Radsport : VfR möchte Talfahrt beenden

Während ringsherum die Rennen sterben, plant der VfR Büttgen über sein Jubiläumsjahr 2012 hinaus mit seinen Traditionsveranstaltungen auf Bahn und Straße: "Beste Außendarstellung", sagt Präsident Franz-Josef Kallen.

Früher war alles besser. Wenn diese Feststellung zutrifft, dann ganz bestimmt im Radsport. Im Zuge der Dopingskandale, der damit begründeten Weigerung der (öffentlich-rechtlichen) Fernsehanstalten, selbst Klassiker wie die Tour de France zu übertragen, und des damit einhergehenden Rückzugs von Sponsoren hat das große Sterben eingesetzt: Eine Radsportveranstaltung nach der anderen wird aus dem Kalender gestrichen, zumindest in Deutschland.

Wie das berühmte gallische Dorf von Asterix und Obelix den Römern, so möchte das Radsportdorf Büttgen diesem Trend Widerstand leisten: "Wir planen mit unseren Veranstaltungen auch über das nächste Jahr hinaus", sagt Friedhelm Kirchhartz, seit Jahren die – wirtschaftliche – Triebfeder hinter der Doppelveranstaltung "Spurt in den Mai" und Straßenrennen, die der VfR Büttgen stets am 30. April und 1. Mai ausrichtet.

Das Straßenrennen steht zum 49. Mal im Kalender – genauso lange, wie es die vom ehemaligen Sparkassenchef Peter Kirchhartz gegründete Radsportabteilung in den gelb-schwarzen Trikotfarben gibt. Ein Grund, warum die Büttgener im Gegensatz zu anderen Traditionsveranstaltern nicht die Segel streichen: Weil die Rennen kein Selbstzweck sind. "Sondern beste Außendarstellung für unseren Verein und den Radsport", findet Franz-Josef Kallen, Präsident des VfR Büttgen, der im nächsten Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Schließlich betreiben die Büttgener seit Jahrzehnten eine exzellente Jugendarbeit. "Mit die beste in Deutschland", findet Friedhelm Kirchhartz allein schon mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre, in denen Max Stahr, Jan Radermacher, Daniel Scherring und Nils Schomber genau ein Dutzend Deutsche Jugendmeistertitel nach Büttgen holten.

Weil das so ist, gehören am 1. Mai nicht nur sechs Schüler-, Jugend- und "Erste-Schritt"-Rennen zum Programm. Auch im Hauptwettbewerb, dem Omnium der Asse auf der Straße wie am Vorabend auf der Bahn, gibt der Nachwuchs den Ton an. Im Bahnrennen sind fünf Fahrer am Start, die nicht älter als 20 Jahre sind: Patrick Oeben (19), Christopher Muche (19), Christoph Schübbe (20), Daniel Scherring (18) und Moritz Pfeiffer (20). Das besonders Reizvolle: Sie fahren im Duo mit erfahrenen Profis, darunter Ex-Europameister Alexander Aeschbach (mit Scherring) oder der Sieger des Bremer Sechstagerennens, Robert Bengsch (mit Oeben).

"Da gibt es keinen Favoriten", ist Andreas Beikirch, vom Seriensieger zum Fahrerverpflichter mutiert, überzeugt. Friedhelm Kirchhartz hofft, dass das auch von den Zuschauern honoriert wird: "Tausend sollten es auf der Bahn schon sein." Schließlich möchte er nach dem Spurt in den Mai nicht sagen müssen: "Früher war alles besser."

(NGZ)