Fußball : Verhärtete Fronten beim PSV

Beim Polizeisportverein Neuss ist das Tischtuch zwischen der gerade aus der Bezirksliga abgestiegenen ersten Mannschaft und dem Vorstand offensichtlich zerschnitten. Der Konflikt bringt auch Strukturprobleme an den Tag.

Der Polizeisportverein Neuss steht zwei Spieltage vor Saisonschluss ohne erste Mannschaft da. Die Kicker des als Absteiger feststehenden Bezirksligisten waren bereits am vergangenen Sonntag zum Derby gegen den TSV Norf nicht angetreten. Und vieles deutet darauf hin, dass die ehemaligen Schützlinge des zurückgetretenen Trainers Cengiz Yavuz in dieser Spielzeit gar nicht mehr für den PSV die Fußballschuhe schnüren werden.

Zum Eklat war es am Sonntag im Vorfeld des Heimspiels gegen Norf gekommen. "Die Spieler wollten nur antreten, wenn sie von mir eine Pauschal-Bescheinigung bekämen, dass sie am Saisonende ablösefrei den Verein wechseln dürfen", sagt PSV-Abteilungsleiter Rüdiger Volkwein. "Das habe ich natürlich abgelehnt, ich lasse mir doch keine Daumenschrauben anlegen." Die Spieler fühlen sich freilich im Recht. "Zu sagen, wir spielen nicht, ist doch unser einziges Druckmittel gegenüber dem Verein", erklärt der stellvertretende Kapitän Ismail Davarci. Yavuz, der mit der Mannschaft auf direktem Weg von der Kreisliga B in die Bezirksliga marschiert war, weist zudem auf gravierende Strukturprobleme innerhalb des Vereins hin: "Es gibt hier vier Senioren-Mannschaft, und jede ist für sich, hat ihre eigenen Betreuer und Gönner. Der Vorstand hatte mit uns eigentlich nichts zu tun." Da sei sogar soweit gegangen, dass der inzwischen aus privaten Gründen ausgeschiedene Betreuer Sedat Altun fällige Ablösesummen aus eigener Tasche bezahlt habe. "Und jetzt will der Verein selbst für Spieler, die ablösefrei zu uns gekommen sind, Geld haben", ereifert sich Davarci. Und weiter: "Obwohl schon seit Ende der Hinrunde feststeht, dass unsere Mannschaft aufgelöst werden soll, ist mit uns nicht gesprochen worden. Hätten wir früher davon erfahren, hätten wir sicher eine Lösung gefunden."

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Eine Darstellung, die Volkwein bestreitet: "Erst seit Trainer und Betreuer ihren Rückzug angekündigt haben, gibt es Überlegungen, die Spieler auf zwei Mannschaften zu verteilen. Nach dem Abstieg hat jeder Spieler die Möglichkeit, in der Kreisliga A weiter für den PSV zu spielen." Aus finanziellen Gründen sei es aber nicht mehr darstellbar gewesen, so wie bisher weiterzumachen, zumal es noch Forderungen seitens des Klubs gegen Betreuer und Mannschaft gebe.

Davarci und seine Kollegen fühlen sich respektlos behandelt, und das sei eine direkte Folge der fehlenden Lobby im Verein. "Die zweite Mannschaft ist eben durch Sükür Polat im Vorstand vertreten. Die Zweite kommt mir eh vor wie eine Sekte." Kurzfristig soll es nun doch zu einem Gespräch kommen, verspricht der zuletzt gesundheitlich angeschlagene Volkwein. Von seiner Position werde er indes nicht abweichen: "Zur Not spielen wir eben mit den Alten Herren weiter."

(NGZ)