Korschenbroich : Vom Rennsport fasziniert

Mika und Fritz-Jürgen Hahn gehen in einer Woche mit ihrem Team "Suzuki Finnland" bei der Seitenwagen-WM am Sachsenring an den Start. Beide interessieren sich auch für die Geschichte des Motorsports.

Vater und Sohn sind seit 15 Jahren ein Team auf der Rennstrecke: Sie fahren Seitenwagen-Rennen. Mika kniet als Fahrer quasi direkt über dem Motor. Vater Fritz-Jürgen muss das 300 Km/h schnelle Vehikel durch Gewichtsverlagerungen auf der Straße halten. 2005 gewann Mika Hahn zusammen mit seinem damals 63 Jahre alten Vater sogar die Europameisterschaft der Classic-Sidecar-Racing-Klasse — als Fahrer.

Seit einigen Jahren managt Mika Hahn das Seitenwagen-Rennen-Team "Suzuki Finnland": 2008 wurde das Team Weltmeister. 2007 und 2009 holte das Team des 33-Jährigen den Vizeweltmeister-Titel. Am nächsten Wochenende gehen Mika und Fritz-Jürgen Hahn wieder bei der Seitenwagen-WM auf dem Sachsenring, zu dem mehr als 200 000 Besucher erwartet werden, mit ihrem Team an den Start. Reifen einkaufen, zusammen mit den Fahrern am Gespann schrauben, Auspuffsysteme bestellen, während des Rennens die Reifentemperatur messen — das sind nur ein paar von Mika Hahns vielen Aufgaben als Manager.

Fritz-Jürgen Hahn, Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik, ist für Motor, Auspuff und Stoßdämpfer zuständig. Ein teures Vergnügen: "Bis zu 5000 Euro pro Rennen gehen alleine für die Reifen drauf", erzählt Mika Hahn.

Zu Päkka Päivärinta, Fahrer seines Teams, hat Mika Hahn ein sehr gutes Verhältnis. "Pekka ist wie ein Bruder für mich", sagt der Historiker, der hauptberuflich als Pressesprecher für das Meilenwerk in Düsseldorf und Berlin arbeitet. "Wir kennen uns schon über 18 Jahre." Bereits als kleiner Junge saß Mika, der Sohn einer Finnin und eines Deutschen, zum ersten Mal in einem Gespann. "Damals habe ich ein Gespann mit Pedalen für Mika gebaut", erinnert sich sein Vater.

Jedes Jahr im Winter macht sich der 68-Jährige zusammen mit seinem Sohn zum Eisrennen nach Finnland auf. "Das sind extreme Bedingungen", erzählt Mika. "Bei Temperaturen von über minus 50 Grad kann man durch die aufgewirbelten Eiskristalle des Vordermanns kaum etwas sehen." Eigentlich kein Sport für einen 68-Jährigen, doch: "Ich mache jeden Morgen Gymnastik, gehe ins Fitness-Studio und mache Liegestütz", erzählt der Ingenieur.

Doch nicht nur im Sport sind Vater und Sohn ein Team: Die beiden sammeln alles, was mit Mobilität, speziell im Rheinland zu tun hat. Über zehn Bücher zu motorhistorischen Themen haben Mika und Fritz-Jürgen Hahn schon geschrieben und herausgegeben. Gemeinsam organisieren sie Ausstellungen im Düsseldorfer Meilenwerk, einem Treffpunkt für Liebhaber, Sammler und Besitzer von Oldtimern. "100 Jahre Führerschein" oder eine Ausstellung rheinischer Motorräder, die zwischen 1900 und 1960 im Rheinland hergestellt wurden, gehören etwa zum Repertoire der Hahns.

(NGZ)
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