommissar seinem Trainer Jürgen Schmitz von der SG Remscheid zum TSV Bayer Dormagen.

Er ging damit den umgekehrten Weg, den Thomas Rupprath, 2000 in Sydney als Dritter über 4x100-Meter Lagen letzter Medaillengewinner für einen Verein aus dem Rhein-Kreis, einstmals einschlug. Nicht nur deshalb freut sich Karl Bongers (87) über das olympische Quintett, aus dem heute dank Björn Otto (siehe gesonderte Meldung) noch Fünflinge werden können: "Unsere langfristigen, auf Perspektive zielenden Überlegungen haben Früchte getragen", sagt der langjährige Vorsitzende der Sparkassenstiftung Sport und denkt trotz seines Alters gleich weiter: "Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass das bis 2016 in Rio so bleibt."

(NGZ/url)