Wenn Firmlinge pilgern: Von Glehn über Rom nach Trier

Wenn Firmlinge pilgern : Von Glehn über Rom nach Trier

Firmlinge werden in den Gemeinden St. Pankratius und St. Stephanus auf bundesweit einzigartige Weise auf ihren großen Tag vorbereitet: Die 31 Jugendlichen begaben sich Mitte August auf eine 75 Kilometer lange Fußwallfahrt nach Trier.

Glehn Mal stört das Handy, dann wieder kommt jemand wegen einer Schulveranstaltung zu spät in die Vorbereitungsstunde für die Firmung. "Heute ist es schwierig, die Jugendlichen ohne Ablenkung zu erreichen", schildert Franz Münch seine Erfahrungen. Der Vorsitzende der St.-Matthias-Bruderschaft, der als Katechet bei der Firmlingsvorbereitung in Glehn hilft, arbeitete gemeinsam mit Theo Esser, dem Leiter der Katechetengruppe, ein neues Angebot für die Jugendlichen aus: Die beiden routinierten Pilger nahmen in diesem Jahr 31 Nachwuchs-Wallfahrer aus den Gemeinden St. Pankratius in Glehn und St. Stephanus in Grefrath mit auf den Weg nach Trier. Während die Pilger der Bruderschaft bei der großen Wallfahrt rund 220 Kilometer zu Fuß bewältigen, stand für die Firmlinge eine etwa 75 Kilometer lange Strecke von Gerolstein über den kleinen Ort Rom bis zum Matthiasgrab in Trier auf dem Programm.

"Das hört sich zunächst nicht so anstrengend an, doch auf drei Tage verteilt ist es ein ordentliches Pensum", ist Theo Esser überzeugt. Die Kommentare der Jugendlichen am Ende der Wallfahrt geben ihm Recht: "Ich habe noch nie in meinem Leben so oft gesagt 'Ich habe keinen Bock mehr' wie auf dieser Fahrt", meint Sophia Ohligs im Rückblick, während Patrick Klann das ganze Laufen "unnötig" fand und vorschlug, sich beim nächsten Mal fünf Kilometer pro Tag vorzunehmen.

Trotz aller Klagen und Fußschmerzen gab keiner auf. Die 31 Mädchen und Jungen sowie ihre acht Begleiter erreichten die Basilika in Trier am Abend des dritten Tages - und alle waren begeistert von der guten Gemeinschaft. "Es war zwar sehr anstrengend", so das Fazit von Franziska Erkes, "doch die Stimmung war gut. Es gab keine Ausgrenzungen, und alle Mitpilger wurden akzeptiert und respektiert." Dieses positive Gruppengefühl ist für Franz Münch und Theo Esser eine der wichtigsten Erfahrungen einer Wallfahrt. "Daneben ging es auch um die eigene Identität und um Perspektiven für die Zukunft", erläutert Theo Esser. "Anhand von Verkehrsschildern wie 'Sackgasse' oder 'Umleitung' wurden Lebenswege thematisiert."

88 Jugendliche werden in diesen Monaten an einzelnen Wochenenden auf ihre Firmung im Januar vorbereitet. Die meisten bevorzugen Treffen an einzelnen Wochenenden, doch immerhin ein Drittel entschied sich für die Wallfahrt. "Wir haben uns in diesem Jahr zum dritten Mal mit den Firmlingen auf den Weg gemacht", berichtet Franz Münch. "Die Gruppe wächst von Jahr zu Jahr, beim ersten Mal waren weniger als 20 dabei." Mit dieser unkonventionellen Firmvorbereitung betreten Glehn und Grefrath bundesweit Neuland, fügt der Vorsitzende der Glehner St. Matthias-Bruderschaft hinzu: "Als wir mit Geläut von Pilgervater Hubert Wachendorf in Trier einzogen, erfuhren wir, dass wir die erste Firmlings-Pilgergruppe waren. Vielleicht greifen auch andere Gemeinden diese Idee auf."

Hofft die Bruderschaft nun auf viele neue junge Teilnehmer bei der großen Wallfahrt im Oktober? "Danach haben wir direkt im Anschluss an die Tour lieber nicht gefragt", sagt Franz Münch schmunzelnd. "Doch Nachwuchswerbung war nicht unser Ziel; wir wollten den Jugendlichen einfach eine neue Art von Vorbereitung auf ihre Firmung anbieten." Vielleicht, so hofft Theo Esser, schließt sich der eine oder andere Wallfahrer als Erwachsener oder im Rentenalter wieder einer Pilgergruppe an. Er weiß: "Die Strapazen sind schnell vergessen, ebenso wie die unbequemen Übernachtungen auf dem Turnhallenboden — zurück bleibt meist die Erinnerung an ein sehr intensives Gemeinschaftserlebnis."

(RP)
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