1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Wenn der große Unbekannte mit dem Geldkoffer in der Hand durch die Landeshauptstadt schlendert, oder:: Vor Olympia sind alle gleich

Wenn der große Unbekannte mit dem Geldkoffer in der Hand durch die Landeshauptstadt schlendert, oder: : Vor Olympia sind alle gleich

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Vielleicht ist ja auch alles ganz anders, und es ist tatsächlich der große Unbekannte mit dem Geldkoffer in der Hand, der sein Füllhorn über den Sport in der Landeshauptstadt ausschüttet. Vielleicht hat die Konkurrenz aus den umliegenden Städten aber doch Recht, wenn sie argwöhnt, der plötzliche Reichtum Düsseldorfer Vereine träte nicht zufällig in jenem Jahr zu Tage, in dem sich Düsseldorf um die Olympischen Sommerspiele 2012 bewirbt. Mancher will hoch hinaus im Sport, doch entscheidet meist das Geld.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt? Joachim Kurth, Torhüter und Marketingbeauftragter beim Handball-Zweitligisten TSV Bayer Dormagen, kommt jedenfalls aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn er die Transferlisten der Konkurrenten studiert. Was ihn besonders stutzig macht, sind die Zugänge der HSG Düsseldorf: "Erst bekommen die Düsseldorfer ihre Lizenz erst im zweiten Anlauf, und ein paar Tage später langen sie auf dem Transfermarkt zu wie kaum ein Erstligist", wundert sich Kurth über das Geschäftsgebahren jenes Klubs, der in den vergangenen Jahren stets an der Grenze zum finanziellen Aus wandelte.

  • Die Eröffnungsfeier der Universiade 2015 in
    Großer Erfolg für NRW : Düsseldorf bekommt Zuschlag für Studenten-Olympia
  • Düsseldorf-Podcast „Rheinpegel“ : Was die Landeshauptstadt bewegt - jede Woche zum Hören
  • Die Polizei in Düsseldorf hat einen
    Einsatz in Friedrichstadt : Mutmaßlicher Serienbetrüger in Düsseldorf festgenommen

Mehr noch: Auch aus der "Konkursmasse" der insolventen SG Solingen bedienten sich die Landeshauptstädter noch einmal, als alle anderen Klubs ihre Personalplanungen längst abgeschlossen hatten.

"Und womit die den FC Barcelona bezahlen, möchte ich auch gerne wissen", fragt sich Kurth; die Katalanen, die erfolgreichste Handballmannschaft der Welt, kommen zum Turnier um den Rheinpokal am 23. und 24. August in die Philipshalle - ein mehr als prominenter Ersatz für die vom Konkurs bedrohten Solinger, die eigentlich dort auflaufen sollten.

Neid eines Dormagener Landeis auf die große Sport-Welt auf der anderen Rheinseite? Oder steckt mehr dahinter? Es hat den Anschein, denn auch der Rochusclub, der trotz aller Nähe zum World-Team-Cup bislang in der Tennis-Bundesliga eher zu den Klubs gehörte, die die Brötchen von der kleineren Sorte backen, strotzt plötzlich vor Selbstbewusstsein.

Teamchef Detlef Irmler spricht von der Endrunde, ja vom Deutschen Meistertitel; am Sonntag gegen den Lokalrivalen TC Blau-Weiss Neuss hatte er bereits zum vierten Male in dieser Saison seine bis auf Albert Portas vollzählige spanische Armada auf den Aschenplätzen stehen - und die kostet.

Selbst die Nummer fünf, Salvador Navarro, der nach seiner Drei-Satz-Niederlage gegen Federico Browne erst einmal Kleinholz aus seinem Schläger machte, ist in der Weltrangliste auf Position 179 notiert. Zum Vergleich: Die Neusser Nummer vier, Vincenzo Santopadre, steht auf Platz 391. Und wenn Portas nicht in San Marino das Finale erreicht hätte, wäre auch er noch an den Rolander Weg gekommen. Was in der Branche für Stirnrunzeln sorgt: "Irmler ist doch normalerweise der Chefkläger der Liga, der nie weiß, ob er genügend Geld für alle acht Spiele hat", meint der Neusser Teamchef Lutz Steinhöfel.

Diesmal scheint alles anders zu sein in der Landeshauptstadt - und das weckt den Argwohn der Konkurrenz. Um so mehr, als weder Handballer noch Tennisspieler einen neuen, potenten Sponsor in der Öffentlichkeit präsentierten. Lässt die Hoffnung auf Olympia 2012 die Kassen der Düsseldorfer Vereine klingeln, egal, woher das Geld kommt? Der Verdacht liegt nahe: "Die wollen Düsseldorf um jeden Preis zur Sportstadt hochpuschen", vermuten Beobachter der Sportszene. Und da passen Negativschlagzeilen über finanziell klamme Klubs, so wie sie in der Vergangenheit die Fortuna zur Genüge produzierte, nicht ins Konzept.

In der Tat ist auffällig: Wurden die Handballer bislang in Schulturnhallen verbannt oder wanderten sie gar nach Ratingen aus, können sie sich plötzlich wieder Gastspiele in der Philipshalle leisten, auch das gegen Bayer Dormagen im nächsten Jahr. Dagegen wäre wenig einzuwenden, nur: Von der Olympiabewerbung soll angeblich die gesamte Region profitieren.

Davon merken die Erst- und Zweitligisten außerhalb der Landeshauptstadt allerdings nichts. "Kommt das Geld tatsächlich aus dem Olympiatopf oder werden durch Olympia neue Töpfe geöffnet, müssten auch wir, Essen oder Krefeld davon etwas haben, denn auch wir gehören zur Olympia-Region", findet Lutz Steinhöfel. Wie gesagt: Ein Schelm, der Böses dabei denkt ...

(NGZ)