Volleyball: Sabine Witte zählt zu besten Schiedsrichtern in Deutschland

Volleyball : Mit Kompetenz und viel Fingerspitzengefühl

Die auch international geschätzte Sabine Witte gehört seit vielen Jahren zu den besten Volleyball-Schiedsrichterinnen in Deutschland.

Als Volleyball-Schiedsrichterin ist Sabine Witte stets mittendrin statt nur dabei, leitet brisante Spiele in der Champions League, war sowohl bei den „1. European Games“ 2015 in Baku/Aserbaidschan als auch bei den U20-Weltmeisterschaften 2017 und 2019 in Mexiko sowie bei der Frauen-Europameisterschaft 2019 in Polen im Einsatz. Am Sonntag ist die Dormagenerin in der SAP Arena Mannheim vor sicher mehr als 10.000 Zuschauern leitende Schiedsrichterin des Frauen-Pokalfinales zwischen dem Dresdner SC und dem Deutschen Meister Allianz MTV Stuttgart (ab 16.30 Uhr live auf Sport1).

Die Schulleiterin der St.-Peter-Schule in Rosellen ist eine von gerade mal zwei Schiedsrichtern, die Deutschland im Weltverband FIVB vertreten, gehört also zur Crème de la Crème ihrer Zunft. Und trotzdem: Dass sie zuletzt vor dem Bundesligaspiel des USC Münster gegen SW Erfurt von Präsident Hubert Marten für ihre Verdienst die silberne Ehrennadel des Westdeutschen Volleyball-Verbandes erhielt, „kam für mich überraschend und war eher eine außergewöhnliche Situation.“ Sie braucht das Rampenlicht nicht, ist „ganz zufrieden, wenn mich keiner wahrnimmt. Dann mache ich meinen Job gut.“ Ihr sind andere Dinge wichtig: „Ich habe meine Schiedsrichter-Karriere immer als Bereicherung empfunden. Habe so viel gelernt, so viel gesehen und Menschen kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte. So war ich zum Beispiel in Kasachstan. Wer kommt schon dahin? Und da ich vor Ort immer mit Einheimischen unterwegs bin, erlebe ich auch deren Sorgen und Nöte.“

Doch natürlich gilt auch im Volleyball: Schuld ist am Ende immer der Schiedsrichter. Mit Kritik kann die Pädagogin, die es als Aktive mit der DJK Rheinkraft unter Trainer Andreas Mehren bis in die Regionalliga gebracht hatte, freilich gut leben. „Emotionen gehören zum Spiel. Man lernt, sachlich damit umzugehen. Die Wahrnehmung ist halt bei jedem anders.“ Sie gibt jedoch zu bedenken: „Sie haben für ihre Entscheidung nur Bruchteile von Sekunden Zeit, das darf man nicht vergessen. Klar, der Videobeweis hilft schon sehr, aber einige Sachen sind selbst mit der Kamera kaum zu erkennen.“ Darum ihr Tipp: „Unabdingbar ist neben einer guten Spielvorbereitung und der perfekten Regelkenntnis ein psycho-soziales, emotionales Fingerspitzengefühl für die jeweilige Situation. Denn kein Spiel ist wie das vorherige, Spieler wie Trainer sind Charaktere, mit denen man lernen muss umzugehen. Und dann sollte man die Löcher in der Konzentration möglichst klein halten und im Team zusammenarbeiten.“ Die Fähigkeit, das eigene Tun selbstkritisch zu bewerten, könne ebenso nicht schaden wie ein gesundes Selbstbewusstsein, fügt sie an: „Im Volleyball kennt man mich, das macht vieles leichter. Und je mehr auf dem Spielfeld los ist, umso ruhiger werde ich.“

Sie hat sich behauptet in einer noch immer von Männern dominierten Welt. Als sie 2004 ihr Schiedsrichter-Debüt in der Bundesliga gab, war sie eine von nur ganz wenigen Frauen. Inzwischen sind es in 1. und 2. Liga zwar schon 45, aber der Kampf geht weiter. „Als Frau ein Herren-Spiel zu pfeifen, ist nicht immer leicht. Es gibt schon mal den ein oder anderen Mann, der Schwierigkeiten damit hat, wenn eine Frau das Sagen hat.“

Dabei kostet es ohnehin jede Menge Kraft, sich an der Spitze zu halten – vor allem auf internationaler Ebene. „Wenn du da mal eine Nominierung ablehnst, sei es auch aus beruflichen oder familiären Gründen, bist du erstmal für mindestens ein halbes Jahr raus. Kommt das ein zweites oder gar ein drittes Mal vor, ist deine internationale Karriere vorbei.“ Darum ist die zweifache Mutter, die mit ihrer Familie seit 2001 in Stürzelberg zu Hause ist, unendlich dankbar für die ihr von der Bezirksregierung Düsseldorf, aber auch von den Kollegen, früher an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Grundschule in Neuss und heute an der St.-Peter-Schule, gewährte Unterstützung. Sie weiß, dass sie in Sachen Sonderurlaub hart an der Schmerzgrenze agiert. „So habe ich im vergangenen Jahr wegen eines internationalen Einsatzes als Volleyball-Schiedsrichterin ausgerechnet am Einschulungstag gefehlt.“

Noch ist sie allerdings nicht ganz fertig mit ihrem Sport, dem sie nun schon seit mehr als 35 Jahren als Schiedsrichterin und Ausbilderin dient. „Mit 48 bin ich zwar schon ein alter Hase im Geschäft, aber im Moment macht es mir noch Spaß.“ Und dann gibt es da ja auch noch den großen Traum von Olympia. Nach Tokio werde sie es im Sommer nicht schaffen, weiß sie, „die Leistungsdichte in Europa ist halt sehr hoch und wie überall ist immer auch viel Politik im Spiel“, aber die Altersgrenze für Volleyball-Schiedsrichter liege ja bei 55 Jahren. „Damit kann ich bis 2024 noch ein wenig träumen ...“