Handball : Vier Monate Hochspannung

Zwanzig Spiele innerhalb von 17 Wochen bringen in der Zweiten Handball-Bundesliga die Entscheidung über drei Auf- und vier Absteiger. An eine Prognose, wer das am Saisonende sein wird, wagen sich nicht einmal Experten heran. Für Spannung ist auf jeden Fall gesorgt

Das Ziel, das Richard Ratka sich und seinen Schützlingen gesteckt hat für die 20 Meisterschaftsspiele, die der DHC Rheinland bis zum Saisonende am 2. Juni zu bestreiten hat, ist klar und eindeutig formuliert: "Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen." Wie viele das sein werden und was für eine Platzierung in der Abschlusstabelle der zweiten Handball-Bundesliga nach sich zieht, da ist Ratkas Aussage weniger präzise. Und das hat nicht allein damit zu tun, dass dem DHC wegen des Insolvenzverfahrens aus der vergangenen Saison am Ende dieser Spielzeit acht Pluspunkte abgezogen werden.

Sondern vor allem mit der Unberechenbarkeit einer Liga, die sich in der am Wochenende zu Ende gehenden Hinrunde als große Wundertüte präsentiert hat. Ratka glaubt, dass sich das in solch krasser Form nicht fortsetzt: "Ich denke, dass wir stabilere Verhältnisse bekommen werden, weil viele ihre Anpassungsprobleme an die eingleisige Liga überwunden haben." Doch eine Prognose, wer am Ende die drei Auf- und die vier Absteiger stellt, wagt auch der Ex-Nationalspieler nicht. Nur zwei Dinge hält er für sicher: "Minden steigt auf und wir steigen nicht ab."

Die Fans dürfen sich also auf vier Monate Hochspannung freuen. Das müsste sich eigentlich positiv auf den Zuschauerschnitt auswirken, der bislang nicht den Erwartungen entsprach: 245 535 Zuschauer sahen die 181 Heimspiele, das sind 1356 pro Spiel. Der VfL Bad Schwartau führt die Liste mit einem Schnitt von 1899 an. Schlusslichter sind der HC Empor Rostock (719), der TV Korschenbroich (640) und der 1. VfL Potsdam (324).

Ob der mit dem höchsten Etat und den höchsten Ansprüchen ausgestattete TSV GWD Minden wenigstens in der Rückrunde zu dem von allen vor der Saison prognostizierten Alleingang durchstartet, könnte sich bereits am Sonntag entscheiden: Dann erwartet der Tabellenführer (27:9 Punkte) den Verfolger TV Neuhausen (27:11). Der Aufstieg Auch wenn neun Minuspunkte aus den ersten 18 Spielen schon ein bisschen viel sind, führt an Minden kein Weg vorbei. Um die anderen beiden Plätze dürften sich TuSEM Essen (25:11, verstärkte sich mit dem Düsseldorfer Julius Kühn), der TV Emsdetten (22:14, holte den Düsseldorfer Ernir Arnarson) und der ASV Hamm streiten. Der liegt mit 19:17 Zählern zwar schon etwas zurück, besitzt aber das Zeug, seine Siegesserie (14:4 Punkte in Folge) auszubauen – es sei denn , die Westfalen stolpern bereits in ihren Gastspielen in Korschenbroich und Dormagen (10. Februar). Der TV Neuhausen stellt die große Unbekannte dar. Der Abstieg Er dürfte noch schwieriger vorherzusagen sein. Die HSG Düsseldorf steht, unabhängig vom Ausgang des Insolvenzverfahrens, aufgrund des personellen Aderlasses wohl als erster Absteiger fest. Die Zone der Gefährdeten beginnt mit dem ThSV Eisenach (17:19) auf Rang zwölf, der akut Gefährdeten mit der TSG Friesenheim auf Platz 15 (14:22). Die schlechtesten Karten besitzen 1. VfL Potsdam, HCE Rostock (beide 12:24), VfL Bad Schwartau (11:25) und der TV Korschenbroich (10:26). Bis auf Potsdam hat das Trio allesamt bereits den Trainer gewechselt. Der vom Drittligisten TSV Altenholz gekommene Torge Greve ist nach Thomas Knorr und Tobias Schröder bereits der dritte Übungsleiter, der den VfL Bad Schwartau ans rettende Ufer führen soll. Zieht man die acht Punkte jetzt schon ab, gehört auch der DHC Rheinland (dann 12:16 Punkte) in diese Zone. Richard Ratka zumindest ist überzeugt, dass er dort nicht bleibt.

(NGZ)