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Voltigier-WM in Budapest: Gold und Silber für Janika Derks.

Voltigieren : Das Schuhdrama von Budapest

Pas-de-Deux-Voltigierer Johannes Kay verliert im Finale der in Ungarn ausgetragenen Weltmeisterschaften sein „Schläppchen“ – und gewinnt mit Partnerin Janika Derks, die am Sonntag WM-Silber im Einzel holt, dennoch Gold.

Nach Gold im Nationenpreis und Gold im Pas-de-Deux folgte für Janika Derks am Sonntag bei der Voltigier-Weltmeisterschaft im ungarischen Budapest das Finale im Einzel. Auch hier konnte die Dormagenerin noch einmal ein Ausrufezeichen setzen und kletterte von Rang drei aus der Vorrunde auf den Silber-Rang. Damit konnte die deutsche Equipe um Bundestrainerin Ulla Ramge in sämtlichen Disziplinen eine Medaille einfahren.

Bei den Damen schaffte es allerdings nur Janika Derks in die von vornehmlich aus Österreich stammenden Spitzenathletinnen geprägte Elite. Die 31 Jahre alte Voltigiererin des RSV Neuss-Grimlinghausen hatte nach der ersten Runde (Pflicht und Kür) auf Platz drei gelegen. Auch im Technikprogramm und in der finalen Kür zum Thema „Rote Materie“ zeigte die Dormagenerin jeweils die drittbeste Leistung im Budapester Zirkel. In der Summe reichte es für die Physiotherapeutin, die mit Dark Beluga und Longenführerin Barbara Rosiny am Start war, für Silber. Das Trio kam auf gesamt 8,655 Punkte. Damit mussten die Deutschen lediglich der Österreicherin Jasmin Lindner den Vortritt lassen.

 Bewegende Momente: (v.l.) Johannes Kay, Nina Vorberg und Janika Derks bei der Ehrenrunde in der „National Riding Hall“ in Budapest.
Bewegende Momente: (v.l.) Johannes Kay, Nina Vorberg und Janika Derks bei der Ehrenrunde in der „National Riding Hall“ in Budapest. Foto: Daniel Kaiser
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Bundestrainerin Ulla Ramge: „Janika hat die starken Österreicherinnen noch einmal in Bedrängnis gebracht und eine absolut tolle Kür gezeigt. Das war alles sehr, sehr sauber und aus meiner Sicht ihre beste Kür der Saison. Das hat sie heute noch einmal ihre ganze Erfahrung und Stärke unter Beweis gestellt.“ Auch Trainerin Jessica Lichtenberg war angetan: „Zweimal Gold und einmal Silber spricht, glaube ich, für sich. Natürlich hätte ich mir irgendwie auch gewünscht, dass Janika hier auch mit Gold nach Hause geht, denn verdient hätte sie es allemal. Auf der anderen Seite bin ich mit Blick auf die schwierigen Bedingungen – Janika hat in der Vorbereitung auf die WM nur acht Mal auf Dark Beluga trainiert – unfassbar stolz, dass sie über vier Runden eine so geile Leistung gezeigt hat. Ich glaube, die Sachen, die besser gehen, sind das Finetuning, das nur funktioniert, wenn man auf seinem eigenen Pferd ist. Janika hat super reagiert in den Momenten, in denen es schwierig war. Sie hat bewiesen, dass sie Nerven wie Drahtseile hat und auch eine Fitness, die ihren Vergleich sucht.“

Diese Weltmeisterschaften werden auf jeden Fall in die Geschichte des Neusser Voltigiersports eingehen. Und zwar  als „Schuhdrama von Budapest“. Im Finale der globalen Titelkämpfe in der ungarischen Hauptstadt verlor Johannes Kay gleich zu Beginn der zweiminütigen Kürdarbietung seinen rechten Schuh – und kam damit aufgrund des fehlenden Grips in die Bredouille. Denn ohne den „Voltigierschlappen“ am Fuß fühlten sich für den 26-Jährigen alle Bewegungen ungewohnt an. „Mir wurde ziemlich schnell bewusst, dass ich ihn ausziehen muss, weil ich ihn definitiv nicht mehr anbekommen würde. In diesem Moment macht man sich dann Gedanken, an welcher Stelle der Kür der beste Moment ist und ich muss gestehen, dass ich nicht so der Fan von Multitasking bin. Aber heute musste es mal so laufen.“

Janika Derks sah die Umstände derweil entspannter: „Ich war mir sicher, dass er es trotzdem schafft.“ Und für den Außenstehenden gab es im Endeffekt in der Exaktheit und Eleganz der Ausführung keine großen Unterschiede. Auf dem Rücken des 14-jährigen Oldenburgers Humphrey Bogart OLD – longiert von Nina Vorberg – kam das Duo aus dem Rheinland auf starke 9,083 Zähler in der Tageswertung. Das machte im Endergebnis 8,936 Zähler und somit den deutlichen Sieg vor der deutschen Konkurrenz, Chiara Congia und Justin van Gerven aus Köln. Die amtierenden Europameister holten sich am Finaltag knapp den Tagessieg (9,092), blieben aber im Endergebnis mit ihrem 13-jährigen Hannoveraner Highlight sowie Longenführerin Alexandra Knauf hinter den Neussern (8,646). Bronze ging an die starken Amerikaner Haley Smith und Daniel Janes (8,469).

Die Bundestrainerin zeigte sich begeistert: „Es war eine große Freude und ein großer Genuss, diese Küren anzuschauen. Das haben auch die anderen Nationen neidlos anerkannt. Ein großes Lob haben wir neben den turnerischen Leistungen für unsere Pferde erhalten. Das freut mich besonders, denn Voltigieren ist Pferdesport und Pas-de-Deux auf diesem Niveau hätte auch das Potenzial, olympisch zu werden.“ Auch Jessica Lichtenberg freute sich für ihre Schützlinge. „Janika und Johannes haben zwei super Runden abgeliefert.“ Die 40-Jährige war vor allem beeindruckt vom souveränen Umgang Kays mit der Situation. „Er hat einfach unbeeindruckt weitergeturnt und ist am Ende sogar seinen freien Radabgang gesprungen. Davor habe ich großen Respekt.“ Der Schuh hatte während der Kür mitten auf der Zirkelbahn gelegen.