Albert Brülls nach schwerer Krankheit verstorben: Vom Geld blieb ihm nichts übrig

Albert Brülls nach schwerer Krankheit verstorben: Vom Geld blieb ihm nichts übrig

Die Nachricht sprach sich in Windeseile herum: Albert Brülls ist tot. Am Sonntagabend erlag der Fußballer, der 25 Mal das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft getragen hatte, daheim in Korschenbroich-Raderbroich nach kurzer, aber schwerer Krankheit - nur zwei Tage nach seinem 67. Geburtstag. Erinnerung: Albert Brülls trainierte auch den VfR Neuss.

Die Nachricht sprach sich in Windeseile herum: Albert Brülls ist tot. Am Sonntagabend erlag der Fußballer, der 25 Mal das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft getragen hatte, daheim in Korschenbroich-Raderbroich nach kurzer, aber schwerer Krankheit - nur zwei Tage nach seinem 67. Geburtstag. Erinnerung: Albert Brülls trainierte auch den VfR Neuss.

Obwohl es in den vergangenen Jahren still um den dreifachen Familienvater geworden war, vergessen hatten ihn seine Fans eigentlich nie. "Bis zum Schluss kamen für ihn noch Autogrammwünsche", weiß Manfred Heling, Leiter des Medienzentrums im Rhein-Kreis Neuss.

Dort arbeitete Albert Brülls noch bis kurz vor Weihnachten, stockte mit Kurierfahrten seine schmale Rente auf. Zwei Mal in der Woche belieferte er rund 150 Schulen im Kreis mit Filmen und Materialien für den Unterricht - auf 400-Euro-Basis. Denn vom Reichtum vergangener Tage war ihm nichts geblieben. Von 1955 bis 1962 hatte er für Borussia Mönchengladbach die Stiefel geschnürt, erzielte in der mittlerweile fast zum Mythos verklärten Oberliga West in 160 Spielen 38 Tore.

1960 führte er die Borussia als Mannschaftskapitän ins DFB-Pokalfinale, schoss das entscheidende Tor zum 3:2-Sieg über den Karlsruher SC. 1956 kickte er für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Melbourne und von 1959 bis 1966 waren die Dienste des schnellen und schussstarken Stürmers in der DFB-Auswahl gefragt. Unter Sepp Herberger nahm er an der Fußball-WM in Chile teil, vier Jahre später wurde er unter Helmut Schön in England Vize-Weltmeister.

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"Aber den Schön konnte er trotzdem nie so richtig leiden", hat Manfred Heling in den Gesprächen mit dem Ex-Profi erfahren. "Wenn er von früher erzählt hat, habe ich förmlich an seinen Lippen gehangen." Und zu erzählen hatte Albert Brülls eine ganze Menge. "Aber nur wenn man ihn darum bat", sagt Heling, "er hat damit nicht rumgeprahlt. Dazu war er ein viel zu netter Kerl".

Als er 1962 aus Mönchengladbach zum FC Modena wechselte, war er einer der ersten deutschen Kicker, die es als Profi über die Alpen zog. In seiner Zeit in "Bella Italia" verdiente er prächtig, kehrte nach den Stationen AC Brescia und Young Boys Bern (Schweiz) als reicher Mann zurück nach Deutschland, wo er seine aktive Karriere Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Spielertrainer des VfR Neuss ausklingen ließ.

Doch das viele Geld, alleine für seinen Wechsel nach Modena soll er 300.000 Mark kassiert haben, die beiden Häuser - alles futsch. Albert Brülls, der unter anderem das Restaurant "Jägerhof" in Mönchengladbach betrieb, verlor vollkommen den Boden unter den Füßen, musste am Ende froh sein, dass ihm Freunde einen Job beim Kreis verschafften. Dort kam er allmählich wieder auf die Beine.

Als er sich kurz vor Weihnachten mit den Worten: "Ich geh' zum Arzt, ich hab's irgendwie im Rücken" von den Kollegen verabschiedete, ahnte keiner etwas von der niederschmetternden Diagnose: Knochenkrebs. Dieser Kampf war einfach nicht zu gewinnen. Albert Brülls wird am Freitag in Mönchengladbach beerdigt. Dirk Sitterle

(NGZ)
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