Korschenbroich: Vom Sammler zum Züchter

Pesch Stephan Tetzlaff hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Täglich begutachtet er sein Pfingstrosen-Paradies an der Kleinenbroicher Straße 85. Heute zählen gut 300 verschiedene Sorten zu seiner Zucht in Pesch. Er verkauft die Blumen mit der ausgefallenen Blüte, vermehrt die Stauden, die jedem Gartenfreund viel Geduld abverlangen, kreuzt und züchtet diese edlen Gewächse mit einer hingebungsvollen Geduld.

"Dabei fing alles ganz unverfänglich an", erinnert sich Stephan Tetzlaff an die Fahrten mit seinen Eltern in die Eifel. "Wir waren Ostern und im Herbst immer auf einem Bauernhof." Die riesigen Pfingstrosenstauden mit ihren tief-roten Blüten hatten es dem damals Zwölfjährigen angetan. "Ich habe der Bäuerin eine Staude abgeschwätzt. Damit war ich infiziert und meine Sammelleidenschaft nahm ihren Lauf."

Heute nennt der Pescher gut 300 verschiedene Sorten sein Eigen. Dass sein Hobby vor rund drei Jahren zu seinem Beruf wurde und damit in dem Traum der Selbständigkeit mündete, verdankt er seinem früheren Arbeitgeber. Sein damaliger Arbeitsplatz fiel der Rationalisierung zum Opfer. "Das meine damals schon stattliche Sammlung zum Broterwerb wurde, war eine Notlösung." Tetzlaff nutzte diese Chance und eröffnete 2002 mit dem Umzug von Düsseldorf nach Pesch sein Pfingstrosen-Paradies.

Sein großzügig angelegter Garten dient dem Pfingstrosennarr dabei als Ausstellungsfläche. Auf jedem Quadratmeter ist eine andere Kostbarkeit zu finden. Doch nicht nur Seltenheiten aus den Staaten, aus Japan, China und neuerdings auch aus Australien sind auf dem Privatgelände von Stephan und Cordula Tetzlaff zu bewundern. Der 43-Jährige hält auch der Bauernpfingstrose - schon aus Verbundenheit - die Treue. "Das ist die klassische Pfingstrose, die jeder kennt und die in mir die Sammelleidenschaft geweckt hat."

Dass es sich bei seiner Berufung um "ein hartes Brot" handelt, konnte er damals als heranwachsender Stadt-Junge noch nicht ahnen. Heute weiß er: "Von der Saat über die Kreuzung bis hin zur Vermarktung dauert es 20 Jahre." Doch an Ausdauer fehlt es dem gebürtigen Oberkasseler nicht, der sich nicht scheute in den Anfängen nach Amerika zu fliegen, um dort seine Pflanzen und Stauden höchst selbst auszuwählen.

Mittlerweile bestimmen die Übersee-Züchtungen den Markt. Eine Staude aus den Staaten variiert im Preis zwischen 25 bis 275 Dollar. Für so genannte Baumpäonien werden zwischen 60 und 275 Dollar in Rechnung gestellt. "Ich vermehre die Stauden und konzentriere mich natürlich auch auf die Züchtung. Wer ein richtiger Gärtner ist, der muss sich dieser Herausforderung stellen", sucht er nach einer Erklärung für den kostspieligen und zeitaufwendigen Einsatz.

"Die Kreuzungen der vielfach in Deutschland noch unbekannten japanischen Itoh-Hybriden vereinen in sich die besten Eigenschaften von Stauden- und Strauchpäonien", schätzt der Experte die Eigenschaften seiner erlesenen Kostbarkeiten. "Von den strauchigen Arten haben sie die raffiniert-schöne Blüte geerbt, von den Stauden den Wunschcharakter.

Im Ergebnis verhalten sich die meisten dieser Sorten wie Staudenpäonien." Nur die langanhaltende kalte Witterung verhagelt dem 43-Jährigen bei aller Liebe zu den Pfingstrosen etwas die Stimmung. Auf seinem 2,5 Hektar großen Freigelände stehen die Pfingstrosen aufgereiht - wie bei einem Gemüsebauern die Kartoffelpflanzen. Geschlossene Blütenknospen bestimmen ausschließlich das Bild.

"Diese Trommelstöcke - wie sie im Fachjargon etwas salopp genannt werden - verweigern selbst in der warmen Wohnung die volle Blütenbildung." Damit schreibt Tetzlaff für diese Saison den Schnittblumenverkauf - der sich in der Regel über neun Wochen erstreckt - so gut wie ab.

"Nach dem Pfingstfest wird diese Blume in Deutschland von den Kunden kaum noch verlangt." Er nimmt's gelassen hin, sein Hauptgeschäft erstreckt sich schließlich auf den Herbst, wenn sein Staudenverkauf erblüht.

(NGZ)
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