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TSV-Bayer-Sportcenter: Vom Angst- zum Lieblingsgegner

TSV-Bayer-Sportcenter : Vom Angst- zum Lieblingsgegner

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Die SG Willstätt/Schutterwald ist auf bestem Wege, vom einstigen Angst- zum Lieblingsgegner des TSV Bayer Dormagen zu werden. Zumindest in heimischen Gefilden. Denn wie in der vergangenen Saison, als die Gäste aus der Ortenau im TSV-Bayer-Sportcenter mit 21:34 (Halbzeit 12:20) unter die Räder kamen, waren sie auch am Samstag angesichts einer 22:32-Niederlage chancenlos.

18:8 führten die Hausherren zur Pause, nachdem sie dreißig Minuten lang ihre bis dato beste Saisonleistung geboten hatten. "Dass die zweite Hälfte dann nur Unentschieden ausgeht, ist schon okay", meinte Regisseur Alexander Koke im Nachhinein, "es ist schwer, solch ein Niveau sechzig Minuten zu halten."

Den Dormagenern gelang dies zumindest 44 Minuten lang. Als Michiel Lochtenbergh seinen zweiten Siebenmeter an Ivan Zoubkoff vorbei ins Netz wuchtete, hieß es 25:13 für die Hausherren. Die zu diesem Zeitpunkt zum fünften Mal in dieser Partie in Unterzahl agierten, was aber weder ihrem Spielfluss noch ihrer Überlegenheit abträglich war.

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Dass die Gäste, die bis dahin auf ganzer Linie enttäuscht hatten, dann mit vier Treffern in Folge Ergebniskosmetik betrieben, hatte mehr mit Dormagener Leichtsinn im Angriff zu tun als damit, dass SG-Trainer Dragan Markovic irgend etwas eingefallen wäre, um Bayer erfolgreich am Sturmlauf zu hindern.

Dass nun die Angriffe zu überhastet abgeschlossen wurden und überhaupt die Disziplin ein wenig flöten ging, rief Joachim Kurth auf den Plan: Der Torhüter schimpfte wie ein Rohrspatz, als ihm Till Bitterlich das Spielgerät zum 16:25 (46.) ins Netz setzte.Kurth hatte auch allen Grund dazu, sah er sich doch um die Früchte seiner Arbeit gebracht.Denn seine 17 Paraden waren neben einer excellenten 3:2:1-Deckung, gegen die den Gästen überhaupt kein Mittel einfiel, der Grundstein zum Erfolg.

Auch Trainer Kai Wandschneider ärgerte sich ein wenig über die kurzzeitige Schwächephase, die den Vorsprung bis auf acht Treffer zusammenschmelzen ließ: "Zweistellig sollte es angesichts unserer Überlegenheit schon werden." Dass seinen Schützlingen mit dem 32:22 in dieser Hinsicht eine genaue Punktlandung gelang, lag auch daran, dass Wandschneider weitaus mehr Variationsmöglichkeiten besaß als Kollege Markovic. So konnte er es sich leisten, Oliver Tesch 50, Rainer Hantusch 55 Minuten auf der Bank schmoren zu lassen.

Auch Martin Baekhoej, Marcel Wernicke und Tobias Plaz kamen am Samstag nicht über Kurzeinsätze hinaus. "Wir sind noch lange nicht an unseren Grenzen angekommen", meint Alexander Koke. Und auch Wandschneider hat einen Vorteil gegenüber der vergangenen Saison ausgemacht: "Wenn du jetzt wechselst, besteht nicht mehr so schnell die Gefahr, dass ein Bruch ins Spiel kommt."

Offensichtlich hinterlässt das intensive Training, dem Wandschneider seine Schützlinge unterzieht, positive Spuren. Denn während Markovic angesichts der "englischen Woche" mit den beiden Niederlagen gegen Kornwestheim in Punkt- und Pokalspiel feststellte: "Wir waren platt", konstatierte der Dormagener Handball-Lehrer mit süffisantem Lächeln: "Unsere Kondition stimmt." Bestes Beispiel: Nils Meyer.

Der Mittelmann, der am Sonntag 25 Jahre alt wird, spielt eine Saison auf konstant hohem Niveau. Am Mittwoch, beim Pokalsieg über Ahlen, war er der Beste in einer spielerisch eher weniger überzeugenden Mannschaft, dreiTage später war er wiederum der Beste in einem Team, an dem es kaum etwas auszusetzen gab. Deutlich konstanter ist auch Michiel Lochtenbergh geworden, der mit seinen Formschwankungen bislang oft Rätsel aufgab.

Und weil Matthias Aschenbroich gegen seinen früheren Klub erstaunlich diszipliniert auftrat, weil Michael Kopeinigg ohne Schmerzen in der Schulter stete Fortschritte erkennen lässt, befinden sich auch die Linkshänder auf dem aufsteigenden Ast.Was das alles wirklich wert ist, werden die kommenden Prüfungen in Oßweil, gegen Eisenach und gegen Kronau/Östringen zeigen. Vielleicht hat Bayer demnächst ja noch ein paar Lieblingsgegner mehr.

(NGZ)