Lokalderby : Viele Emotionen, kein Favorit

Am Samstag erwartet der TV Korschenbroich den DHC Rheinland in der Waldsporthalle. Gestern stimmten sich die Handball-Zweitligisten in der Skihalle auf das Derby ein. Tenor: Gewinnen wollen beide, einen Favoriten gibt es nicht

Entfernungen lassen sich auf unterschiedliche Art und Weise messen. Zwischen der Korschenbroicher Waldsporthalle und dem Sportcenter am Dormagener Höhenberg sind es 33 Kilometer. In der Tabelle der Zweiten Handball-Bundesliga trennen den TV Korschenbroich und den DHC Rheinland derzeit zwölf Plätze und zehn (Minus-)Punkte.

In den Augen von Dr. Peter Irmen liegen dennoch Welten zwischen den beiden Klubs: "Für uns ist Dormagen immer das große Aushängeschild gewesen", sagt der Geschäftsführer der TV Korschenbroich Handball GmbH. Nicht ohne mit Stolz anzufügen: "Aber wir auf dem Dorf haben uns entwickelt."

Und weil das so ist, verspricht das Duell, in dem sich die beiden Kontrahenten am Samstag ab 19.30 Uhr in der sicherlich ausverkauften Waldsporthalle gegenüberstehen, eines auf Augenhöhe zu werden. Glaubt zumindest Richard Ratka. "In Derbys gibt es keinen Favoriten", weist der Trainer des DHC Rheinland die ihm angetragene Rolle von sich, "da gewinnen die, die den stärkeren Willen zeigen." Wobei der Ex-Nationalspieler selbstredend hofft, "dass das meine Jungs sein werden. Aber es kommt darauf an, dass wir den Kampf, den Korschenbroich mit Sicherheit zeigen wird, annehmen."

Da will Christian Voß nicht widersprechen. "Wir haben nur eine Chance auf den Klassenerhalt, wenn alle an einem Strang ziehen", sagt der neue Mann auf der Bank des TV Korschenbroich. So wie es seine Schützlinge erst beim 32:28 gegen Friesenheim, dann am Samstag beim 31:31 in Bad Schwartau praktizierten und ihm damit einen "Traumstart" bescherten: "Es macht unheimlich Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten." Doch Voß ist sich bewusst, dass noch ein langer Weg vor ihm liegt: "Nur mit unbedingtem Einsatzwillen können wir unser Tempo spielen. Und nur so können wir Erfolg haben", ist der TVK-Trainer überzeugt. Trotzdem sieht er die Hausherren in der Rolle des Außenseiters: "Dormagen hat uns eines voraus: die individuelle Stärke einzelner Spieler. David Breuer und Bartosz Konitz treffen im Rückraum fast immer die richtigen Entscheidungen." Woraus er mit Blick auf Samstag ableitet: "In meinen Augen ist der DHC Favorit."

Eine Sichtweise, die sein Dormagener Kollege nur zum Teil akzeptiert: "Wir sind im individuellen Bereich auf Dauer sicher besser besetzt als der TVK. Aber wir haben an entscheidenden Stellen, zum Beispiel im Innenblock der Deckung, noch ganz junge Spieler — und die machen halt Fehler, das ist doch ganz normal."

Außerdem werde Handball nicht allein über Taktik und Technik entschieden: "Der TVK schwimmt nach dem Trainerwechsel auf einer Euphoriewelle, das setzt zusätzliche Kräfte frei." Was das für Samstagabend bedeutet, darüber ist sich Richard Ratka im Klaren: "Mit Schönspielerei wird man da nichts holen können."

(NGZ)
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