Voltigieren: Janika Derks krönt Jahr mit erstem DM-Titel bei den Damen

Voltigieren : Janika Derks krönt Saison mit erstem DM-Titel

In Alsfeld liegt die Voltigiererin des RSV Neuss-Grimlinghausen in allen vier Teilprüfungen vorne. Bei Pauline Riedl ist die Luft raus.

Wer in eine einzige Saison Siege beim Weltcup-Finale und CHIO Aachen sowie Silber bei den Europameisterschaften im Einzel und Pas de Deux packt, den sollte der Titel bei den Deutschen Meisterschaften nicht wirklich vom Hocker reißen ... Genau das Gegenteil ist der Fall. DM-Gold im hessischen Alsfeld machte Janika Derks sogar gleich doppelt froh.

Zum einen bestätigte das 29 Jahre alte Powerpaket des RSV Neuss-Grimlinghausen damit zum Abschluss der Saison noch einmal seine Zugehörigkeit zum internationalen (Voltigier-)Adel. „Denn als Deutsche Meisterin bist du automatisch Weltspitze“, erklärte Trainerin und Longenführerin Jessica Lichtenberg. Zum anderen war es für die ehemalige Mannschaftswelt- und -europameisterin tatsächlich der erste DM-Titel im Dameneinzel. „Sie hat sich das so was von verdient“, stellte Jessica Lichtenberg gut gelaunt fest, „denn für sie gab es in der Vergangenheit ja schon ein paar hässliche Rückschläge. Sie ist mal um Tausendstel an Platz eins vorbeigeschrammt.“

In Alsfeld aber ließ sie auf Carousso Hit von Anfang an keinen Zweifel an ihrer Dominanz. Schon nach der Pflicht lag sie vorne – und wies nach vier Umläufen mit 8,858 Punkten einen besseren Notendurchschnitt auf als Jannik Heiland (8,520) bei den Herren. „Das war schon cool“, sagte ihre Trainerin, die freilich auch den Anteil des tierischen Partners am Triumph zu würdigen wusste: „Carousso ist mittlerweile gereift, bringt die nötige Erfahrung für diese großen Turniere mit.“ Der zwölf Jahre alte Wallach gehört der Österreicherin Daniela Slomka, zählt auf dem Nixhof aber ebenso wie seine Besitzerin längst zur Familie. Lichtenberg: „Sie freut sich genauso als wenn sie selber gewonnen hätte.“

Und die Kür zum Thema „Million Dollar Baby“ ist einfach eine Wucht. In dem mit vier Oscars prämierten US-amerikanischen Spielfilm von und mit Clint Eastwood verkörpert die Schauspielerin Hilary Swank die 31 Jahre alte Kellnerin Maggie Fitzgerald, die sich gegen alle Widerstände an die Spitze der Boxwelt kämpft. Eine Geschichte, die zu Janika Derks passe, wie die „Faust aufs Auge“, findet Jessica Lichtenberg: „Das ist ganz ihr Ding. Auch sie lässt sich nicht unterkriegen, bleibt dabei aber ultrabodenständig. Sie möchte nicht so gehypt werden.“ Während für die Physiotherapeutin aus Dormagen und ihr Pferd die abermalige Belastung im Hochleistungsbereich kein Problem darstellte, hatten Pauline Riedl und der junge Rappe Flamant schwer zu kämpfen. Nach einer „bärenstarken Saison“ (Lichtenberg) ist ihnen inzwischen wie vielen Konkurrenten ein bisschen die Luft ausgegangen. In Alsfeld reichte es für sie mit Longenführerin Catharina Musfeld nur zum elften Rang. „CHIO, von da direkt zur Trainingswoche nach Warendorf, dann zur WM nach Ermelo und jetzt noch Deutsche Meisterschaften – zu viel für Flamant in seiner ersten Saison“, wirbt Jessica Lichtenberg um Verständnis für den erst neun Jahre alten Hannoveraner: „Wir hatten im Vorfeld überlegt, ob wir mit ihm die Deutschen überhaupt noch machen sollen, denn er wurde schon ein bisschen nervig.“ Aber für sie steht hundertprozentig fest: „Flamant ist der Hammer! Eines der besten Pferde, das ich je ausgebildet habe! Das wird mal ein Weltpferd!“

Dass es ihn Alsfeld nicht mehr rund lief, sei ohnehin nicht alleine seine Schuld gewesen, führt die erfahrene Trainerin aus: „Er hat immer noch einen großartigen Job gemacht, aber auch Pauline hat sich einige Fehler geleistet.“ Besonders schlimm fand sie das nicht. „Klar, sie hat sich darüber sehr geärgert. Sie ist ehrgeizig, ist lieber ganz oben. Aber wer im Sport vorne stehen will, muss eben besser sein als die anderen.“ Trotz Pauline Riedls herausragender Saison – sowohl als Einzelvoltigiererin (Erste der Weltrangliste) als auch als Trainerin des in Ermelo mit WM-Gold dekorierten Junioren-Teams – stehe die 25-Jährige ja noch am Anfang ihrer Karriere. „Durch diese Täler musste auch Janika durch.“

In der Doppelkonkurrenz überließ die Vize-Europameisterin vom Nixhof das Feld Justin van Gerven und Chiara Congia vom VV Köln-Dünnwald. Weil sich ihr Partner Johannes Kay bei den Europameisterschaften bei seinem Salto zum Abgang wiederum am Fuß verletzt hatte, verzichtete Janika Derks auf den Start im Pas de Deux. Wie sagt der Rheinländer doch so schön: „Mer muss och jünne könne.“

Für Janika Derks (l.) gab es in Hessen zum ersten Mal in ihrer Karriere DM-Gold bei den Damen. Das freute natürlich auch Trainerin und Longenführerin Jessica Lichtenberg. Foto: Daniel Kaiser;© im|press|ions
Pauline Riedl belegte auf Flamant Rang elf. Foto: Daniel Kaiser;© im|press|ions

Die nächste Chance für den RSV Neuss.Grimlinghausen, seine Titelsammlung zu vergrößern, sind die Deutsche Jugendmeisterschaften vom 12. bis 15. September in Krumke (Sachsen-Anhalt).

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