Ringen Verwegener Husarenstreich mit Ansage

Neuss · Die Zweitliga-Ringer des KSK Konkordia Neuss schlagen den KV Riegelsberg trotz eines 1:12-Rückstandes zur Pause tatsächlich noch mit 19:12.

Im ersten Kampf der Zweiliga-Saison benötigte der für den KSK Konkordia Neuss ringende Samuel Bellscheidt im saarländischen Riegelsberg genau 3:40 Minuten für seinen technisch überlegenen Punktsieg über Jannik Malz.

Im ersten Kampf der Zweiliga-Saison benötigte der für den KSK Konkordia Neuss ringende Samuel Bellscheidt im saarländischen Riegelsberg genau 3:40 Minuten für seinen technisch überlegenen Punktsieg über Jannik Malz.

Foto: Ringen NRW

Als ihm am Freitagabend gegen 20.30 Uhr der fest für die Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm eingeplante Ayub Musaev am Telefon mit dünner Stimme eröffnete, dass er am Sonntag gegen den KV Riegelsberg wegen einer Bronchitis leider nicht ringen könne, fühlte sich Fatih Cinar, Sportlicher Leiter des Zweitligisten KSK Konkordia Neuss, höchst unangenehm an die vergangene Saison aus der Serie Pleiten, Pech und Pannen erinnert. Der Ausfall des international für Belgien auf die Matte steigenden Vize-Europameisters der Junioren traf die mit Macht auf die sofortige Rückkehr ins Oberhaus drängenden Nordstädter „wie ein Tiefschlag“, sagte Cinar.

Denn der 20-Jährige ist im Freistil nicht nur ein äußerst zuverlässiger Punktelieferant, sondern machte die Mannschaft in Riegelsberg erst komplett. Im Klartext: Hätten die Neusser im Saarland neben der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm, für die eigentlich der freilich in der Türkei bislang vergeblich auf sein Einreisevisum wartende Furkan Ali Yildiz gebucht ist, noch einen weiteren Platz unbesetzt gelassen, wären sie in die „Mission Wiederaufstieg“ mit einer peinlichen 0:40-Pleite gestartet. Also machte Cinar Überstunden, holte sich noch am Abend in Polen die Zusage von Mairbek Salimov und buchte umgehend die Flugtickets. „Dass er uns sofort geholfen hat, verdient großen Respekt“, wollte Cinar unbedingt festgehalten wissen. Schließlich ist der wie sein Bruder Arslanbek in Neuss ausgebildete Teilnehmer an der U20-WM in Sofia (Rang 19) kein Freistilmann.

Trotz der nicht unbedingt eingeplanten 1:16-Niederlage gegen Paul Riemer verteidigt auch KSK-Ehrenvorsitzender Hermann J. Kahlenberg den Einsatz Salimovs. „Um in der Bundesliga ringen zu können, brauchst du eine Lizenz, und die kostet 150 Euro. Du musst dir vor der Saison also genau überlegen, wie viele Lizenzen du beantragst. Am Sonntag waren alle anderen infrage kommenden Ringer verletzt.“

In Riegelsberg ging die Sache gut aus, obwohl in der ersten Hälfte nur Calvin Stiller (61 kg), der Salim Sarti mit 4:3 bezwang, für die Gäste zu punkten wusste. Neben Salimov verloren auch die schweren Jungs Jackson Vaillant-Cantero (1:5 gegen Elvelin Rusev) und Julian Lejkin (0:4 gegen Yoan Dimitrov), so dass der KSK mit einem 1:12-Rückstand in die Pause ging. In der ermittelte der in diesen Dingen fast unfehlbare Kahlenberg: „Jetzt brauchen wir vier Siege – und dürfen uns maximal noch eine knappe Niederlage erlauben.“ Es wurden am Ende fünf Erfolge für 18:0-Mannschaftspunkte: Weltmeister Magomedmurad Gadzhiev (80 kg) zerlegte Daniel Decker mit 18:2, Vasile Diacon (75 kg) Georgiy Zlatov mit demselben Ergebnis. Samuel Bellscheidt (Jannik Malz/75 kg) und U20-Weltmeister Deni Nakaev (Dilhan-Semi Harmandali/86 kg) verprügelte ihre Kontrahenten mit 16:0 und Aaron Bellscheidt (71 kg) schlug Hocine Benserradj mit 6:3.

Ein Husarenstreich von fast schon beängstigendem Ausmaß, zumal die Konkordia mit der Rückkehr von Ayub Musaev, Lom-Ali Eskijev und vielleicht sogar Adlan Tasuev (Belarus) noch stärker und variabler werden könnte. Doch sollte Furkan Ali Yildiz weiterhin nicht zur Verfügung stehen, klafft in der Hinrunde eine riesige Lücke im Leichtgewicht. Die könnte der Italiener Simone Piroddu schließen, doch dazu müsste der eigentlich erst für die Rückrunde in der Klasse bis 61 Kilogramm eingeplante U20-Europameister wohl für jeden Einsatz fünf Kilogramm „abkochen“ – ein Knochenjob. Davon unbeeindruckt gibt Cinar schon das nächste Ziel aus: „Wenn wir am Samstag in Heusweiler gewinnen und am Montag zu Hause auch Hüttigweiler schlagen, lassen wir alle Vereine aus dem Saarland hinter uns.“ Hört sich doch gut an.

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