Kanu : Verwegener Ritt durch wildes Wasser

Kanutin Anna Faber (17) hat neben den Junioren-Weltmeisterschaften in Liptovsky Mikulás auch das Abitur fest im Blick.

Die Sechs-Tage-Arbeitswoche hat sich Anna Faber hart erkämpft. Ginge es nach ihrer Trainerin Mira Louen (Hilden), die 17 Jahre alte Wildwasser-Kanutin des WSC Bayer Dormagen wäre wohl rund um die Uhr für ihren Sport im Einsatz. Aber da bleibt das Slalom-Ass eisern, "meine Eltern wollen mich ja vielleicht auch mal sehen".

Erst am Sonntagabend ist Anna Faber vom Trainingslager im slowakischen Liptovsky Mikulás zurückgekehrt. Dort finden vom 17. bis 21. Juli die Weltmeisterschaften der Junioren statt. Für den Startplatz im Team des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) hat sie sich mächtig ins Zeug legen müssen. Bei den ersten Qualifikationsrennen in Leipzig hatten ihr die Nerven einen Streich gespielt. "Ich war extrem aufgeregt", sagt sie, "ganz einfach blöd ..." Der Druck, es nach der überraschenden Teilnahme vor einem Jahr erneut zur WM zu schaffen, lastete schwer auf ihr. Als "Küken" der deutschen Mannschaft hatte sie es 2012 richtigen krachen lassen: Sowohl bei der WM als auch bei der EM holte sie Silber im Teamwettbewerb.

Die Erinnerung an diese Coups gab Kraft für die zweite Qualifikationsrunde in Augsburg. "Da war ich dann total gut." Genau dieser Geist soll sie auch in der Slowakei bis ins Einzelfinale tragen. Das hatte sie im Vorjahr als 15. noch verpasst. Jetzt darf es ruhig ein bisschen mehr sein. "Habe ich es erst mal unter die besten Zehn geschafft, ist alles möglich", sagt sie. Was das genau heißt, "darüber will ich gar nicht nachdenken". Die Strecke in Liptovsky Mikulás liegt ihr. Das hat auch Cheftrainer Jürgen Schubert (Hamm) erkannt. "Er war total begeistert von mir." Trotzdem sieht sich die Dormagenerin, die bei der WM mit Selina Jones (Augsburg) und Ann-Kathrin Schwanholt (Magdeburg) das deutsche Team bilden wird, nicht als Favoriten. Eher schon die Tschechin Karolina Galuskova, im Vorjahr Europameisterin und WM-Zweite.

Ihre Gedanken gehen indes schon weiter zu den Weltmeisterschaften im April 2014. Die finden in Sydney statt, und weil die Reisekosten gehörig ins Kontor schlagen, nimmt der DKV nur echte Medaillenkandidaten mit. Die Nominierungen laufen schon Ende des Jahres. "Und da will ich unbedingt dabei sein", verrät Anna Faber. Klingt nach einer Menge Stress, steht für die Schülerin des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums in Dormagen doch nahezu zeitgleich das Abitur an. Ihr Ziel ist ein Notendurchschnitt von unter 2,0. Ohne den Leistungssport wäre das wahrscheinlich kein Problem. Trotzdem ist ihr nie wirklich in den Sinn gekommen, ihre sportlichen Ambitionen zurückzuschrauben. "Dann würde ich mich nicht wohl fühlen."

Also wird sie auch in Zukunft ihre Trainerin Mira Louen ("Sie ist klasse! Ihr habe ich alles zu verdanken.") weitaus häufiger sehen als ihre Freunde. "Bei mir gibt's im Moment nur Schule und Sport", sagt sie — und klingt dabei eher entschlossen als traurig. Am Montag hatte sie im Übrigen frei, ging mit Freunden ins Konzert im Tanzbrunnen Köln. Zu Ben Howard — aber das sollte eigentlich ein Geheimnis bleiben ...

(NGZ/rl)