Lokalsport : Viel Frust und ein Protest

Handball-Bundesligist TSV Dormagen hat gegen die 26:28-Niederlage in Hannover Protest eingelegt. Grund: Als Jacek Bedzikowski das erste Tor für die Hausherren erzielte, stand der Ex-Dormagener gar nicht auf dem Spielbericht.

Die Schlappe beim Aufsteiger hatten sich ihre Schützlinge selbst zuzuschreiben, daran gab es für die Mannschaftsverantwortlichen des TSV Dormagen gar keinen Zweifel am Freitagabend in den Katakomben der AWD-Hall. Dennoch will der Handball-Bundesligist Protest gegen die Wertung der 26:28-Niederlage beim TSV Hannover-Burgdorf (die NGZ berichtete) einlegen. "Ich weiß nicht, ob wir Aussicht auf Erfolg haben", sagt Team-Manager Thomas Dröge, "aber ich will mir nicht vorwerfen lassen, es nicht wenigstens versucht zu haben."

Was war geschehen? Als Jacek Bedzikowski in der zweiten Spielminute den 1:1-Ausgleich für die Hausherren erzielte, stand der frühere polnische Nationalspieler gar nicht auf dem Spielbericht. Das offensichtlich überforderte Kampfgericht — es unterbrach die Partie nach exakt zehn Minuten mittels Sirene, weil es die Zeitnahme versehentlich auf Basketballmodus eingestellt hatte — notierte wie auch beim zweiten Hannoveraner Treffer Aivis Jurdzs als Torschützen. Dabei griff der Lette während der sechzig Minuten nicht ein Mal ins Spielgeschehen ein.

In der vierten Spielminute fiel ihnen der Irrtum offensichtlich auf: Die Partie wurde für knapp sieben Minuten unterbrochen, in denen Zeitnehmer, Sekretär, der als amtliche Aufsicht anwesende DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß und die Mannschaftsverantwortlichen beider Lager heftigst diskutierten.

Das Ergebnis: Die Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig erkannten auf Ballbesitz für Dormagen und bedachten Hannovers Mannschaftsverantwortlichen Dirk Pauling mit der Gelben Karte. Für Bedzikowski hatte das Versäumnis keine Konsequenzen — der 38-Jährige, der von 1999 bis 2001 71 Bundesligaspiele für die Dormagener bestritten hatte (siehe: Persönlich), durfte weiterspielen und avancierte mit sechs Treffern zum zweitbesten Torschützen des Aufsteigers hinter seinem acht Mal erfolgreichen Landsmann Piotr Przybecki.

Dass die Irrungen und Wirrungen am Kampfrichtertisch nicht ursächlich für die siebte Saisonniederlage waren, stand für Kai Wandschneider außer Frage. Spielentscheidend war in den Augen des Dormagener Trainers auch nicht Jacek Bedzikowsi gewesen, sondern Jan-Fiete Buschmann. "Ihn haben wir überhaupt nicht in den Griff bekommen", sagt Wandschneider über den aus Minden gekommenen Linkshänder, der sein Comeback nach mehrwöchiger Verletzungspause erfolgreich gestaltete.

Und spielentscheidend war für den Handball-Lehrer vor allem, "dass wir nicht das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen hatten. Wir wollten hier angreifen, haben aber nur reagiert, sind Hannover immer hinterhergelaufen." Tatsächlich schien ein Großteil seiner Schützlinge kopfmäßig nicht auf der Platte — rühmliche Ausnahme Christoph Schindler und der nach 41 Minuten "vielleicht etwas zu spät" (Wandschneider) für Vitali Feshchanka zwischen die Torpfosten gerückte Jens Vortmann, der in 19 Minuten sechs Bälle abwehrte und so zumindest verhinderte, dass die Gästeangesichts eines 18:25-Rückstandes zehn Minuten vor der Schlusssirene vollends unter die Räder gerieten.

Für Wandschneider kein Wunder: "Hier sind doch noch heute Nachmittag im Hotel Vertragsgespräche geführt worden." Dem Vernehmen nach sollen nicht alle TSV-Profis bereit sein, ihre über das Saisonende hinaus gültigen Verträge vorzeitig aufzukündigen, um so den Weg zur Gründung einer Spielbetriebs GmbH frei zu machen (die NGZ berichtete). "Ich weiß nicht, ob es daran gelegen hat," sagt der mit den Gesprächen betraute Thomas Dröge, "denn gekämpft haben sie ja." Doch Kampf alleine reicht in Liga eins nicht aus — nicht einmal gegen einen biederen Aufsteiger.

Persönlich Das Phänomen

Zur Sache Fataler Kreislauf

(RP)