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Reitsport: "Voltigieren ist reif für Olympia"

Reitsport : "Voltigieren ist reif für Olympia"

Jessica Schmitz, Trainerin und Longenführerin der S-Gruppe des RSV Neuss-Grimlinghausen, spricht kurz vor Beginn der Voltigier-Weltmeisterschaften in Le Mans über den Stellenwert ihrer Sportart, das Ziel für die Titelkämpfe und den Talentschuppen Nixhof

In dieser Saison noch unbezwungen, reiste das Voltigierteam des RSV Neuss-Grimlinghausen am Montag zu den Weltmeisterschaften nach Le Mans. Im französischen Pferdesportzentrum Boulerie Jump treffen die amtierenden Europameister erstmals auf die schwer einzuschätzende Hauptkonkurrenz aus Österreich und der Schweiz. Auf dem Weg durch Frankreich sprach die NGZ im deutschen Mannschaftsbus mit Trainerin Jessica Schmitz über olympische Träume, die "Wundertüte Team Neuss" und die schier unerschöpfliche Talentschmiede auf dem Nixhof.

Die olympischen Spiele in London gingen soeben zu Ende. Der Jahreshöhepunkt der Voltigierer, die beim IOC (noch) keine Rolle spielen, steht erst jetzt an. Können Sie sich mit dem Schattendasein der Sportart arrangieren?

Jessica Schmitz: Nur schwer. Dass wir nicht olympisch sind, ist im Hinterkopf immer präsent. Ich denke oft darüber nach, was für ein tolles Gefühl es sein muss, sein Land dort vertreten zu dürfen und bei der Eröffnungsfeier einzulaufen.

Wie weit ist das Voltigieren noch davon entfernt, eine olympische Disziplin zu werden?

Schmitz Ich befürchte noch weit. Dabei hat das Voltigieren definitiv das Zeug dazu. Es fehlen ein paar entscheidende Stellschrauben. Die Disziplin müsste sich auf Olympia einstellen, eventuell auch neue Kategorien erarbeiten. In den Mannschaften sind aktuell viele Turner unter 14 Jahren, was bei Olympischen Spielen nicht möglich ist. Da müsste ein neues System erarbeitet werden, womöglich anstatt sechs nur vier Mitglieder in einer Mannschaft antreten. Auch das Doppelvoltigieren könnte sehr attraktiv sein. Allerdings müsste dabei an vielen Stellen wieder stärker reglementiert werden. Der Drang zur Verkleidung vieler Voltigierer bewirkt derzeit keine gute Außenwirkung. Das Voltigieren muss sich seriös präsentieren.

Sie sind eine der erfolgreichsten Trainerinnen, gelten als Macherin. Sie wären doch in der Position, etwas zu bewegen ...

Schmitz Ich muss gestehen, auch mir fehlt noch der Masterplan, an welcher Stelle man ansetzt. Man bräuchte ein handfestes Konzept.

Bundestrainerin Ulla Ramge möchte das Thema im September auf einer Sitzung des Weltverbandes in Lausanne ansprechen, denkt bezüglich des Konzepts bereits an Arbeitsgruppen. Dort sind Experten wie Sie gefragt.

Schmitz Natürlich. Da bin ich mit großem Ehrgeiz dabei. Ich bin seit 25 Jahren in diesem Sport und noch lange nicht müde. Die Zeit ist reif für Olympia.

(NGZ)